Abgesagt: Die Gewerbeschau „Kieken un Köpen“ in Großenvörde findet in diesem Jahr nicht statt. Foto: Graue

Abgesagt: Die Gewerbeschau „Kieken un Köpen“ in Großenvörde findet in diesem Jahr nicht statt. Foto: Graue

Nicht nur „Kieken un Köpen“ fällt aus

Wegen des Corona-Virus’ werden im Südkreis viele Veranstaltungen abgesagt – DIE HARKE gibt einen Überblick

Die weitere Ausbreitung des Coronavirus und die bisher zwei bestätigten Fälle im Landkreis Nienburg schränken das öffentliche Leben auch im Nienburger Südkreis in den kommenden Wochen und womöglich sogar Monaten massiv ein.

Wegen des weiterhin hohen Infektionsrisikos sind zahlreiche Großveranstaltungen abgesagt worden. Bei weiteren Events steht derzeit noch nicht fest, ob diese stattfinden können. Auch kleinere Veranstaltungen sind zunehmend betroffen.

Ausfallen wird die für das erste April-Wochenende geplante Gewerbeschau „Kieken un Köpen“ in Großenvörde. Das hat der Vorsitzende des veranstaltenden Gewerbevereins Raddestorf-Warmsen, Dennis Nobbe, am Donnerstag auf HARKE-Anfrage mitgeteilt.

„Wenn uns die Politik zuvorkommt, sagen wir die Veranstaltung sofort ab“, schilderte Nobbe die Sichtweise des Vereins und bezog sich auf einen aktuellen Erlass der niedersächsischen Landesregierung. Dieser sieht vor, dass alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern auf unbestimmte Zeit nicht stattfinden dürfen.

„Die Gesundheit geht vor“, betonte der Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Großenvörde. „Dass ‚Kieken un Köpen‘ nicht stattfindet, ist schade. Wir hätten den Menschen gerne einen Anlaufpunkt gegeben“, sagte Nobbe. Er verwies auf Kosten, die dem Verein für Werbung entstanden seien.

Wie berichtet, hatte Rehburg-Loccums Stadtbürgermeister Martin Franke die fürs nächste Wochenende geplante Großveranstaltung bereits am Dienstag abgesagt: Die öffentliche Versteigerung von Fundsachen findet wie auch die Wirtschaftsschau und der Frühjahrsmarkt nicht statt. Für die Versteigerung könnte es indes noch einen neuen Termin geben, der rechtzeitig bekannt gegeben wird.

Der Gewerbeverein Stolzenau hat gestern Nachmittag entschieden, dass der für den 29. März im Weserflecken geplante verkaufsoffene Sonntag mit Flohmarkt und Fundsachenversteigerung nicht stattfinden wird. „Wir hätten mehr als 1000 Besucher“, sagte Vorsitzender Klaus Meyer. „Die Sicherheit der Besucher geht vor“, betonte er.

Steyerberger hoffen

Ulrich Bruns, der für die Steinbrinker Zelt-Osterparty verantwortlich zeichnet, sagte gestern auf Nachfrage: „Ich will die Veranstaltung, wenn es irgendwie geht, wohl durchziehen.“ Er hatte bis gestern Nachmittag noch keine Nachricht und keinen Anruf bekommen, der zur Absage der Osterparty führen würde.

Dennoch hat er gestern den Kontakt zu einigen der gebuchten Bands gesucht, um für den Fall der Fälle nicht auf den ganzen Kosten sitzen zu bleiben und die Bands vorzuwarnen, dass es doch noch zu einer kurzfristigen Absage kommen könnte.

Für den Gewerbebund Lavelsloh-Diepenau steht laut Vorsitzender Bettina Barg derzeit noch nicht fest, ob das für den 3. Mai geplante Frühlingsfest in Lavelsloh stattfinden wird. „Es sind noch acht Wochen, bis dahin kann alles anders sein“, sagte Barg.

Mit Blick auf das für den Zeitraum vom 15. bis 17. Mai geplante „Maifest“ in Uchte mit „Entenrennen“ sagten Samtgemeindebürgermeister Reinhard Schmale und auch Gewerbevereinsvorsitzender Frank Mayland-Quellhorst: „Das haben wir letztlich nicht mehr in der Hand. Nach den derzeitigen Vorgaben des Landes würde auch diese Veranstaltung vom Landkreis untersagt werden.“

Schützenfest auf der Kippe

„Die Planungen laufen erst einmal weiter“, sagte Jörg Baldermann, Vorsitzender des Gewerbevereins Steyerberg. Stattfinden soll die Gewerbeschau im Flecken am 20. und 21. Juni. Es sei möglich, dass der Erlass bis zu der Veranstaltung zurückgenommen werde. „Allerdings haben wir keine Glaskugel“, lässt er keinen Zweifel daran, dass derzeit nicht klar ist, in welche Richtung sich die Lage entwickelt.

Ob das Entenrennen stattfindet, ist unklar. Foto: Reckleben-Meyer

Ob das Entenrennen stattfindet, ist unklar. Foto: Reckleben-Meyer

Ende April müsste der Verein entscheiden, ob er die Schau veranstaltet oder nicht. Am kommenden Dienstag solle es ein Gespräch mit Steyerbergs Fleckenbürgermeister Heinz-Jürgen Weber geben.

Ebenfalls am dritten Juni-Wochenende soll das Stolzenauer Schützenfest stattfinden. Samtgemeindebürgermeister Jens Beckmeyer: „Ob das Schützenfest in Stolzenau vom 18. bis 21. Juni stattfindet, ist noch offen“, sagte er. Eine Entscheidung solle in rund zwei Wochen getroffen werden.

Dann solle es auch ein Gespräch mit dem Traditionsverein geben. Dessen Vorsitzender Ingo Straaß verwies darauf, dass man derzeit noch abwarten und die Lage beobachten würde. Nicht stattfinden könnten laut Beckmeyer nach jetzigem Stand das Live-Rollenspiel „Mythodea“ Anfang August in Brokeloh und die „Landpartie“ in Schinna Ende August.

Ehemaligentreffen entfällt

Das Gymnasium Stolzenau hat die Berufsinformationsbörse, die am morgigen Sonnabend stattfinden sollte, abgesagt. Wie auf der Homepage der Schule zu lesen ist, ist auch das für den 16. Mai geplante Wiedersehen ehemaliger Schüler und Lehrer betroffen: „Aus aktuellem Anlass müssen wir sämtliche Planungen und Vorbereitungen für das Ehemaligentreffen anlässlich des 40-jährigen Bestehens unserer Schule einstellen und das Treffen absagen.“

In der Oberschule Uchte fällt das für heute geplante Berufe-Speed-Dating aus, das Klarheit bringen sollte mit Blick auf die angestrebte Berufswahl. Die drei Veranstalter, Oberschule Uchte, Handwerkskammer Diepholz/Nienburg und Samtgemeinde Uchte, haben gemeinsam entschieden, die Veranstaltung wegen der Coronavirus-Pandemie abzusagen.

„Ich weise darauf hin, dass es an der OBS Uchte aktuell keinen Verdachtsfall gibt und es sich um eine Vorsichtsmaßnahme im Sinne aller Beteiligten handelt“, heißt es aus der Samtgemeindeverwaltung. Zudem hätten erste Firmen auch ihre Teilnahme bereits abgesagt. Wann die Veranstaltung stattfinden könnte, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu sagen.

Das Aus für die Mindener Bau- und Energiemesse „haus und energie“, die von  heute bis Sonntag auf Kanzlers Weide in Minden stattfinden sollte, kam am Mittwochabend. Der für den 21. März geplante Secondhand-Basar in der Oberschule in Uchte entfällt ebenso.

Zunehmend werden auch kleinere Veranstaltungen von Vereinen abgesagt. Das DRK Uchte teilte mit: „Aufgrund der momentanen Situation mit dem Coronavirus wurde vom Vorstand des DRK Uchte die Entscheidung getroffen, das Frühlingskaffeetrinken am 25. März ausfallen zu lassen.“

Auch das DRK Warmsen hatte bereits am Mittwoch die für das Wochenende geplanten Seniorennachmittage abgesagt. „Wir wollen unsere Besucher schützen“, sagte die Vorsitzende Rovena Engehausen jetzt auf HARKE-Nachfrage.

Diese Entscheidung sei fern jeder Panik getroffen und logische Konsequenz daraus, dass zu den Seniorennachmittagen längst nicht nur ältere Menschen kommen.

Die vielen jungen Leute beispielsweise, die bei diesen Nachmittagen für Unterhaltung sorgen wollten, wie Grundschulkinder oder auch Kinder und Jugendliche der Theatergruppe Warmsen-Bohnhorst (TheWaBO) hätten naturgemäß viele weitere Kontakte. Durch die Absage sollten immunsupprimierte Menschen, also Personen, deren Abwehrsystem durch eine chronische Grunderkrankung oder durch die Verabreichung bestimmter Medikamente geschwächt ist, geschützt werden.

Keine „Flämmchen“

Die für Sonnabend angesetzte „Flämmchen“-Abnahme in Anemolter-Schinna für Kinderfeuerwehren ist nach Angaben von Kreisjugendfeuerwehrwart Mario Hotze am Mittwochabend abgesagt worden. Auch die Jugendparlamentsfahrt nach Bremen ist gecancelt. Derzeit arbeite die Feuerwehrführung in Absprache mit dem Landkreis an einer Leitlinie, wie in den nächsten Wochen mit Veranstaltungen umgegangen werden soll.

In Petershagen entfällt der für heute geplante Vortrag „Jüdische Friedhöfe Petershagen, Frille und Schlüsselburg“. Da zu den Vorträgen  der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge oft mehr als 100 Besucher kämen, sei eine Ansteckungsgefahr nicht auszuschließen.

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Erstellt:
12. März 2020, 20:27 Uhr
Lesedauer:
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