Unsplash / Dave Clubb

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26.08.2020 Von Die Harke

Muttermilch spielt möglicherweise eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Corona

Die Wichtigkeit der Funktionen und Inhaltsstoffe von Muttermilch ist seit längerer Zeit unbestritten. Das Immunsystem des Babys wird dadurch gestärkt und sichert so in ersten Wochen und Monaten nach der Geburt den notwendigen Schutz. Aufgrund aktueller Entwicklungen könnte dem Elixier für das Kleinkind in Zeiten der Corona-Pandemie eine neuartige Bedeutung zugemessen werden.

Führen die Forschungen an der New Yorker „Icahn School of Medicine“ zu einem positiven Ergebnis, sollten Jungmütter zusätzlich zur Pre-Nahrung auch vermehrt Muttermilch verabreichen. Die dort ansässige Forscherin Rebecca Powell geht einem möglichen Durchbruch anhand von Muttermilchextrakten auf den Grund. Bereits seit März werden in ihrem Labor Proben jener Mütter gesammelt, die positiv auf den Virus COVID-19 getestet wurden. Nach mehreren Aufrufen stehen ihrem Team mittlerweile über 800 Extrakte zur Verfügung.

Der Grund hierfür liegt in der These, dass der natürlich produzierte Nährstoff Antikörper enthalten könnte, der Babys einen Schutz vor der noch relativ unbekannten Krankheit bieten soll. Obwohl sich der Erreger auch nachweislich in der Muttermilch befinden kann, zeigt sich Rebecca Powell zuversichtlich. „Wir hoffen darauf, dass die Anzahl der Antikörper hoch ist und dass eine schützende Funktion garantiert wird“, so die Forscherin. „Dies ist zwar vor allem für Babys entscheidend - darüber hinaus könnten die Antikörper möglicherweise purifiziert und für die Behandlung weiterer COVID-19 Fälle eingesetzt werden“.

Dieses Forschungsexperiment entspricht den gegenwärtigen Vorzeichen der Medizinwelt, welche verstärkt auf die Entwicklung von Antikörpertherapien setzen möchte. Laut Berechnungen und Einschätzungen von Experten sind Lösungen hierbei eher in Reichweite als in Kombination mit einer möglichen Impfung. Mit ihrer Forschungsreihe geht Rebecca Powell allerdings einen anderen Weg als die meisten Fachkenner auf ihrem Gebiet.

Dass der Großteil von Antikörper-Testungen auf Blut spezialisiert wird, liegt laut der Amerikanerin an der unterschiedlichen Aufmachung der Schutzteilchen. Im direkten Vergleich sind Antikörper in der Brustmilch nämlich deutlich widerstandsfähiger und somit schwieriger zu erfassen. Die aufwendige Schutzfunktion des Darms und der Atemwege des Fötus stellt hierfür den Hauptgrund dar. Grundsätzlich ist Powell aufgrund des Potenzials jedoch zielstrebig. „Antikörperreaktionen verweilen üblicherweise für eine sehr lange Zeit, insbesondere im Fall von Infektionen. Wer beispielsweise Masern als Kind hatte, ist für den Rest seines Lebens so gut wie immun gegen diese Krankheit“.

Falls sich Jungmütter mit Corona infiziert haben, sollte auf jeden Fall weiter gestillt werden. Neben Rebecca Powell vertritt auch die Weltgesundheitsorganisation sowie das deutsche StillInstitut diese Ansicht. Die Forscherin weist darauf hin, dass das festgestellte Vorkommen von COVID-19 in der Muttermilch weniger Grund zur Sorge bereitet als angenommen. „Infizierte Mütter sollten während und auch der Infektion unbedingt weiter stillen - andere Forschungsergebnisse belegen nämlich, dass eine direkte Übertragung über die Muttermilch nicht möglich ist“.

Die Amerikanerin betont jedoch auch, dass sich die Forschung über Muttermilch in genau so frühen Stadien befindet wie die Krankheit selbst. Sie warnt daher auch davor, dass sich junge Mütter sicht nicht voreilig bzw. fälschlicherweise in Sicherheit wiegen sollten. Dass das eigene Kind dadurch eine besseren Schutz vor dem Coronavirus erhält ist nämlich noch nicht gesagt - geschweige denn, ob diese Forschungen anderen Menschen helfen können.

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Erstellt:
26. August 2020, 13:09 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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