Axel Brause (links) und Lutz Bade in der Lemker Kläranlage. Am Beckengrund sieht man die Belüftermatten, aus denen Luft strömt. Wasserverband am Sandkamp

Axel Brause (links) und Lutz Bade in der Lemker Kläranlage. Am Beckengrund sieht man die Belüftermatten, aus denen Luft strömt. Wasserverband am Sandkamp

Lemke 30.04.2019 Von Die Harke

Neue Belüftung kostet 1,1 Millionen Euro

Kläranlage Lemke will 80.000 Euro Stromkosten pro Jahr sparen / EU übernimmt 50 Prozent der Investionskosten

Kläranlagen sind generell energieintensiv. Innerhalb der Anlagen benötigt die Belüftung der Belebungsbecken den meisten Strom. Hier sieht der Wasserverband „Am Sandkamp“ erhebliches Einsparpotenzial, teilt der Verband mit. Unter dem Stichwort „Energieeffizienz“ habe der Kreisverband für Wasserwirtschaft, der auch den Sandkamp-Verband betreut, bereits 2012 Klimaschutz-Teilkonzepte für sechs der sieben von ihm betreuten Kläranlagen aufgestellt. Als ein großes Projekt werde derzeit die Kläranlage Lemke energetisch optimiert.

Größter Brocken sei dabei die Belüftung der biologischen Reinigungsstufen. Dort zersetzen Mikroorganismen Schmutzteilchen. Dafür brauchen sie Sauerstoff. Der wird in Lemke bislang noch von oben in das Schmutzwasser gerührt. Das sei laut, sehr energieaufwändig und wenig effektiv. Statt die Luft also von oben ins Wasser zu rühren, werden am Beckenboden sogenannte Belüfterplatten installiert. „Bei deren Platzierung wurden die Strömungs- und Verwirbelungsverhältnisse im Becken berücksichtigt, so dass der Sauerstoff optimal genutzt wird“, sagt Lutz Bade, Verantwortlicher für die Lemker Kläranlage. „Außerdem ist der Sauerstoffbedarf – je nach Witterung – unterschiedlich. Jetzt wird die Sauerstoffführung bedarfsgerecht gesteuert. Das senkt ebenfalls den Stromverbrauch.“

Stromverbrauch sinkt um 40 Prozent

Die Energieeinsparung sei immens. Bade: „Bislang hatten wir acht Rotoren in den Becken. Jeder von denen hat 21 Kilowatt verbraucht.“ Unterm Strich summiere sich der Strombedarf der Kläranlage Lemke auf fast eine Million Kilowattstunden im Jahr, sagt Axel Brause, Abteilungsleiter Abwasserbeseitigung beim Kreisverband für Wasserwirtschaft: „Rund zwei Drittel davon werden für die Belüftung der biologischen Stufe eingesetzt. Künftig sinkt der Verbrauch um 40 Prozent.“

Die Arbeiten begannen Anfang März und sollen Ende Juli abgeschlossen sein. „Das bedeutet einen erheblichen Eingriff in den Betriebsablauf“, verdeutlicht Brause. „Mit deutlicher Mehrbelastung für die Mitarbeitenden.“ Immerhin würden in Lemke rund 2000 Kubikmeter Abwasser pro Tag geklärt – mit einem durch die Bauarbeiten derzeit um ein Drittel verringerten Beckenvolumen.

Die Umstellung der Belüftung kostet rund 1,1 Million Euro. Aber: „Das Projekt wird aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung gefördert – mit 50 Prozent der Investitionskosten“ Im Zuge der Baumaßnahme habe der Wasserverband „Am Sandkamp“ für weitere 450.000 Euro außerdem bauliche und verfahrenstechnische Verbesserungen vorgenommen. Die Förderung durch die EU für den energetischen Aspekt sei aus Bürgersicht erfreulich, da Investitionen über die Gebühren fianziert werden. Dem Ingenieur sei aber wichtig, dass sich die Umstellung der Belüftertechnik auch ohne diese Förderung rechnen würde: Im Jahr prognostiziert er 80.000 Euro weniger Stromkosten.

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Erstellt:
30. April 2019, 10:31 Uhr
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