Einige Mitglieder trafen sich jetzt auf dem Hof von Heiner Menze, um die weitere Vorgehensweise der Bürgerinitiative zu besprechen. Foto: Reckleben-Meyer

Einige Mitglieder trafen sich jetzt auf dem Hof von Heiner Menze, um die weitere Vorgehensweise der Bürgerinitiative zu besprechen. Foto: Reckleben-Meyer

Woltringhausen 24.09.2020 Von Heidi Reckleben-Meyer

Neugegründete Bürgerinitiative wehrt sich Windkraftanlagen

Planung ruft Widerstand auf den Plan

Eine Flächennutzungsplanänderung der Samtgemeinde Kirchdorf sorgt im Bereich Kuppendorf und Ohlensehlen/Woltringhausen für viel Unruhe. Die Planänderung wurde notwendig, um das Thema Windkraft rechtssicher in den Plan einzuarbeiten.

Eine Fläche von rund 27 Hektar, die neben einigen weiteren für Windkraftanlagen ausgewiesen werden soll, führte zur Gründung einer Bürgerinitiative (BI) gegen dieses Vorhaben. Während es bei den anderen Flächen um Erweiterungen bestehender Anlagen gehen soll, werde in Kuppendorf an der Grenze zum Landkreis Nienburg ein neues Gebiet geplant.

Rund 250 Unterschriften wurden allein in Kuppendorf gegen die Planung gesammelt, und auch auf der hiesigen Seite im Landkreis Nienburg regt sich Widerstand, weil die geplanten Anlagen nur wenige Hundert Meter von einigen Häusern in Ohlensehlen entfernt entstehen sollen. Gegen diese Planung hatten einige Vertreter der neu gegründeten Bürgerinitiative auch schon im Uchter Rathaus bei Samtgemeindebürgermeister Reinhard Schmale eine Unterschriftenliste abgegeben, damit bei einer Stellungnahme der Nachbar-Samtgemeinde zu Kirchdorf bekannt ist, dass sich gegen diese Planung Widerstand formiert.

Besonders irritiert zeigen sich Mitglieder der BI, weil der Standort Kuppendorf keinerlei Entwicklungsperspektive biete. „Bei drei Windrädern wäre Schluss. Dafür wird es einen unverhältnismäßig großen Eingriff in die Natur hier geben“, zeigt sich Norbert Rotthowe enttäuscht.

Nico Thielker wohnt mit seiner Familie rund 700 Meter entfernt von dem Gebiet, auf dem die Windräder gebaut werden könnten. „Weil es für uns die Haupt-Windrichtung ist, werden wir auch vom Lärm der Anlagen betroffen sein“, schätzt der Ohlensehler. Auch für Heiner Menze liegt das Gebiet in Sichtweite. Besonders verwundert sind die Mitglieder der Bürgerinitiative aufseiten des Landkreises Nienburg, weil sie mehr oder weniger nur durch Zufall von den Planungen vor einigen Wochen erfahren hatten, sich die Gremien in Kirchdorf mit dem Thema aber schon mehr als zwei Jahre beschäftigen sollen. „Da kann dann von ,frühzeitiger Bürgerbeteiligung“ wohl keine Rede mehr sein“, zuckt Nico Thielker mit den Schultern.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind ohnehin überrascht, wie eine Fläche für Windkraft zusammenpassen soll mit der direkten Nachbarschaft zum Naherholungsgebiet Kuppendorfer Heide, dem Waldgebiet „Rauher Busch“ und dem Zuhause von Rotmilan, Wiesenweihe und Fledermäusen. Ein weiterer Kritikpunkt der Mitglieder liegt in der Topographie. „Der Standort der Windkraftanlagen liegt in einer etwa 40 Meter tiefen Senke. Wer baut dort ein Windrad hin? Oder liegt es daran, wem dort womöglich welches Grundstück gehört?“, mutmaßen sie andere Gründe für die Auswahl.

Es gehe nicht darum, dass die Bürgerinitiative, die die Kuppendorfer und die Bürgerinnen und Bürger aus Woltringhausen und Ohlensehlen gegründet haben, gegen Windkraft oder erneuerbare Energien sei, sondern vielmehr darum, dass der Standort Kuppendorf aus ihrer Sicht „denkbar ungeeignet“ sei. Bianka und Uwe Becke sind extra aufs Land gezogen, um Ruhe zu haben. Sie sehen sich durch die Planungen auch in der Situation, dass ihre Immobilie an Wert verlieren werde. Melanie Bredemeier, die einst aus dem Schaumburger Raum nach Ohlensehlen gezogen war, hat einen kleinen Reiterhof. „Ich erteile Reitunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zusätzlich bin ich tiergestützte Therapeutin. Das heißt, ich begleite mit meinen Tieren traumatisierte Menschen, Menschen mit Behinderungen und Besonderheiten. In diesem Bereich ist Ruhe ein ganz wichtiger Faktor“, ärgert sie sich auch mit Blick auf die kleine Ferienwohnung, die sie ebenfalls anbietet. „Und mit der Ruhe dürfte es dann hier endgültig vorbei sein.“

Gerd Langwald hatte vor vielen Jahren das mehr als 40 Hektar große Areal des einstigen Nato-Depots gekauft, die Fläche aufwendig aufbereiten lassen, viel investiert, gepflanzt und in Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden Vieles geschaffen, um es für Flora und Fauna interessant zu machen. „Uhus brüten hier jetzt schon seit einigen Jahren“, berichtet er.

Bei einer ersten Informationsveranstaltung in Kirchdorf fühlten sie sich „abgefrühstückt“. Argumente seien vom Tisch gewischt und Kritikpunkte als unbegründet abgetan worden.

Über das weitere Vorgehen haben sich die BI-Mitglieder jetzt bei der jüngsten Zusammenkunft beraten. Unbequem wollen sie sein und jeden Schritt der Planung kritisch begleiten. Und auch Aktionen, um auf die Situation aufmerksam zu machen, schließen sie nicht aus.

Zum Artikel

Erstellt:
24. September 2020, 05:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 05sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.