Petra Bauer bei ihrem Besuch in der Redaktion. Foto: Hagebölling

Petra Bauer bei ihrem Besuch in der Redaktion. Foto: Hagebölling

Nienburg 04.01.2020 Von Edda Hagebölling

„Nicht immer nur rosa, rosa, rosa“

Gleichstellungsbeauftragte Petra Bauer zu Situation der Frauen im Landkreis Nienburg

„Wenn ich als Frau höher qualifiziert bin, hat das Leben im eher ländlichen Landkreis Nienburg sicher seinen Preis, ansonsten glaube ich aber schon, dass es sich als Frau im Landkreis Nienburg ganz gut leben lässt.“ Petra Bauer ist seit 2016 Gleichstellungsbeauftragte in der Verwaltung des Landkreises Nienburg. Mit einer 30-Stunden-Stelle.

Davor hat die ausgebildete Diakonin zusammen mit Ulla Althoff die Koordinierungsstelle frau+wirtschaft aufgebaut. DIE HARKE am Sonntag wollte von der Frau an der Basis gerne wissen: Wie ist es eigentlich bestellt um die Frauen im Landkreis Nienburg? Die Markloherin war für dieses Gespräch gerne in die Redaktion gekommen.

Mädchen für vermeintliche „Jungsberufe“ begeistern

Viel Zeit für öffentliche Veranstaltungen bleibt nicht im Berufsalltag von Petra Bauer. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, bei Einstellungsgesprächen oder in Sitzungen darauf zu achten, dass die Gleichstellung von Mann und Frau berücksichtigt werden, dennoch ist Petra Bauer gut vernetzt. Zuletzt hatte sie anlässlich des Internationalen Tages „NEIN zu Gewalt an Frauen“ am 25. November zusammen mit anderen kommunalen Gleichstellungsbeauftragen und anderen in der Frauenarbeit tätigen Frauen Aktionen zum Thema häusliche Gewalt organisiert (DIE HARKE am Sonntag berichtete).

Aktuell bereitet Petra Bauer zusammen mit anderen die Projekte „Frau und Politik“ und „Mädchen in Handwerksberufen“ vor. Unter dem Motto „Dem Beruf ist dein Geschlecht egal“ möchte sie Schülerinnen dafür sensibilisieren, sich auch für vermeintliche „Jungsberufe“ zu interessieren. „Es ist erwiesen, dass sich der Ton verändert, wenn Mädchen im Team sind“, so die Gleichstellungsbeauftragte. Doch auch Eltern seien häufig nicht ganz unschuldig an der Berufswahl ihrer Töchter. „Es muss nicht immer rosa, rosa, rosa sein“, gibt Petra Bauer zu bedenken. Der Girls‘ Day, wie er ursprünglich einmal gedacht war, ging bereits in diese Richtung. Mädchen sollten ihre Väter, Onkel oder Nachbarn für einen Tag bei der Arbeit begleiten, um Alternativen aufgezeigt zu bekommen zu den klassischen und eher schlechter bezahlten Mädchenberufen.

Genauso wichtig wäre aber auch, wenn Jungen den zum Zukunftstag umfunktionierten ehemaligen Girls‘ Day nutzten, um in die vermeintlichen Mädchenberufe hineinzuschnuppern. Als Pfleger, Erzieher oder ähnliches.

50 Prozent der Frauen im Landkreis ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Dass im Landkreis Nienburg nach wie vor 50 Prozent aller Frauen nicht sozialversicherungspflichtig arbeiten, ist natürlich auch für Petra Bauer eine Katastrophe. Sie appelliert an die Frauen, die auf Mini-Job-Basis arbeiten, sich – gerne auch bei ihr – über ihre Rechte zu informieren. Auch Mini-Jobberinnen hätten Anspruch auf Urlaub, dürften wegen Krankheit fehlen oder unterlägen dem Kündigungsschutz. Andererseits gäbe es im Landkreis etliche Möglichkeiten, sich zu qualifizieren. Die VHS, die Rahnschulen oder die DAA seien seien zum Beispiel gute Adressen, sich beruflich fortzubilden.

Wer sich für die Broschüre interessiert, die näher über die Vor- und Nachteile von Mini-Jobs informiert, kann sich gerne an Petra Bauer wenden. Gleiches gilt für die Broschüre „Lohnsteuer fair aufgeteilt“. Sie zeigt auf, dass die in der Regel schlechter verdienende Ehefrau nicht zwingend in der für sie ganz ungünstigen Steuerklasse 5 arbeiten muss.

Dass höher qualifizierte Frauen, die eher in Hannover oder Bremen einen adäquaten Arbeitsplatz finden, gegenüber Frauen in größeren Städten im Nachteil sind, räumt Petra Bauer ein. Zumal diese Frauen ihren Erfahrungen zufolge nach wie vor diejenigen seien, die parallel auch noch die Betreuung der Kinder managen müssten. Andererseits sei der Landkreis Nienburg in puncto Kinderbetreuungsplätzen besser aufgestellt als beispielsweise die Region Hannover.

Appell an ältere Frauen

Mit ein bisschen Flexibilität müsse die Betreuung des Nachwuchses – auch dank der Tagesmütter – im großen und ganzen möglich sein.

Zum Thema Mobilität räumte Petra Bauer ein, dass das Leben im Landkreis ohne einen eigenen Pkw nicht ohne weiteres zu meistern ist. Doch das sei vielen Frauen auch bewusst, die sich für ein Leben auf dem Lande entschieden.

An die älteren Frauen gewandt, die nur über eine kleine Rente verfügen, appellierte die Gleichstellungsbeauftragte, unbedingt Unterstützung in Anspruch zu nehmen und sich gerne auch bei ihr Hilfestellung zu holen.

Dass Petra Bauer nicht müde, die ungleiche Bezahlung zwischen Mann und Frau zu thematisieren, versteht sich von selbst. Beim nächsten Mal garantiert beim sogenannten Equal-Pay-Day Mitte März. Aktionen rund um den Internationalen Frauentag am 8. März sind ebenfalls zu erwarten.

Zu erreichen ist Petra Bauer im Kreishaus am Schloßplatz unter Telefon 0 50 21 / 96 75 81 oder per E-Mail unter gleichstellungsbeauftragte@kreis-ni.de


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