Ralf Gebhardt (links) ließ sich von Dr. Torsten Eichenauer behandeln – mit Erfolg. Foto: Helios

Ralf Gebhardt (links) ließ sich von Dr. Torsten Eichenauer behandeln – mit Erfolg. Foto: Helios

Nienburg 30.09.2020 Von Die Harke

Neuer Ansatz zur Behandlung von Rückenschmerzen

Helios-Oberarzt arbeitet mit implantierten Neurostimulatoren / Patient Gebhardt: „Schnell deutliche Besserung“

Ralf Gebhardt litt seit Jahren an chronischen Rückenschmerzen und wurde von diesen auch in die Frührente gezwungen. Neurochirurg Dr. Torsten Eichenauer hat mit einem in der Region erstmalig eingesetzten Verfahren geschafft, ihn von den Schmerzen zu befreien – und das nachhaltig.

Neurochirurg Dr. Torsten Eichenauer ist nicht nur Oberarzt der Helios Kliniken Mittelweser, sondern auch ärztlicher Leiter des MVZ Nienburg. Jährlich versorgt er mehr als 500 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, ob per Operation, Spritzen- oder anderweitiger Schmerztherapie. Das Einzugsgebiet umfasst hier nicht nur die Patienten aus Nienburg, sondern umfasst die komplette Region von Bremen bis Hannover, Minden, Osnabrück und Rotenburg. Nun haben er und sein Team in Nienburg erstmals ein neues Verfahren bei chronischen Rückenschmerzen eingesetzt – und das mit Erfolg.

„Immer wieder sehen wir Patienten, die schon mehrfach an der Bandscheibe operiert worden sind und trotzdem immer noch Schmerzen haben“, erläutert Eichenauer. So auch Patient Ralf Gebhardt. Seit Jahren litt er an chronischen Rückenschmerzen, zahlreiche Operationen hat er schon hinter sich. Die Arbeit musste er aufgeben und auch im Privatleben ist der erst 49-Jährige stark eingeschränkt. „Als Dr. Eichenauer mir seinen neuen Therapieansatz beschrieben hat, wusste ich sofort, dass ich dies ausprobieren möchte“, sagt Gebhardt.

Dies ist ein völlig neuer Ansatz, therapieresistente Rückenschmerzen zu behandeln

Dr. Torsten Eichenauer

Konkret arbeitet Eichenauer gegen alle Formen von therapieresistenten Rückenschmerzen schon seit Jahren mit Neurostimulatoren, die unter die Haut implantiert werden. Eine Plattenelektrode im Wirbelkanal sendet dabei über einen Algorithmus schwache elektronische Impulse, die direkt in den Nervenzellen im Rückenmark ansetzen. „Die Therapie ist zwar erfolgreich, aber hauptsächlich im Bereich der chronischen Rücken-Bein-Schmerzen“, erklärt Eichenauer. Chronischer Schmerz, der rein den Rücken betrifft, ohne auf das Bein auszustrahlen, kann damit zumeist nicht zufriedenstellend behoben werden. Die Lösung: ein neues Verfahren im Bereich der elektronischen Stimulation, welches nicht auf die Nervenzellen, sondern die sogenannten Gliazellen, die Stützzellen des Nervensystems, abzielt. „Dies ist ein völlig neuer Ansatz, therapieresistente Rückenschmerzen zu behandeln“, erläutert der Neurochirurg.

Gliazellen leisten einen aktiven Beitrag zur neuronalen Verarbeitung und zu verschiedenen Krankheitszuständen, insbesondere von chronischen Schmerzen.

Doch nicht nur das Stimulationsziel ist neu, sondern auch der eingesetzte Algorithmus wurde ausgetauscht: Auch dieser konzipiert, dass er genau auf die chronischen Rückenschmerzen abzielt.

Doch wie muss der Patient sich eine solche Behandlung nun vorstellen? „Bei einem kleinen operativen Eingriff wird der Wirbelkanal eröffnet und die Plattenelektrode eingesetzt“, erklärt Eichenauer. Während in anderen Behandlungszentren Stabelektroden verwendet werden, setzt Eichenauer schon seit Jahren auf Plattenelektroden. „Die Plattenelektroden haben eine deutlich breitere Auflagefläche als Stabelektroden und verrutschen dadurch nicht. Auch ist die Energieabgabe deutlich höher.“ Die Plattenelektrode sendet elektronische Impulse an die Gliazellen, wodurch die Schmerzen behoben werden.

Nach dem Einsetzen der Elektrode beginnt eine Testphase. Der Patient ist kurzstationär für etwa zwei Tage im Krankenhaus und testet weiter Zuhause mit einem externen Neurostimulator. Ist die Testphase erfolgreich, (die Schmerzen haben sich deutlich vermindert beziehungsweise sind verschwunden), wird ein kleiner Neurostimulator direkt unter die Haut implantiert.

„Der Vorteil ist einfach die schnelle Überprüfung des Ergebnisses. Wir können direkt sehen, ob die Therapie erfolgreich ist oder nicht“, sagt Eichenauer erfreut.

Nach gut acht Wochen ist die Platte eingeheilt. Der Neurostimulator muss kontaktlos über das Induktionsprinzip aufgeladen werden und hat eine Lebensdauer von etwa neun Jahren. Regelmäßige Kontrollen erfolgen zunächst vierteljährlich, im Verlauf ein- bis zweimal im Jahr. Die Elektrode selbst hält ein Leben lang.

„Schon kurz nach der Operation habe ich eine deutliche Besserung meiner Rückenschmerzen gemerkt“, sagt Ralf Gebhardt. „Ich bin sehr froh, dass Herr Dr. Eichenauer mir dieses Verfahren vorgeschlagen hat“.

Ein weiterer Vorteil: Das Verfahren beeinflusst keine weiteren Schrittmachertherapien, sodass auch Patienten mit einem Herzschrittmacher hierdurch deutliche Linderung erhalten können.

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Erstellt:
30. September 2020, 12:17 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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