Wer jetzt aus dem Skiurlaub in einem Corona-Risikogebiet wie Südtirol nach Hause kommt – so wie die Schülergruppe des Hoyaer JBG –, der erlebt möglicherweise bei der Rückkehr ein böses Erwachen und muss erst mal in Quarantäne. Foto: Lüers-Grulke

Wer jetzt aus dem Skiurlaub in einem Corona-Risikogebiet wie Südtirol nach Hause kommt – so wie die Schülergruppe des Hoyaer JBG –, der erlebt möglicherweise bei der Rückkehr ein böses Erwachen und muss erst mal in Quarantäne. Foto: Lüers-Grulke

Nach dem Urlaub in die Quarantäne

Auf was sich die Skifreizeitteilnehmer des Johann-Beckmann-Gymnasiums Hoya einstellen müssen

Im Landkreis Nienburg gibt es weiterhin keinen bestätigten Coronavirus-Verdacht. 23 am heutigen Samstag von einer Skifreizeit zurückkehrende Gymnasiasten aus Hoya und drei Lehrer müssen für die nächsten 14 Tage vorsorglich in häusliche Quarantäne, weil Südtirol (Italien) als Risikogebiet eingestuft worden ist.

Das Auswärtige Amt rät derzeit von nicht-erforderlichen Reisen dorthin ab. Es gab es bis Freitagnachmittag zwei bestätigte Coronavirus-Fälle. Doch wie laufen die Rückreise der Gruppe vom Johann-Beckmann-Gymnasium, die Ankunft in Hoya und die anschließende Quarantäne ab?

„Die Schüler müssen in häusliche Quarantäne, die Eltern und Geschwister sowie andere mit im Haus lebende Personen sind von der Quarantäne nicht betroffen“, sagte der Pressesprecher des Landkreises, Cord Steinbrecher. Die Schüler und die drei Lehrer dürfen ihr Zuhause nicht verlassen, müssen zweimal täglich bei sich Fieber messen und diese Ergebnisse dem Kreisgesundheitsamt übermitteln. Eltern und Kinder sowie Ehepartner der Lehrer dürfen das Haus verlassen.

Die Skifreizeit-Schüler und -lehrer sollen in dieser Zeit jeglichen Kontakt zu Mitmenschen meiden – auch zu den eigenen im Haus mitlebenden Familienmitgliedern. Ob die 26 Personen die Quarantäne einhalten, werde nicht offiziell kontrolliert. Verstoßen sie allerdings dagegen und werden erwischt, drohen ihnen erhebliche Strafen.

Wie verläuft die Fahrt?

Der Bus darf grundsätzlich alle Rastplätze anfahren. „Alle Schüler und die Lehrer sind sensibilisiert worden, wie sie sich bei Stopps an Rastplätzen zu verhalten haben. Dafür haben sie ein Merkblatt erhalten“, erläuterte Steinbrecher. Die Schüler und Lehrer dürfen Toiletten der Rastplätze bedenkenlos benutzen. Wenn die Gruppenmitglieder einen Sicherheitsabstand zu anderen Rastplatznutzern halten, sei eine Ansteckung so gut wie ausgeschlossen.

Was in Hoya passiert

Eine Amtsärztin nimmt bei den Schülern und Lehrern, die nach der Ankunft in Hoya Symptome zeigen, die auf das Coronavirus hindeuten könnten, Abstriche. Anschließend dürfen sie nach Hause. Die Empfehlung des Kreisgesundheitsamtes ist es, dass möglichst nur ein Familienmitglied zur Abholung kommt, das Auto fährt und der unter Quarantäne Stehende im Fahrzeug hinten rechts Platz nimmt. So sei eine Ansteckung, wenn der- oder diejenige infiziert sein sollte, so gut wie ausgeschlossen.

Im häuslichen Zusammenleben sollten während der Quarantänezeit Einmalpapier oder getrennte Handtücher benutzt werden. Während die Reisegruppe sofort in Quarantäne kommt, muss über den Busfahrer noch entschieden werden. Das Busunternehmen, das die Gruppe nach Hoya fährt, kommt aus Dresden. Der Landkreis Nienburg darf beim Busfahrer, der auch aus Dresden kommt, keine Quarantäne anordnen, das müsste das dortige Gesundheitsamt.

Was Urlaubern droht

Das Kreisgesundheitsamt hat die Quarantäne wegen der bei Skifreizeiten üblicherweise auftretenden Erkältungssymptome vorsorglich angeordnet. Doch wie sieht es bei Urlaubern aus dem Landkreis Nienburg aus, die sich derzeit in einer als Risikogebiet eingestuften Region aufhalten?

Das Kreisgesundheitsamt empfiehlt: Wer Symptome zeige, sollte sich zunächst telefonisch an seinen Hausarzt, den KVN-Notdienst unter 116 117 oder an das vom Landkreis eingerichtete Bürgertelefon unter (0 50 21) 96 79 00 wenden. Generell gilt: Für Urlauber, die aus einem Risikogebiet zurückkehren, empfiehlt das Kreisgesundheitsamt ebenfalls eine 14-tägige Quarantäne. „Anordnen können wir das nur dann, wenn der Urlauber Symptome zeigt“, erläuterte Steinbrecher. Das werde die Kreisverwaltung in entsprechenden Fällen auch machen.

Harte Strafe bei Verstößen

Wer gegen die Anordnung der Kreisverwaltung verstößt, das Haus verlässt und dabei erwischt wird, der macht sich nach Paragraf 75 des Infektionsgesetzes strafbar. Das Strafmaß sieht dafür eine Geld- oder Haftstrafe von bis zu zwei Jahren vor. Wer gegen die Quarantäne verstößt und jemanden ansteckt, dem droht zudem eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung.

So geht es am JBG weiter

Schulleiter Lutz Bittner berichtete am Freitagvormittag auf HARKE-Nachfrage, dass die Gruppe des Skikompaktkurses vom JBG unaufgeregt auf die Nachricht aus der Heimat reagiert habe, dass sie sich nach der Rückkehr aus Südtirol in häusliche Quarantäne begeben müssen. „Sie sind gerade auf der Piste, die Stimmung ist gut“, sagte er.

Der nächste Besuch des Gymnasiums für die Teilnehmenden ist für den 23. März vorgesehen. Der Rektor war seit dem Bekanntwerden der Entscheidung des Gesundheitsamtes bemüht, die Falschinformationen aus der Welt zu bekommen. Ihm ist es wichtig, dass der Fahrt eine gründliche Risikoabwägung vorausgegangen war.

Vor dem Start am vergangenen Freitag, 28. Februar, hatte das JBG die Lage beobachtet und sich mit der Landesschulbehörde in Verbindung gesetzt. Es lag allerdings keine Reisewarnung vor, sodass es bei einem Nichtantritt auch keine volle Erstattung der Kosten gegeben hätte. Das abgefragte Meinungsbild unter den Eltern ergab: 23 von 24 Erziehungsberechtigten sahen keinen Grund, ihre Kinder nicht nach Italien zu schicken.

Die für die nächsten 14 Tage angesetzten Klausuren des zwölften Jahrgangs werden verschoben und sollen sowohl in der Woche vor als auch nach Ostern nachgeholt werden. „Terminlich ist das kein Problem, und es entstehen keine Nachteile“, sagte Bittner. Lediglich einige Lehrkräfte hätten – anders als geplant – einen erhöhten Korrekturaufwand, da nach Ostern die Abiturprüfungen anstehen.

Während der Quarantäne werde den betroffenen JBG-Gymnasiasten das Unterrichts- und Lehrmaterial digital zur Verfügung gestellt, sodass ein selbstständiges Lernen in der Zeit möglich sei. „Es bleibt zu hoffen, dass sich am Ende niemand angesteckt hat“, sagte der Schulleiter.

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Erstellt:
6. März 2020, 22:16 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 38sec

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