Experte für Aluminiumsulfat: Nach langer Erwerbslosigkeit holt der Nienburger Ferdi Ulukaya seine beruflichen Qualifikationen nach – mit finanzieller Hilfe von Jobcenter und Arbeitsagentur. Jobcenter

Experte für Aluminiumsulfat: Nach langer Erwerbslosigkeit holt der Nienburger Ferdi Ulukaya seine beruflichen Qualifikationen nach – mit finanzieller Hilfe von Jobcenter und Arbeitsagentur. Jobcenter

Nienburg 15.02.2019 Von Die Harke

Nach langer Pause wieder in Arbeit

Ferdi Ulukaya profitiert von „Wegebau“ , einem Angebot der Arbeitsagentur und des Jobcenters

Ferdi Ulukaya duzt seinen Chef. Also den Mann, der vor rund drei Jahren noch gar nichts von dem Nienburger hatte wissen wollen. „Ein Mensch, der wenig zu bieten hat, kann bei uns keine Chance bekommen“, sagt Stefan Gohde-Weber. Er ist Prokurist beim Chemie-Unternehmen Feralco an der Großen Drakenburger Straße, und auch er duzt seinen Mitarbeiter, denn der ist ein echter Gewinn geworden. „Ohne das Jobcenter hätten wir aber nie zusammengefunden“, sagt er.

Ulukaya hatte sich beworben mit einem Lebenslauf ohne abgeschlossene Ausbildung und mit einer Lücke von mehr als zehn Jahren ohne Arbeit. Der damals 36-Jährige profitierte von einem Förderprogramm des Europäischen Sozialfonds. Das sollte Arbeitgeber motivieren, Menschen aus einem langen Leistungsbezug Zeit zu geben, sich auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren. „Ich hatte Verwandte bei Feralco, und die erzählten mir, was sie so machten – da wusste ich, dort will ich hin“, sagt Ulukaya.

Diese Zielstrebigkeit imponierte seinem heutigen Chef, die Förderung half ihm zusätzlich, Vertrauen in den Bewerber zu fassen; jetzt arbeitet Ulukaya seit fast drei Jahren als Helfer und büffelt inzwischen parallel zur Arbeit für den Abschluss „Produktionsfachkraft Chemie“ vor der Industrie- und Handelskammer.

Mein Sohn Berke ist ziemlich gut in der Schule und macht Mathe mit mir zusammen.

Ferdi Ulukaya, Profiteur des Bundesprogramms „Wegebau“ von Arbeitsagenturund Jobcenter.

Die finanzielle Unterstützung leisten wieder Arbeitsagentur beziehungsweise Jobcenter; in diesem Fall aus dem Bundesprogramm „Wegebau“ – damit können Unternehmer ihre gering qualifizierten Mitarbeiter zu Fachkräften schulen lassen, ohne dass die Geförderten Kunden von Jobcenter oder Arbeitsagentur sind. Den Firmen – wie beispielsweise Feralco – bleiben für die Weiterbildungen in der Regel lediglich die anfallenden Gebühren sowie Unterrichtsmaterialien.

„Herr Ulukaya ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie wir Menschen auch nach einem verpatzten Start ins Berufsleben in jeder Lebensphase begleiten können und ihnen das geben, was sie brauchen, um ihre Zukunft aus eigener Kraft zu gestalten“, sagt Frank Köhring, Geschäftsführer des Jobcenters im Landkreis Nienburg. Der vierfache Familienvater Ulukaya redet mit großer Begeisterung von seiner täglichen Arbeit – er trägt die Verantwortung dafür, dass aus einer chemischen Formel ein handfestes Produkt wird: durch viel Gefühl für die Maschinen und sein geschärftes Auge für den Herstellungsprozess.

Feralco produziert Aluminiumsulfat für die Reinigung von Wasser. Ulukaya steht jeden Tag in der Produktion und macht dort alles klar. Er verkocht Schwefelsäure und Aluminiumhydroxid zu einer bonbonartigen Masse, die in mehreren Bahnen auf dem Fabrikboden aushärtet, um anschließend zu Körnern gemahlen in Säcken ausgeliefert zu werden. In Klärwerken binden sich die Keime dann an die Körnchen und fallen zu Boden – das Prinzip ähnelt einem Katzenklo.

Ulukaya versorgt damit die ganze Welt. „Die Förderung vom Jobcenter hat mir ermöglicht, mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und ihm einen Sinn zu geben. Ich hatte bis dahin viel versäumt, aber jetzt darf ich alles nachholen. Ich möchte mich im Betrieb weiter entwickeln und lange bleiben“, sagt er. „Wegebau“ ist eines der zukunftsweisenden Instrumente in der Arbeitsvermittlung. Selbst die einfachen Handgriffe in der Produktion fordern Mitarbeitern viel ab, bestätigt Stefan Gohde-Weber: „Moderne Produkte sind komplex, der einfache Handlanger ist längst Geschichte.“

Jobcenter-Geschäftsführer Köhring ist sich der Entwicklung bewusst. „Wir suchen aktiv und intensiv den Dialog mit den Arbeitgebern, weil wir wissen, dass sich die Anforderungen an Arbeitnehmer weiter verschärfen. Weiterbildung ist auch immer Arbeitsplatz-Sicherung, wir haben dafür die Mittel und wollen auch der erste Ansprechpartner für die Unternehmer sein“, sagt er. Ulukaya und Gohde-Weber sind sich einig, dass sie diese Förderung weiter nutzen werden. Ulukaya will nach dem Abschluss „Produktionsfachkraft“ auch noch Chemikant werden. Mathe macht ihm derzeit etwas Kopfzerbrechen, Bruchrechnung, Dreisatz, alles etwas schwierig für jemanden, der Lernen nie richtig gelernt hat. Aber auch da findet er Hilfe: „Mein Sohn Berke ist ziemlich gut in der Schule und macht Mathe mit mir zusammen.“

Nähere Informationen zum Programm „Wegebau“ bekommen Arbeitgeber vom gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter unter Telefon (08 00) 4 55 55 20.

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Erstellt:
15. Februar 2019, 16:00 Uhr
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