Ein Querschnitt der Stolzenauer Straße in Leese. Wasserverband an der Führse

Ein Querschnitt der Stolzenauer Straße in Leese. Wasserverband an der Führse

Leese 05.02.2019 Von Die Harke

„Neuer Kanal nicht zum Nulltarif“

Leeser Kanalsystem wird in einem Jahr saniert: Kosten sollen die Bürger durch höhere Grundsteuern bezahlen

Das Kanalsystem in Leese wird umfassend saniert (DIE HARKE berichtete). Starten wird die Maßnahme zwar erst in knapp einem Jahr. Dass der Wasserverband „An der Führse“, die Gemeinde und die Straßenbauverwaltung die Bürger aber schon jetzt informierten, sei nach eigenen Angaben gut angekommen. August Lustfeld, Geschäftsführer des Kreisverbands für Wasserwirtschaft, und Axel Brause, Abteilungsleiter Schmutzwasserbeseitigung beim Wasserverband „An der Führse“, stellten das Projekt vor: Nach ihren Worten ist die Sanierung unumgänglich. Der vorhandene Mischwasserkanal sei schon jetzt zu eng, die Wandung zu dünn. Da die Sanierung nur in offener Bauweise möglich sei, nutze man die Gelegenheit, das Mischsystem in eine getrennte Regen- und Schmutzwasserkanalisation umzuwandeln. Außerdem wird im gleichen Zug die Trinkwasserleitung erneuert. Die Kosten sollen bei insgesamt mehr als sechs Millionen Euro liegen.

Im Vorfeld der Veranstaltung habe sich der Rat, so Leeses Bürgermeister Henning Olthage bei der Eröffnung, intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt: Man wolle Härten möglichst vermeiden oder zumindest abfedern, die Belastungen so gering wie möglich halten. Gemeindedirektor Jens Beckmeyer formulierte es so: „Das Vorhaben ist unumgänglich. Aber wir gehen es gemeinsam an.“ Dazu passe, dass Wasserverband, Gemeinde und die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr ihr Vorgehen abgestimmt hätten: Die Straßenbauverwaltung sorge im Anschluss an die Kanalsanierung für eine neue Straßendecke; die Gemeinde kümmere sich um neue Gehwege. Außerdem wolle die Firma Northern Access prüfen, ob im Zuge der Baumaßnahmen gleich Glasfaserkabel auf die Grundstücke gelegt werden können („fiber to the home“).

Da die in zwei Abschnitte geteilte Baumaßnahme die Bundesstraßen betrifft, wird der Verkehr weiträumig umgeleitet werden. Schwierig wird die Situation vor allem für einige Gewerbetreibende, da Vollsperrungen nicht zu vermeiden sind. Hier werde nach kreativen Möglichkeiten gesucht, Probleme zu minimieren.

Wichtiger Punkt für viele Bürgerinnen und Bürger: die Kosten. Für die Anschlüsse an die künftige Schmutzwasserkanalisation müssten die Anwohner – abgesehen von Maßnahmen auf dem eigenen Grundstück - nichts bezahlen. Wer einen Anschluss an die Regenwasserkanalisation benötige, bekomme den während der Baumaßnahme für 1700 Euro (später werde ein solcher Anschluss deutlich teurer). Für die Gehwege würden ebenfalls keine Anliegerbeiträge fällig; für die Sanierung der Ortsdurchfahrt ohnehin nicht. Der Wasserverband sagte zu, jeden Anlieger kostenlos über die für ihn beste (und günstigste) Entwässerungslösung zu beraten. Ingenieur Axel Brause: „Im Idealfall kann man das Regenwasser auf dem Grundstück versickern. Dann braucht man auch keinen Anschluss an die Regenwasserkanalisation.“

Allerdings: Zum Nulltarif ist der neue Kanal nicht zu haben, machte Jens Beckmeyer deutlich: „Wir investieren hier in die Infrastruktur. Das muss uns was wert sein.“ Der Gemeindedirektor nannte drei Finanzierungsmöglichkeiten: ein Regenwasserentgelt (dem der Rat ablehnend gegenübersteht), das Verschieben der Kosten auf kommende Generationen (was man ebenfalls nicht wolle) oder – diese Lösung werde favorisiert – die Anhebung der Grundsteuer A und B.

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Erstellt:
5. Februar 2019, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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