Auf Einladung der Eigentümer des Forstgutes Eickhof informierten sich Grünen-Kreistagabgeordnete und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katja Keul sowie weitere Interessierte über das Pilotprojekt der Wasserstoffgewinnung, hier vor dem Schaubild „H2art of Lower Saxony“.Foto: Forstgut Eickhof

Auf Einladung der Eigentümer des Forstgutes Eickhof informierten sich Grünen-Kreistagabgeordnete und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katja Keul sowie weitere Interessierte über das Pilotprojekt der Wasserstoffgewinnung, hier vor dem Schaubild „H2art of Lower Saxony“.Foto: Forstgut Eickhof

Steyerberg 09.06.2021 Von Die Harke

Nachhaltiger Wasserstoffhub in Steyerberg geplant

Eigentümer vom Forstgut Eickhof informieren über Pilotprojekt: „Wasserstoff wichtiger Baustein der Energiewende“

Im Landkreis Nienburg haben sich mehrere Projektpartner unter dem Namen „H2art of Lower Saxony“ zusammengeschlossen und planen einen nachhaltigen Wasserstoffhub im ehemaligen IVG-Gelände, dem heutigen Forstgut Eickhof.

Jezt kamen die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katja Keul und Rita Schnitzler, Gruppensprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen, sowie Mitglieder des Kreis-Ausschusses für Landschaftspflege, Bernhard Schiewe, NABU Nienburg, Kreistagsabgeordneter Jörg Brüning (Grüne), Bürgermeister Jürgen Weber (Flecken Steyerberg), stellvertretender Samtgemeindebürgermeister Dieter Korte (Samtgemeinde Liebenau), Bürgermeisterkandidat Wilfried Imgarten (Samtgemeinde Weser-Aue) sowie Martin Guse von der Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau auf Einladung der Eigentümer Alexander Schönburg-Hartenstein und Jens J. Jacobi zusammen. „Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein der Energiewende“, so die Eigentümer.

Infrastruktur vorhanden

Die Teilnehmer konnten sich bei einer gemeinsamen Rundfahrt im Autokonvoi und Gesprächen einen umfangreichen Eindruck von dem Leuchtturmprojekt einer grünen Wasserstoffwirtschaft in der Region verschaffen. Das Forstgut Eickhof stellt seine rund 1000 Hektar große Konversionsfläche Rüstungsaltstandort „Werk Karl“ auf der Eickhofer Heide mit bereits vorhandener Infrastruktur zur Verfügung.

Dort soll zukünftig aus Windenergie grüner Wasserstoff erzeugt werden, der neben der überregionalen Bereitstellung über das Ferngasnetz, den eigenen Bahnanschluss und den Hafenanschluss an die Weser auch die Region mit nachhaltiger Energie in Form von Strom, Gas und nachhaltigen Kraftstoffen versorgen soll.

„Ziel ist der Aufbau eines nachhaltigen grünen Wasserstoffhubs im industriellen Maßstab auf dem Rüstungsaltstandort ‚Werk Karl“ auf der Eickhofer Heide. Durch die Größe des auf den etwa zehn Quadratkilometer großen ehemaligen industriell und militärisch genutzten Flächen sowie der vorhandenen industriellen Infrastruktur und der Anbindung an das landesweite Strom- und Ferngasnetz bietet es standortbedingt einzigartige gute Chancen für die Produktion von grünem Wasserstoff“, so Schönburg-Hartenstein.

Speicher für Windstrom

Zur Umsetzung des Projekts werden nur sehr geringe Fläche benötigt. Zum Beispiel bedarf es für die Aufstellung eines Elektrolyseurs mit einer Leistung von 100 MW nur einer Fläche von 25 Meter mal 75 Meter. Dabei fokussiert man sich vor allem auf die, aufgrund der vielen bis in die 1990-er Jahre stattgefundenen Nutzungen bereits sehr umfangreich vorhandenen, versiegelten Flächen sowie auf Flächen, auf denen nicht mehr genutzte Gebäude rückgebaut werden können, sowie auf Flächen ehemaliger Fichtenmonokulturen, die durch Borkenkäferschäden kahl stehen.

„Das Projekt kann es somit ermöglichen, Flächen zu entsiegelt und wieder aufzuforsten – vorzugsweise mit einer robusteren und zukunftsweisenderen Durchmischung als eine reine Nadelbaummonokultur“ so Jacobi.

Eine Großelektrolyse nebst Speicher und Nebenanlagen plus zwölf Windenergieanlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff in Ausbaustufen bis zu einem Gigawatt plant die in Kirchdorf heimische „WestWind Energy“. Mit Verfügbarkeit der Windenergieanlagen können jährlich bis zu 180 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden.

Um den Windstrom speicherbar zu machen, wird er mittels Elektrolyse in grünen Wasserstoff umgewandelt und in Vor-Ort-Speicher, in das Ferngasnetz eingespeist oder über den eigenen Bahnschluss per Bahnnetz transportiert. Auch können mit dem klimafreundlichen Wasserstoff dann Tankstellen in den Landkreisen Nienburg, Diepholz und Schaumburg beliefert werden. Ebenfalls ist eine Wasserstoff-Tankstelle für Binnenschiffe in Landesbergen geplant.

Wasserstoff-Tankstelle

Das Steyerberger Chemieunternehmen Oxxynova kalkuliert den Bau weiterer Anlagen, welche unter anderem synthetische Treibstoffe produzieren und bisher nicht verwertbare Kunststoffabfälle recyceln und dem Stoffkreislauf wieder zuführen sollen. Der Energieversorger Avacon Natur bringt sich mit einer Biogasanlage ein. Weitere Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit laufen aktuell mit dem in Landesbergen ansässigen Gaskraftwerk Robert Frank. Darüber hinaus wird dieses Wasserstoff-Projekt in Steyerberg vom Amt für Regionale Landesentwicklung Leine-Weser, dem Landkreis Nienburg sowie dem Flecken Steyerberg und der Samtgemeinde Liebenau begleitet.

Im April war bereits Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU) zu Gast, um sich selbst ein Bild von diesem Modellprojekt im Herzen von Niedersachsen zu machen. Die Einzigartigkeit dieses Standortes soll mit industriellem Leben gefüllt werden und Arbeitsplätze sichern.

Jürgen Weber, Bürgermeister des Flecken Steyerberg, stellt für die Projektgruppe „H2art of Lower Saxony – ein Wasserstoffhub im Herzen Niedersachsens“ nun bis 18. Juni einen Antrag für das HyExpert Förderprogramm der Bundesregierung. Die HyExpert-Förderung richtet sich an Regionen mit ersten Projekterfahrungen und Kenntnissen. Eine Förderung als HyExpert Region beinhaltet einen Bescheid in Höhe von 400.000 Euro für die Beauftragung von externen Dienstleistern, welche Beratungsleistungen hinsichtlich technischer, rechtlicher sowie wirtschaftlicher Fragestellungen erbringen.

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Erstellt:
9. Juni 2021, 08:20 Uhr
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