NFV und HVN sagen Spiele ab

NFV und HVN sagen Spiele ab

Das Coronavirus legt den Amateursport lahm. Foto: AdobeStock

Leere Ränge in der Fußball-Bundesliga und in der Champions-League, die komplette Absage der Eishockey-Play-offs, die zweite Handball-Bundesliga hat einen kompletten Spieltag verschoben, Fußballprofis sind infiziert– die Liste könnte noch viel, viel länger ausfallen.

Das Coronavirus macht auch vor der Sportwelt nicht halt und spätestens seit den ersten beiden bestätigten Fällen im Nienburger Stadtgebiet und der 14-tägigen Schließung dreier Schulen, ist auch der Amateurbereich nicht mehr außen vor. Ganz im Gegenteil: Er kommt quasi zum Erliegen.

Mittwochabend, Fußball-Champions-League: Während im Prinzenpark in Paris im Spiel gegen Dortmund gähnende Leere auf den Rängen herrscht, sitzen an der Anfield-Road in Liverpool über 50 000 Zuschauer dicht an dicht – obwohl die Pandemie in Großbritannien genauso wie in Frankreich ausgebrochen ist.

Ähnliche Diskrepanzen scheinen auch am Wochenende im Kreisgebiet zu entstehen. Der NFV Nienburg hat die beiden kommenden Spieltage im Juniorenbereich abgesetzt – im Seniorenbereich allerdings nicht. Wie Carsten Meier, Staffelleiter der A-, B- und C-Jugend mitteilte, habe man sich nach Rücksprache mit dem Kreisjugendausschuss zu diesem Entschluss entschieden.

„Die Staffelleiter setzen die abgesetzten Spiele ab dem Ursprungsspieltag spätestens 14 Tage später wieder neu an. Die Partien sollen bis zum 9. April neu angesetzt werden“, schreibt Meier.

Grotesk wirkt in diesem Zusammenhang, dass sämtliche Begegnungen in der Kreisliga oder den Kreisklassen allerdings nach wie vor angesetzt sind. Ob dies aber auch so bleibt, sei zunächst noch offen, erklärt NFV-Chef Michael Brede gegenüber der HARKE. Am Freitag wolle man über das weitere Vorgehen diskutieren.

Wir bitten alle Vereine um ein faires, verantwortungsvolles Miteinander. Günter Distelrath, NFV-Vorsitzender

Ein Blick nach Schleswig-Holstein: Dort hat der Landesverband am Donnerstagmittag den kompletten Spielbetrieb von der Oberliga abwärts bis zum Sonntag, den 22. März gestoppt.

Der niedersächsische Verbandsvorsitzende Günter Distelrath teilte zunächst mit: „Wir vom NFV beobachten sehr aufmerksam die Infektionszahlen und die behördlichen Entscheidungen. Sofern bei Spielern der Mannschaften nachweislich Corona-Erkrankungen oder Verdachtsfälle eintreten, verlegt die zuständige Stelle gebührenfrei das betroffene Spiel. Wir bitten alle Vereine hierbei um ein faires und verantwortungsbewusstes Miteinander.“

Eine deutliche drastische Gesamtmaßnahme hat hingegen der niedersächsische Handballverband eingeleitet: Bis zum 19. April setzt der HVN den kompletten Spielbetrieb aus, ebenso etliche Sichtungsveranstaltungen, Tagungen und Fortbildungen. „Es wird dringend empfohlen, in den Vereinen auch den Trainingsbetrieb einzustellen“, betont HVN-Geschäftsführer Gerald Glöde.

Noch bevor der Verband diese Entscheidung mitteilte, hatten die Nienburger bereits Fakten geschaffen: Das Heimspiel der Oberliga-Mannschaft am Freitagabend gegen die HSG Schaumburg-Nord sollte zunächst vor leeren Rängen stattfinden.

Vorstandsmitglied Steffen Schücke erklärte: „Wir haben einen Anruf vom Gesundheitsamt erhalten, die uns die Empfehlung gaben, die Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen oder ganz abzusagen. Da beide Teams aber unbedingt spielen wollten, hatten wir gemeinsam beschlossen, die Begegnung auf diese Weise stattfinden zu lassen.“

Auch im Tanzsport wurden bereits drastische Maßnahmen ergriffen: Die Formationsturniere am Samstag in Coburg und eine Woche später in Syke wurden gestrichen.

Diese werden sogar offiziell als „nicht stattgefunden“ vermerkt und nicht nachgeholt. In Syke hätten auch die beiden Lateinteams und die B-Formation des TSC Blau-Gold sowie das 1. TSZ Nienburg auf dem Parkett gestanden. Ob das Turnier der 2. Bundesliga Nord am 26. April in Nienburg wirklich stattfinden wird, bleibt zunächst fraglich.

Sportvereine streichen Trainingsstunden

Erste Sportvereine haben ebenfalls die Schotten dichtgemacht. Die SV Erichshagen reagierte auf die örtlichen Corona-Fälle mit der ausnahmslosen Absage sämtlicher Übungsstunden, Veranstaltungen und Einweisungen in den Fitnessraum. Auch die Sportanlage bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Lediglich die Geschäftsstelle bleibt erreichbar. „Die derzeit unkalkulierbare Situation mit dem Virus macht diese Entscheidung zugunsten der Gesundheit aller notwendig“, heißt es vonseiten des SVE-Vorstands um Pressewartin Claudia Heuer.

Auch im benachbarten Holtorf entschied sich die HSV zu ähnlichen Schritten: „Alle Kindergruppen sagen wir aus verbreitungstechnischen Gründen bis zu den Osterferien ab. Mitglieder, die allgemeinen Krankheitssymptomen aufweisen, sollen nicht an Trainingsstunden teilnehmen.“

Beim MTV Nienburg sagte beispielsweise Meister Henning von der Haar sämtliche Übungseinheiten für die kommenden zwei Wochen ab, obendrein auch die Teilnahme beim anstehenden Turnier in Bad Zwischenahn. „Die Vernunft hat letztlich gesiegt, auch wenn wir natürlich lieber in der Halle stehen würden“, berichtet er.

Das Heimspiel der Volleyballerinnen des VC Nienburg am Samstag steht ebenfalls noch in der Schwebe, teilte Coach Torben Keßler mit. Sein Team ist rechnerisch bereits aufgestiegen, die beiden Begegnungen in der Nordertorhalle wären ein „toller Abschluss.“

Eine Austragung erscheint jedoch unrealistisch: Der Bundesverband sagte bereits alle Volleyball-Begegnung ab der Regionalliga und darüber ab.

Der Kreissportbund teilt auf seiner Homepage mit: „Durch die Dynamik der derzeitigen Infektionsausbreitung ändert sich die aktuelle Situation sehr schnell und es können keine längerfristigen Vorhersagen gegeben werden. Es ist nicht möglich, allgemeingültige Vorgaben und Empfehlungen für alle Sporttreibenden oder Sportveranstalter zu treffen.“