Edda Hagebölling DIE HARKE

Edda Hagebölling DIE HARKE

Nienburg 09.02.2019 Von Edda Hagebölling

Nichts dazu gelernt

Ein Wolfsberater, der aus Angst um Leib und Leben darum bittet, aus seinem Amt entlassen zu werden, eine ehrenamtlich tätige Bürgermeisterin, die bedroht wird, weil sie ihrer Vernunft folgt, ein internes Schreiben, das das Lehrerzimmer verlässt und postwendend bei Facebook landet. In meinen Augen ausnahmslos Fälle, die zwingend zur Anzeige gebracht und geahndet werden müssen. Wie armselig.

„Wir müssen wieder lernen, ohne Schaum vor‘m Mund miteinander zu reden“, hatte Bundespräsident Steinmeier unlängst in seinem Weihnachtsgruß gefordert. Wie weit sind wir gekommen, dass wir Menschen in Angst versetzen, nur, weil sie eine andere Meinung haben. Noch dazu am liebsten feige in der Anonymität des Internets. „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ hatte Rosa Luxemburg schon vor rund 100 Jahren erkannt. Offenbar haben wir noch immer nichts dazugelernt.

Hoffnung macht dagegen die Resonanz auf den Mut der 16-jährigem Greta Thunberg, die schon seit Monaten immer freitags vor ihrer Schule dazu auffordert, endlich mit dem Klimaschutz zu beginnen. Diese Botschaft ist mittlerweile auch in Nienburg angekommen. Am 15. März soll auch in unserer Kreisstadt unter dem Motto „Friday for Future“ demonstriert werden. Mal schauen, wie bei Facebook reagiert wird. Feige und anonym.

Erfreulich zurückhaltend war die Reaktion auf den Bericht über die Frauenparkplätze in der vergangenen Ausgabe. Zu diesem Thema wurde in den sozialen Medien lediglich bedauert, dass es diese Angebote zum Schutz von Frauen immer noch geben muss. Eine Zuschrift erreichte uns im Laufe der Woche jedoch von Iris Große. Als häufige Nutzerin des Parkhauses Am Hafen beobachtet sie immer wieder, dass sowohl die Frauen als auch die Eltern- Kind-Parkplätze in erster Linie von jungen Männern genutzt werden. Wirklich sehr männlich.

Mit tollen Angeboten für Frauen, die wieder in das Erwerbsleben einsteigen, sich beruflich verändern oder einfach etwas für ihre Bildung tun wollen, wartet auch in diesem Jahr die Koordinierungsstelle frau+ wirtschaft auf. Los geht es am 13. Februar mit „Kolleginnen halten zusammen – erfolgreiche Teamarbeit“. Zum ersten Mal sind aber auch Angebote für Unternehmen dabei, die dem Verbund Wirtschaft+Familie angehören.

In einem Seminar geht es um Selbstvertrauen am Arbeitsplatz, in einem anderen sollen Auszubildende fit gemacht werden für das Gespräch mit anderen jungen Leuten, die sich auf Azubi-Börsen über ihre Ausbildungsmöglickeiten informieren. Diese Gespräche sind offenbar deutlich effektiver, wenn sie auf Augenhöhe passieren.

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Erstellt:
9. Februar 2019, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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