Das Naturschutzgebiet Blankes Flet von oben.   Foto: Heiko Köster/ÖSSM

Das Naturschutzgebiet Blankes Flet von oben. Foto: Heiko Köster/ÖSSM

Neustadt/Esperke 02.02.2020 Von Die Harke

Motorsägen im „Blanken Flet“

NLWKN, Untere Naturschutzbehörde und ÖSSM wollen trockene Sandheide auch für die Zauneidechse erhalten

Im Naturschutzgebiet (NSG) „Blankes Flat“ werden in den kommenden Tagen Motorsägen sicht- und hörbar im Einsatz sein.

Was aussieht wie ein erheblicher Eingriff in die Natur, dient in Wahrheit dem Erhalt beziehungsweise der Schaffung ökologisch vielfältiger Lebensräume im Zuge des EU-geförderten Integrierten LIFE-Projektes „Atlantische Sandlandschaften“.

„Durch ausgewählte Gehölzbeseitigungen und Oberbodenabtrag wollen wir die trockene Sandheide in dem Gebiet erhalten, ihre Ausdehnung vergrößern und als Lebensraum – unter anderem für die Zauneidechse – sichern“, erläutert Sabrina Schäfer vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz), der die Maßnahme in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover und der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) durchführt.

Nährstoffarmut wird wieder hergestellt


Das etwa 65 Hektar große Naturschutzgebiet „Blankes Flat“ besteht im Kernbereich aus einem kleinen Moorsee („Flat“) und weiteren Moorsenken, die durch Dünenzüge getrennt sind. Die direkt an den See angrenzenden Binnendünen sind von Heide und Sandtrockenrasen bewachsen, während die angrenzenden Dünen mehrheitlich bewaldet sind.

Die Arbeiten im „Blanken Flat“ werden in zwei Abschnitten durchgeführt: In einem ersten Schritt wird an zwei Standorten der Waldrand aufgelichtet beziehungsweise die Bäume auf einem Dünenrücken zurückgenommen.

Um die Nährstoffarmut auf diesen ehemaligen Waldflächen wiederherzustellen, werden die Flächen in einem zweiten Schritt im Winterhalbjahr 2020/2021 „geplaggt“. Dabei werden die gesamte Vegetation, die Rohhumusauflage sowie die oberste Schicht des Bodens abgetragen.

Auch auf bereits bestehenden Heideflächen im Naturschutzgebiet kommen im nächsten Winter die Bagger zum Einsatz: Hier wird in Teilbereichen die oberste Bodenschicht entfernt, die unter anderem durch Stickstoffeinträge aus Niederschlägen regelrecht gedüngt wird.

„Wir stellen damit quasi die historische Landnutzung nach, durch die diese Flächen entstanden sind: Heideflächen wurden beweidet und „geplaggt“, das heißt Vegetation und Oberboden wurden abgetragen und als Einstreu für die Viehställe verwendet. Anschließend wurde das Material mit dem Dung der Tiere auf die Äcker gebracht. Dadurch blieb der Heideboden nährstoffarm“, erläutert Kristina Haack von der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover.

Um den Gesamtlebensraum nicht zu gefährden, werden die einzelnen Flächen, auf denen geplaggt wird, nur wenige hundert Quadratmeter groß und über die Maßnahmenfläche verteilt sein. Zudem werden Versteckmöglichkeiten und Sonnenplätze angelegt, um den Lebensraum insbesondere für Reptilien zu optimieren. „Kleinflächig strukturierte Lebensräume sind für die Tiere besonders wichtig“, betont Heiko Köster von der ÖSSM, der die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort begleitet.

Die ÖSSM führt darüber hinaus gezielte faunistische Erfassungen durch, um die Effekte der Maßnahmen zu dokumentieren und weitere Maßnahmen für seltene Arten anzuschieben.

Die Maßnahmen im NSG „Blankes Flat“ sind Teil des von der Europäischen Union geförderten Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ zum Erhalt der biologischen Vielfalt, das gemeinsam von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen umgesetzt wird.

Heide- und Dünenlandschaften erhalten

Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region wie zum Beispiel Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer sollen dabei nachhaltig aufgewertet oder entwickelt werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten wie Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Schlingnatter und Zauneidechse sollen gestärkt werden.

Für die zehnjährige Laufzeit des Projekts steht beiden Ländern insgesamt ein Budget von 16,875 Millionen Euro zur Verfügung. 60 Prozent der Mittel werden von der Europäischen Union gestellt, jeweils 20 Prozent von den beiden Bundesländern.

Die Gesamtverantwortung für das Vorhaben liegt in Nordrhein-Westfalen beim Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV).Die operative Umsetzung der konkreten Einzelmaßnahmen in Niedersachsen liegt beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (MU).

Weitere Informationen sind im Internet unter www.sandlandschaften.de und unter www.nlwkn.niedersachsen.de verfügbar.

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Erstellt:
2. Februar 2020, 12:53 Uhr
Lesedauer:
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