Das Armband gilt bei den Yeziden als Andenken an die Schöpfung der Erde. Es wird getragen, bis es von selbst abfällt. CJD

Das Armband gilt bei den Yeziden als Andenken an die Schöpfung der Erde. Es wird getragen, bis es von selbst abfällt. CJD

Nienburg 07.04.2018 Von Nurten Akan

Neujahrsfest ein bisschen wie Ostern

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“ / Heute: Die Yezidin Nurten Akan berichtet von Parallelen und Unterschieden

Am ersten Mittwoch nach Ostern feiern wir Yeziden nach dem yezidischen Kalender das Neujahrsfest. 

Da der yezidische Kalender dem in Deutschland gültigen gregorianischen Kalender um 13 Tage nachgeht, wird das Neujahrsfest am ersten Mittwoch im Monat April gefeiert, der zum oder nach dem 14. April im gregorianischen Kalender anfällt. Ostern hingegen ist immer nach dem ersten Vollmond nach Frühjahrsbeginn.

Von der Art und Weise ist es für die Yeziden wie Ostern, es gibt keine großen Unterschiede.„Als gebürtige Deutsche ist es schon ein sehr schönes Gefühl“, sagt Neriman A. (23 Jahre alt), „immer wieder auf zwei Kulturen zu stoßen. Das Schöne ist auch, dass unsere Familie hier in Nienburg einmal Ostern feiert und einmal das Neujahrsfest. Das heißt also, es kommt immer zu zwei Begegnungsmöglichkeiten der Kulturen. Man muss sich nicht für die eine oder andere Kultur entscheiden“. 

„Roter Mittwoch“ nennt sich das yesidische Neujahrsfest, das jedes Jahr am ersten Mittwoch im April gefeiert wird. Dieser Tag wird auch „Sersal“, was „Neujahr“ auf Deutsch bedeutet genannt.

Laut unseren Vorfahren hat Gott an diesem Mittwoch dem Engel Melek Taus (der Pfau) den Auftrag gegeben, die Erde zu erschaffen. Darüber erzählen uns unsere Eltern. Es ist wichtig, an solchen Tagen zu wissen, was die Feiertage in unserer Religion bedeuten. Ostern hingegen  ist das Fest der Auferstehung Jesu Christi im Christentum.  Hier kommen wir zu keiner Annäherung der Kulturen.

Am „Roten Mittwoch“ richten wir unsere Hauseingänge mit Blumenschmuck her und färben Hühnereier bunt. Genau wie die Christen. An diesem Tag werden von unseren Würdenträgern Armbänder, die sogenannten Bazinbar, geflochten und an alle Anwesenden verteilt. Sie sollen das Andenken an die Schöpfung der Erde sein. Das Armband wird solange getragen, bis es von alleine abfällt.

Wenn der Würdenträger das Band umlegt, darf man sich etwas wünschen. Und erst bis es von alleine abfällt, so sagt man, geht der Wunsch in Erfüllung.

Wir feiern meistens im Familienkreis, aber auch in großer Gesellschaft. Am 18. April ab 16 Uhr wird in Nienburg dem Veranstaltungszentrum Saal 2000 das Neujahrsfest mit Musik und gemeinsamem Essen gefeiert. Jeder, egal aus welcher Kultur, ist herzlich willkommen. Sinn des Festes ist es, den Himmelsboten um Beistand, Schutz und eine ertragreiche Ernte für das Jahr zu bitten.

Für Neriman persönlich ist es ein schönes Gefühl, in mehreren Kulturen gleichzeitig zu feiern. „Ich finde, man sollte über diese Erfahrungen, diese ähnlichen Feierlichkeiten, auch in der Öffentlichkeit berichten, damit die anderen Menschen aus anderen Kulturen auch in Kenntnis gesetzt werden, wie eng doch einige Kulturen sind und, dass manche Unterschiede gar nicht so groß sind“, so Neriman A.

Das Begegnungscafe St. Martin findet am kommenden Dienstag, 10. April, wie immer ab 16 Uhr im Kulturwerk statt. Ab 16.30 gibt es die Infoveranstaltung des Niedersächsischen Verbraucherzentrale zum Thema „Versicherungen und Verbraucherschutz für Geflüchtete“.

Dieser Beitrag ist Bestandteil des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration (BAMF) gefördert und von der HARKE am Sonntag begleitet wird.

Die kurdische Version. Nurten Akan

Die kurdische Version. Nurten Akan

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Erstellt:
7. April 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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