Maren Hustedt ist auf Desinfektionsmittel angewiesen. Ihr Sohn Tamme (9) muss vier Mal am Tag katheterisiert werden. Dafür müssen Hände und Geräte steril sein. Foto: Stüben

Maren Hustedt ist auf Desinfektionsmittel angewiesen. Ihr Sohn Tamme (9) muss vier Mal am Tag katheterisiert werden. Dafür müssen Hände und Geräte steril sein. Foto: Stüben

Landkreis 04.03.2020 Von Sebastian Stüben

Mutter in Sorge: Sohn braucht sterile Katheter

Desinfektionsmittel knapp wegen Corona

Viermal am Tag muss der kleine Tamme Hustedt (9) aus Rohrsen über einen Zugang am Bauchnabel per Katheter seine Blase entleeren – wegen einer Funktionsstörung des Organs. Bei der Katheterisierung müssen Hände und Geräte steril sein, sonst besteht das Risiko einer Blasenentzündung oder gar einer Nierenentzündung bei dem Jungen.

Wegen der Hamsterkäufe von Desinfektionsmitteln aus Sorge vor einer Corona-Epidemie sind entsprechende Mittel nur noch schwer zu bekommen – selbst für diejenigen, die aus medizinischen Gründen dringend darauf angewiesen sind. Tammes Mutter Maren Hustedt hat die Suche nach Restbeständen an Desinfektionsmitteln mehrere Tage lang umgetrieben – und noch immer ist sie auf lange Sicht nicht wirklich beruhigt.

Ausverkauft

„Ich gehe mit Tamme viermal im Jahr zum Arzt, und weil unser Sohn privat versichert ist, bekommen wir mehrere Flaschen eines medizinischen Händedesinfektionsmittels und eines weiteren für die Behandlung des Bauchnabelzugangs auf Rezept verschrieben“, sagt Maren Hustedt: „Damit gehe ich für gewöhnlich in die Apotheke und kann am folgenden Tag meine Bestellung abholen.“ Anfang der Woche dann die beunruhigende Antwort der Apotheke: Es sei kein Desinfektionsmittel mehr da, und die bestätigte jüngste Bestellung sei nicht geliefert worden.

Ich verstehe nicht, warum die Apotheker nicht einen Teil der Ware zurückgehalten haben für Menschen, die wirklich darauf angewiesen sind. Die haben offenbar nur wirtschaftlich gedacht und alles verkauft.

Maren Hustedt

„Ich habe dann sämtliche Apotheken im Kreisgebiet angerufen und kein Mittel mehr bekommen“, sagt Hustedt: „Ich verstehe nicht, warum die Apotheker nicht einen Teil der Ware zurückgehalten haben für Menschen, die wirklich darauf angewiesen sind. Die haben offenbar nur wirtschaftlich gedacht und alles verkauft.“

Solidarität aus dem Bekanntenkreis

Bei einer Apotheke in Bremen hat Hustedt noch wenige Flaschen des Desinfektionsmittels für den Bauchnabel besorgen können. „Das Händedesinfektionsmittel ist kaum noch zu bekommen.“ Und wenn dann bei zwielichtigen Händlern im Internet für Wucherpreise. „Da weiß ich dann nicht, ob das jemals bei mir ankommt.“

Aus Verzweiflung hat Hustedt beim Kurznachrichtendienst WhatsApp eine Statusmeldung mit Hilferuf gepostet. „Daraufhin habe ich so viel Solidarität aus meinem Bekanntenkreis erfahren. Alle haben sich bemüht, mir noch Mittel zu besorgen. Eine Freundin hat eine Flasche von ihrer Fußpflegerin geschenkt bekommen.“

Noch eineinhalb Flaschen Händedesinfektion hat Hustedt übrig. „Das reicht vermutlich ein paar Wochen.“ Die Rohrsenerin hofft, dass sich die Lage in Sachen Corona in absehbarer Zeit beruhigt und die Hersteller wieder Desinfektionsmittel liefern können. „Bei seinem Kind will man schließlich kein Risiko eingehen.“

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Erstellt:
4. März 2020, 18:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 16sec

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