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Ricarda Lang wurde im November 2019 mit 25 Jahren als Stellvertreterin in den Bundesvorstand gewählt – jüngst sprach sie in Nienburg. Foto: Kreisverband Die Grünen

Ricarda Lang wurde im November 2019 mit 25 Jahren als Stellvertreterin in den Bundesvorstand gewählt – jüngst sprach sie in Nienburg. Foto: Kreisverband Die Grünen

Nienburg 14.01.2020 Von Die Harke

Neujahrstreff der Grünen: Auf programmatische Grundwerte besinnen

Die Grünen blicken auf ihr 40-jähriges Bestehen zurück

Mit einem Rückblick auf die Gründung der Bundespartei Die Grünen vor 40 Jahren hat Mechthild Schmithüsen, Vorstandssprecherin im Landkreis Nienburg, den traditionellen Neujahrstreff eröffnet.

„Die Grünen, so steht es in unserer Gründungssatzung, verstehen sich als die grundlegende Alternative zu den herkömmlichen Parteien“, fasste Schmithüsen die Aufbruchstimmung vor 40 Jahren zusammen. „Wir müssen uns mit Blick auf die Fridays-for-Future-Bewegung konsequent auf unsere programmatischen Grundwerte besinnen und in der Praxis umsetzen, was wir in der Theorie fordern.“ Daran werden wir uns messen lassen müssen, denn wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt und es gibt keinen Planet B.“

Der grüne Landtagsabgeordnete Helge Limburg griff diesen Impuls auf und erinnerte an die tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die der Einzug von Grünen-Mandatsträgern und Mandatsträgerinnen in die Parlamente und erst Recht deren Beteiligung an der Bundesregierung von 1998 bis 2005 bereits bewirkt hätten. So müsse das 1998 auf den Weg gebrachte Neue-Energien-Gesetz ausgebaut werden und die Gleichberechtigung der Frauen über das Regelwerk bei den Grünen in die Gesellschaft getragen werden. „Aber geschützt werden muss die ehrenamtliche Tätigkeit, denn die Ehrenamtlichen sind die Grundlage für die hauptamtliche Politik“, schloss Limburg seine Rede.

Die Bundestagsabgeordnete Katja Keul erinnerte an den Rocksong der 1980er-Jahre „How can we dance while our beds are burning“, dessen Autor Peter Garrett später Umweltminister von Australien wurde, und zeigte sich betroffen über die nie da gewesene Feuersbrunst am anderen Ende der Welt. Dass die Bundesregierung trotz besseren Wissens dennoch im Jahr 2020 die Windkraft ausbremse und damit den Aufwärtstrend der erneuerbaren Energien gefährde, zeige, dass echte Grüne Politik ohne Grüne eben nicht stattfinde.

Die Verteidigungspolitikerin äußert sich besorgt über die Kriegsgefahr im Nahen und Mittleren Osten. Die Aufkündigung der Nuklearvereinbarung mit dem Iran, des größten Abrüstungserfolgs des letzten Jahrzehnts, hätten eine massive Gefährdung des Weltfriedens verursacht. Die Menschen im Iran hätten auf die Europäer vertraut, um den Vertrag zu retten. Aber keine einzige Bank in Europa sei bereit, nach Drohungen der USA Geschäfte mit dem Iran abzuwickeln. „Die Erkenntnis, wie abhängig und hilflos die EU mit ihrer Wirtschaftsmacht dasteht“, so Keul, „hat mich schwer erschüttert. Nie ist deutlicher geworden, dass Sicherheitspolitik und Wirtschafts- und Währungspolitik nicht voneinander zu trennen sind.“

Ricarda Lang wurde im November 2019 mit 25 Jahren als Stellvertreterin in den Bundesvorstand gewählt – nach sieben Jahren Politik in der Grünen Jugend, zuletzt als deren Bundesvorsitzende. Sie versteht sich als jung und radikal und ist gegen kurzfristige Profite zulasten einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung. Für sie ist Klimaschutz eine Existenzfrage dieser Zeit und keine einfache Aufgabe, aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern als Herausforderung zu verstehen. Klimaschutz werde in Zukunft nicht weniger und je weniger heute dafür passiere, umso brutaler und ungerechter werde es später. Es sei ein Konflikt zwischen denen die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, und denen, die endlich Veränderung wollen, sagte die Gastrednerin in Nienburg.

Als Verantwortliche für Frauenpolitik im Bundesvorstand tritt sie dafür ein, dass Feminismus nicht nur in Großstädten stattfindet, sondern eine Grundeinstellung für Gleichberechtigung ist als grundlegendes Menschenrecht. So seien Frauen zu schützen zu Hause wie im Netz, denn Worte wären die Wegbereiter für Taten und es gelte, sich nicht an Hass-Vorwürfe zu gewöhnen. Die Reaktion von Ricarda Lang auf solche Anwürfe gegen sich: „Meine Resignation bekommt ihr nicht, aber dafür meinen gebalten Widerstand.“

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Erstellt:
14. Januar 2020, 18:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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