Eine rotpelzige Sandbiene – auch sie gehört zu den selten gewordenen Insekten. Dallmeyer

Eine rotpelzige Sandbiene – auch sie gehört zu den selten gewordenen Insekten. Dallmeyer

Landkreis 11.11.2017 Von Die Harke

Natur und Siedlungen verändern sich

BUND über mögliche Ursachen zum Insektensterben

Vom Insektensterben berichtet der BUND; auch im Landkreis Nienburg mache es sich bemerkbar, war in der verganenen Ausgabe zu lesen. Als Ursachen für das Insektensterben kommen mehrere Faktoren infrage. „Die Veränderungen unserer Landnutzung mit dem Verlust oder einer Verschlechterung vieler Lebensräume sind sicherlich ein Hauptgrund. So sind in den letzten circa 200 Jahren ein Großteil der Hochmoore abgetorft und Niedermoore trockengelegt worden und das extensive Grünland größtenteils verschwunden. Die Intensivierung unserer Landwirtschaft mit einem zu hohen Einsatz an Pestiziden und intensiver Düngung produziert Monokulturen. Das führt dazu, dass es Strukturvielfalt mit artenreichen Knicks, Blumenwiesen und Weg- und Ackerrändern vielerorts nicht mehr gibt“, führt der [DATENBANK=1426]BUND[/DATENBANK] Gründe an.

Mehrere Studien unabhängiger Wissenschaftler, erläutern die Umweltschützer, hätten als einzig durchgängig negativen Faktor Pestizide ausgemacht. Das wirksamste und bequemste Mittel, Insekten loszuwerden, sei das Nervengift Imidacloprid, das zu der Gruppe der sogenannten Neonicotinoide gehört. Da das Saatgut mit dem Wirkstoff gebeizt werde, verbreite der sich über die ganze Pflanze.

Hersteller von Pestiziden bestreiten negative Folgen

So werde das Gift über die Blätter, den Pollen und den Nektar von den verschiedenen Entwicklungsstadien der Insekten aufgenommen und wirke auch bei den nichtschädlichen Bestäubern unter den Insekten. „Die Hersteller der Pestizide bestreiten jedoch negative Folgen und berufen sich dabei immer wieder auf Studien, die nicht von unabhängigen Firmen oder Instituten durchgeführt worden sind. So haben die Zulassungsbehörden bisher keinen Grund gesehen, diese Mittel zu verbieten“, kritisiert der BUND im Kreis Nienburg.

Allerdings sehen auch viele Wissenschaftler die Verantwortung nicht allein bei den Bauern, sondern auch beim Rest der Gesellschaft, die bislang auf billige Lebensmittel besteht. Auch durch Abgase von Autos und Fabriken gelangten Stickstoffverbindungen in die Umwelt. „Die Forstwirtschaft hat sich vom artenreichen Nieder- und Mittelwald hin zu einem lichtarmen und damit artenärmeren Hochwald entwickelt“, merkt der BUND weiter an.

Aber auch im Siedlungsbereich habe sich viel verändert: „Streuobstwiesen, naturnahe Gärten mit überwiegend einheimischen Pflanzen verschwinden immer mehr, und die sterilen, ‚pflegeleichten‘ Einheitsgärten mit ‚exotischen‘ oder hochgezüchteten Arten setzen sich immer mehr durch. Bei diesen Pflanzenarten bieten meist weder die Blätter Nahrung für Insekten, noch liefern ihnen die Blüten Nektar“, beklagt Erk Dallmeyer vom örtlichen BUND. Viel zu oft kämen überdies auch in privaten Gärten Insektizide zum Einsatz.

Ein weltweites Problem

Das Insektensterben sei aber kein deutsches, sondern ein weltweites Problem geworden. So müssen in Teilen Chinas die Blüten der Obstbäume von Menschenhand einzeln bestäubt werden, weil es nicht mehr ausreichend bestäubende Insekten gibt, beklagt der BUND.

Und: „Auch in Nordamerika kommt man in den riesigen intensiven landwirtschaftlichen Gebieten nicht mehr ohne fremde Unterstützung aus. So werden unzählige Bienenvölker mit Lkw von Anbaugebiet zu Anbaugebiet gefahren. Natürliche Bestäubung gibt es auch dort nicht mehr in ausreichendem Umfang und so übernehmen hochgezüchtete Honigbienenvölker die Bestäubung, die normalerweise von tausenden von verschiedenen Wildbienen-, Schmetterlings,- Käfer-, Schwebfliegen-, Wespen- und sonstigen Insektenarten ausgeübt wird.“

Der BUND fordert: „Das dramatische Insekten- und daraus resultierende Gesamtartensterben kann nur aufgehalten werden, wenn Verbraucher, Landwirtschaft und Politik sofort aktiv werden. Geeignete Lebensräume müssen erhalten und entwickelt werden.

Aber auch die Schaffung neuer Lebensräume muss vorangetrieben werden, um wieder eine Strukturvielfalt in unsere Kulturlandschaft zu bekommen und eine Vernetzung der Lebensräume zu erreichen. Die EU-Landwirtschaftsförderung muss schnellstmöglich umsteuern, dass nur nachhaltig wirtschaftende Betriebe mit ökologisch verträglicher Produktion Geld bekommen. Der Pestizid- und Düngemitteleinsatz muss sofort stark begrenzt werden.

Hier sind vor allem Industrie und Politik gefordert, endlich aktiv zu werden.

Im Bereich Verkehr und Energieversorgung müssen durch Verminderung des Energieverbrauchs und verbesserte Techniken der Ausstoß von Stickstoffverbindungen sowie von CO2 massiv reduziert werden. Hier sind vor allem Industrie und Politik gefordert, endlich aktiv zu werden.

Die starke Versiegelung unserer Landschaft durch Straßen-, Gewerbe- und Industriebauten muss gestoppt werden und Umweltverträglichkeitsprüfungen mit umfangreichen Untersuchungen der Insektenwelt müssen dabei vorgeschrieben sein. Die dafür notwendigen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen müssen stärker von den Behörden auf ihre Durchführung und Wirksamkeit überprüft werden.

Bundesweite Langzeitbeobachtungen der verschiedenen Insektenfamilien – wie zum Beispiel beim Tagfalter-Monitoring Deutschland – müssen eingeführt und bezahlt werden und helfen dabei, weitere Daten über die Entwicklung der Artenvielfalt und ökologische Zusammenhänge zu erlangen.“ Das alles seien dringende und notwendige Maßnahmen, damit wir nicht alle am Ende als Verlierer dastehen, ist der BUND überzeugt.

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Erstellt:
11. November 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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