Landkreis 14.11.2018 Von Die Harke

NGG kritisiert Kontrolle der Arbeitszeit

Die rund 3300 Betriebe im Landkreis müssen laut Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) selten mit einer Arbeitszeit-Kontrolle der Behörden rechnen. Nach NGG-Angaben habe die Niedersächsische Gewerbeaufsicht im vergangenen Jahr landesweit 733 Kontrollen zur Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes durchgeführt. Dabei hätten die Beamten 599 Verstöße aufgedeckt. Gegenüber 2016 sei die Zahl der Prüfungen um 33 Prozent zurückgegangen. Dies ergebe sich aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken, Susanne Ferschl. Rrechnerisch werde ein Betrieb in Niedersachsen alle 270 Jahre kontrolliert, kritisiert NGG-Sekretärin Lena Melcher: „Das Arbeitszeitgesetz ist eines der wichtigsten Schutzgesetze, das die Beschäftigten haben.“ Es könne nicht sein, dass die Behörden ihre Kontrollen „ausgerechnet in einer Zeit zurückfahren, in der Nacht-, Schicht- und Wochenendarbeit immer stärker zunehmen“.

Ohne Kontrolle drohe das Arbeitszeitgesetz zum „Papiertiger“ zu werden. Das sei mit Blick auf die Digitalisierung ein Problem. „Viele Beschäftigte im Kreis Nienburg müssen immer flexibler arbeiten und teils ständig für den Chef erreichbar sein. Da ist es umso wichtiger, dass sie auch mal Luft holen können“, sagt Melcher. Nicht ohne Grund schreibe das Arbeitszeitgesetz eine Ruhezeit von elf Stunden vor.

Laut Studien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin steige das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde exponentiell an. Wer regelmäßig nachts oder im Schichtdienst arbeite, habe ein erhöhtes Risiko, am Herzen oder an Diabetes zu erkranken. Aktuell arbeite jeder Neunte länger als 48 Stunden in der Woche, so das Statistische Bundesamt.

Einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes erteilt Melcher eine Absage. „Flexible Lösungen, die für die Betriebe und die Beschäftigten passen, lassen sich per Tarifvertrag vereinbaren“, so die Gewerkschafterin.

„Statt Änderungen am Arbeitszeitgesetz brauchen wir mehr Kontrollen, damit es auch eingehalten wird“, fordert Melcher. Dafür müsse das Personal bei den Arbeitsschutzbehörden massiv aufgestockt werden. Nach Angaben der Bundesregierung seien in Niedersachsen zuletzt 449 Beamte für die Kontrolle der Arbeitszeiten zuständig gewesen – bei knapp 200.000 Betrieben.

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Erstellt:
14. November 2018, 21:00 Uhr
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