Nicht unterkriegen lassen vom November-Wetter! Foto: Alex Stemmer - stock.adobe.com

Nicht unterkriegen lassen vom November-Wetter! Foto: Alex Stemmer - stock.adobe.com

Landkreis 12.11.2020 Von Holger Lachnit

November mit Nebel

Diese folgenden Zeilen stammen aus dem Gedicht „Die Stadt“. Diese hat der Schriftsteller Theodor Storm 1852 seinem Heimatort Husum an der Nordsee gewidmet:

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.
Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn‘ Unterlass;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.

Ich musste es einst im Deutschunterricht bei Herrn Gorke in der damaligen Hindenburgschule in Nienburg auswendig lernen. Um ehrlich zu sein, hat mich das Gedicht damals nicht besonders beeindruckt. Viel beeindruckender war die Vorstellung, es im Unterricht nicht aufsagen zu können – Herr Gorke war nämlich ein recht strenger Lehrer ...

Doch ganz vergeblich waren seine Bemühungen wohl doch nicht, mir und meinen Mitschülern die deutsche Literatur näherzubringen. Heute finde ich, dass „Die Stadt“ ganz wunderbar die aktuelle Herbststimmung widerspiegelt: „Der Nebel drückt die Dächer schwer“ beschreibt wohl Momente, wie sie jeder von uns gerade erlebt: Die bunte Zeit des Herbstes ist vorbei, die sonnigen Tage werden weniger. Zwar ist es bei uns nicht die Wandergans, die unterwegs ist, aber der Kranich fliegt derzeit mit „hartem Schrei“.

Dennoch soll das kein Grund sein, gar in eine November-Depression zu verfallen: Freuen wir uns über jeden Sonnenstrahl, genießen wir jeden Moment, in dem uns der Herbstwind um die Nase weht. Denn bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung.

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Erstellt:
12. November 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 46sec

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