Herdenschutzhunde sind nach Ansicht des NABU eine Möglichkeit, Nutztiere vor Wölfen zu schützen. Foto: Klemens Krakwo

Herdenschutzhunde sind nach Ansicht des NABU eine Möglichkeit, Nutztiere vor Wölfen zu schützen. Foto: Klemens Krakwo

Landkreis 13.04.2021 Von Die Harke

NABU-Kreisverbände erstatten Strafanzeige

NABU Nienburg und Heidekreis kritisieren Wolfspolitik des Landes

Mit Fassungslosigkeit reagieren die Kreisverbände Heidekreis und Nienburg in einer Pressemitteilung des Naturschutzbundes auf die Tötung einer Welpenfähe aus dem Rodewalder Rudel reagiert, die in der Nacht vom 6. zum 7. April abgeschossen wurde, obwohl die Abschussgenehmigung des Ministeriums für den Leitwolf ausgestellt war. Dies sei nach den beiden Abschüssen in den Territorien des Herzlaker und des Ebstorfer Rudels im Februar die dritte Welpenfähe, die unter fragwürdigen Umständen erschossen wurde.

„Der willkürliche Abschuss streng geschützter Tiere, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind, steht in eklatantem Widerspruch zu den Anforderungen, die das EU-Recht an artenschutzrechtliche Aus-nahmen stellt“, sagt der Vorsitzende des NABU Heidekreis, Klaus Todtenhausen. „Der Europäische Gerichtshof hat in seinem Urteil vom 10. Oktober 2019 unmissverständlich klargestellt, dass nur einzelne, konkret identifizierte Individuen auf der Basis der in der FFH-Richtlinie Artikel dargestellten Ausnahmetatbestände getötet werden dürfen,“ ergänzt Jens Rösler, der Vorsitzende des NABU-Kreisverbandes Nienburg.

Da der Rüde sich anhand körperlicher Merkmale identifizieren ließe, sei ein Abschuss von Rudelmitgliedern über den räumlichen und zeitlichen Zusammenhang nicht möglich. Die NABU-Kreisverbände hätten daher Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Verstoßes gegen das Bundes-Naturschutzgesetz bei der Polizei beziehungsweise bei der Staatsanwaltschaft Verden gestellt.

„Die Abschüsse der drei Welpenfähen sind der unrühmliche Höhepunkt einer völlig verfehlten Wolfspolitik, die mit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes vor rund einem Jahr ihren Anfang nahm“, resümiert Pressesprecherin des NABU Heidekreis, Dr. Antje Oldenburg. Damals hatten Bundestag und Bundesrat mit den Stimmen der Großen Koalition den Änderungen zum Umgang mit dem Wolf zugestimmt, obwohl namhafte Juristen in der vorherigen Anhörung zu dem Ergebnis gekommen seien, dass die Regelungen in weiten Teilen dem europäi-schen Natur- und Artenschutzrecht widersprechen´würden.

Obwohl wenig später eine EU-Beschwerde zu der Gesetzesnovelle vorlag, habe Minister Lies die fragwürdigen Änderungen zügig in der Niedersächsischen Wolfsverordnung umgesetzt, ohne den Bedenken der Verbände, insbesondere im Hinblick auf die Sonderregelung für zumutbaren Herdenschutz an Deichen und bei der Prognose künftiger wirtschaftlicher Schäden, Rechnung zu tragen. Der NABU Landesverband habe sich daher gezwungen gesehen, der zunehmenden Aufweichung des Schutzstatus der Wölfe mit einer EU-Beschwerde zu begegnen.

Weitere „Meilensteine auf dem Weg vom Wolfsschutz zum Wolfabschuss“ unter der Ägide von Olaf Lies seien die Verweigerung von Umweltinformationen und die Aushebelung der Verbandsklage durch die Geheimhaltung von Abschussgenehmigungen, die serienmäßigen Absagen der Zusammenkünfte des „Arbeitskreises Wolf“ – einem Zusammenschluss verschiedener Institutionen, Verbände und Interessengruppen – die Aufnahme des Wolfes in das niedersächsische Jagdrecht und die Entlassung zweier Wolfsberater, die dem Minister offenbar aufgrund ihrer kritischen Stellungnahmen im Rahmen ihrer Vorstandstätigkeit im „Freundeskreis freilebender Wölfe“ ein Dorn im Auge gewesen seien.

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Erstellt:
13. April 2021, 09:20 Uhr
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