02.12.2012

Mondscheintour mit „Fräulein Oehmer“

Blick auf die wechselvolle Geshcichte des „Ohmer Felds“ mit RWG und Heimatverein Leese

Leese (ch). Zur Betriebsbesichtigung der besonderen Art hatte die RWG Leese jetzt zum dritten Mal auf das „Oehmer Feld“ eingeladen - und zwar wie immer bei Vollmond. Das aktuelle Geschehen auf dem 65-Hektar-Gelände beleuchtet die Mondscheintour jedoch nur am Rande: Im Mittelpunkt steht die wechselvolle Geschichte des Areals. Die vermitteln Mitglieder des Heimatvereins anhand belegter Begebenheiten sozusagen aus erster Hand: Der streitlustige „Graf Johann von Hoya“ (alias Walter Wesemann) trifft beim Steuerneintreiben bei Leeser Bauern auf „Fräulein Oehmer“ (Wilhelmine Czeczatka), die pfiffig am Entstehen des Oehmer Eichenwaldes ihren Anteil hatte. Wenig später entführt Walter Wesemann, diesmal als Rehburger Maurer Karl Kohlrusch, die Gäste in die unrühmliche Vergangenheit des Industrieareals, das ab 1938 von Arbeitslosen und später Kriegsgefangenen aufgebaut wurde. 70 Bunker samt eigenem Kraftwerk, Gleisanschluss und bestens getarnt im Grünen waren für die chemische Kriegs- und Vernichtungsmaschinerie Hitlers geplant. Kohlrusch und Kollegen leisteten per Hand echte Wertarbeit, wie die Alliierten später beim Sprengen der Bunker feststellten. Gespenstisch leuchteten die angestrahlten Ruinen der Bunker bei der Mondscheintour noch heute.

Nach Kriegsende hielt kurzzeitig zivile Nutzung am „Oehmer Feld“ Einzug: Im Bürogebäude der RWG besichtigen die Gäste wiederentdeckte Wandmalereien im Stile der Nachkriegszeit und machen Bekanntschaft mit „Tante Anna“, der guten Seele im Kinderheim der Heilsarmee. Dass die Bunker zwischenzeitlich der Bevorratung des Landes mit Getreide dienten, wusste Wilhelmine Czeczatka als ehemalige Mitarbeiterin zu berichten. Nach kurzem zivilen Intermezzo war das Oehmer Feld bis etwa 1993 als Kaserne und Depot in militärischer Nutzung: „Eine gute Zeit für Leese - nicht nur sportlich“, erinnert sich TuS-Urgestein Wesemann. Ein Glückgriff für den Ort sei 1996 die Übernahme des kompletten Geländes durch die RWG gewesen, die heute mit rund 150 Mitarbeitern und vielfältigen Unternehmensaktivitäten für Leben auf dem geschichtsträchtigen Areal sorgt.

Bei Punsch und Erbsensuppe ließen die Gäste die lebendig vermittelte Lokalhistorie am Lagerfeuer ausklingen. Der Erlös der Mondscheintour kommt komplett dem Heimatverein Leese zugute.

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Erstellt:
2. Dezember 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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