Die Veränderung des Nitrateintrags. Der Schwellenwert laut Grundwasserverordnung liegt bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser. Foto: Landvolk Mittelweser

Die Veränderung des Nitrateintrags. Der Schwellenwert laut Grundwasserverordnung liegt bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser. Foto: Landvolk Mittelweser

Landkreis 21.08.2021 Von Die Harke

Nitratwert sinkt, liegt aber noch deutlich über dem Schwellenwert

Frühzeitig Trends erkennen und Beratung anpassen

„Wir haben gemeinsam mit den beteiligten Landwirten in den vergangenen Jahren eine eindeutige und belegbare Trendumkehr des Nitrat-Eintrages erreicht“, sagt Dr. Franz Antony.

Der Diplom-Agraringenieur ist Geschäftsführer der INGUS Ingenieurdienst Umweltsteuerung GmbH, die im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) jedes Jahr Nitrat-Tiefenbohrungen im Gebiet „Mittlere Weser“ der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) vornimmt und dort die Sickerwassergüte untersucht. Das hat das Landvolk Mittelweser mitgeteilt.

Rückgang von 148 auf 102 Milligramm pro Liter in neun Jahren

Das Gebiet „Mittlere Weser“ erstreckt sich von Delmenhorst im Norden über die Landkreise Diepholz und Nienburg bis an die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen auf mehr als 172.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Das Fazit der Bohrungen sei: Innerhalb von neun Jahren habe sich der Nitrat-Eintrag im Gesamtdurchschnitt von 148 auf 102 Milligramm pro Liter reduziert.

Laut Umweltbundesamt legt die Grundwasserverordnung jedoch einen Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter fest. Wenn der Wert im Grundwasser überschritten wird, sieht der Gesetzgeber vor, Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge einzuleiten.

Laut Landvolk ist die Sickerwassergüte der vergangenen neun Winterhalbjahre von 2010/2011 bis 2019/2020 auf insgesamt 30 Praxisschlägen bis zu einer Tiefe von drei Metern unter die Lupe genommen worden – jedes Jahr mit drei Wiederholungsbohrungen pro Schlag.

Ziel sei Benchmarking im positiven Sinne

„In der Beratung beachten wir vor allem die Standortunterschiede“, sagt Franz Antony. Eine Messung auf dem Acker sei besonders exakt und aussagekräftig. Noch bevor Nitrat ins Grundwasser gelangt, messe das INGUS-Team es bereits im Sickerwasser. Das sei ein Frühindikator und ermögliche eine jährliche Auswertung. „So müssen wir nicht 20 Jahre warten, bis das Nitrat im Grundwasser angekommen ist.“

Vielmehr könne man auf diese Weise frühzeitig Trends erkennen und die Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe entsprechend anpassen.

Bei den Nitratgehalten gebe es selbst auf Schlägen vergleichbarer Böden große Unterschiede: Auf Sand weise der beste Schlag beispielsweise weniger als 50 MilligrammNitrat pro Liter auf, ein anderer hingegen 160 Milligramm Nitrat.

„Unser Ziel ist ein Benchmarking im positiven Sinne. Wir wollen zeigen, welches Potenzial zur Verbesserung da ist. Und dass man auch an die besten Betriebe immer rankommen kann“, sagt Antony über die Beratung. Sicher hätten die unterschiedlichen Nitratwerte auch etwas mit der Fruchtfolge zu tun. Wichtig sei es, die Nitratauswaschung im Winter gering zu halten.

Dazu sei der Stickstoff-Wert im Herbst entscheidend: „Zwischenfrüchte reduzieren diesen Wert zum Beispiel deutlich auf bis zu 24 Kilogramm“, sagt Franz Antony. Generell brauche man Werte unterhalb von 40 Kilogramm Stickstoff, um die Nitrat-Auswaschung zur Erreichung der Ziele der Düngeverordnung so gering wie möglich und zugleich den Stickstoff für die Pflanzen im Boden verfügbar zu halten.

Beratung wird zu 100 Prozent vom Land finanziert

Hier setze die Beratung an. Für 96 Betriebe übernehme die INGUS die Düngeplanung im Gebiet „Mittlere Weser“. „Dabei gehen wir mehr ins Detail und schauen uns jeden Schlag in Bezug auf Vor-, Haupt- und Zwischenfrucht an“, berichtet Ralf Klocke vom INGUS-Standort Syke.

Diese Beratung finanziere das Land zu 100 Prozent. „Wenn wir den Herbst-Stickstoff-Wert in den Griff bekommen, also ausreichend reduzieren, tritt automatisch eine Verbesserung ein“, meint Franz Antony. „Wenn wir bei 70 Milligramm pro Liter wären, wäre für den Ackerbau schon viel erreicht“, gibt Klocke einen Ausblick auf den Nitratwert, den er im Sickerwasser für möglich hält.

Die Methoden, die die INGUS im Auftrag des NLWKN anwende, könne man auch auf einer größeren Maßstabsebene nutzen, ist Klocke überzeugt. „Deutschland hat der Europäischen Union bis heute keine Trendumkehr belegen können. Dabei können wir das regional durchaus.“ Er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stützten sich bei ihrer Arbeit vornehmlich auf Fakten: „Wir versuchen, Fortschritte zu messen. Denn dann sind die Zahlen auch glaubwürdig“, sagt Antony.

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Erstellt:
21. August 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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