Fritz Heyer und Bernhard Langenkamp vom Heimatverein Lichtenhorst sowie Bauhofleiter Felix Schliephake (von links) vor dem neuen Zaun der Kriegsgräberstätte in Lichtenhorst. Foto: Langenkamp

Fritz Heyer und Bernhard Langenkamp vom Heimatverein Lichtenhorst sowie Bauhofleiter Felix Schliephake (von links) vor dem neuen Zaun der Kriegsgräberstätte in Lichtenhorst. Foto: Langenkamp

Lichtenhorst 25.10.2020 Von Die Harke

Nur ein Teil der Toten hat einen Namen

Neue Zaunanlage für die Kriegsgräberstätte Lichtenhorst / Grabanlage verschönert

Im Zuge des 100-jährigen Ortsjubiläums im vergangenen Jahr und der geschichtlichen Aufarbeitung der Erinnerungsstätten im Ortsbereich Lichtenhorst wurde vom Heimatverein Lichtenhorst auch die Kriegsgräberstätte an der Rodewalder Straße mit einbezogen. In unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Kriegsgefangenenlager aus dem Ersten Weltkrieg liegt diese Grabstätte eher unauffällig abseits der Landesstraße 192. Man wird nur aufmerksam auf sie, weil ein Straßenschild auf den kurzen Fußweg zu dieser Gedenkstätte hinweist.

Der Heimatverein Lichtenhorst hat den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) im Jahr 2018 auf den maroden und unwürdigen Zustand der Grabanlage aufmerksam gemacht. Die ständigen Unterhaltungsarbeiten durch die Samtgemeinde Steimbke beschränken sich auf Mäharbeiten, Heckenschnitt und Baumpflegearbeiten. Die Mitarbeiter des Bauhofs hatten im Frühjahr schon die nötigen Vorarbeiten vorgenommen und Totholz entfernt.

Zusätzliche Mittel stünden laut VDK nicht zur Verfügung. Der Geschäftsführer Bezirksverbandes Nord des VDK Henrik Berthold machte sich denn selbst ein Bild vom Zustand der Anlage und musste ebenfalls feststellen, dass mindestens die Zaunanlage erneuert und die Stehlen, die auf die Sammelgräber hinweisen, saniert werden sollten.

Zaunanlage erneuert

Über die Gemeindeverwaltung Steimbke konnte beim Niedersächsischen Innenministerium erreicht werden, dass die Zaunanlage erneuert wurde. Eine Firma aus Drakenburg hat die Arbeiten in der letzten Woche beendet und die Zaunanlage in solider Handwerksarbeit hergestellt. Die Maßnahme wurde vom Bauhof der Samtgemeinde Steimbke begleitet. Die Aufarbeitung der Stehlen sollte laut Innenministerium erst erfolgen, wenn die Gräberliste der bestatteten bzw. umgebetteten Toten mit den Inschriften auf den Stehlen abgeglichen wurde.

Auf der Lichtenhorster Kriegsgräberstätte ruhen nach den vorliegenden Informationen und den Forschungsergebnissen des Arbeitskreises Regionalgeschichte Neustadt am Rübenberge insgesamt 111 Tote der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, 31 polnische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, 80 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter der ehemaligen Sowjetunion sowie eine unbekannte kleine Anzahl russischer Kriegsgefangener aus dem Ersten Weltkrieg. Von ihnen ist nur einer erfasst. Es sind Frauen und Männer. Auf ihre Gräber weisen zehn aus rotem Wesersandstein gefertigten Stelen hin. Nur ein Teil von ihnen ist namentlich erfasst, die übrigen sind bis heute unbekannt. Der jüngste 13, der älteste 45 Jahre alt, gestorben während des Zweiten Weltkriegs. 26 Polen und 72 Sowjetbürger wurden im Oktober 1961 aus dem Landkreis Hannover auf diese Gräberstätte des ehemaligen Gefangenenlagers Lichtenhorst aus dem Ersten Weltkrieg umgebettet.

Schulprojekt zur Grabanlage geplant

Der VDK befasst sich nun mit der Aufarbeitung einer aktuellen Gräberliste und hofft in den entsprechenden Archiven wie dem Bundesarchiv Berlin die notwendigen Angaben hierfür zu finden. „Erste Recherchen blieben erfolglos“, bedauert Fritz Heyer, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Lichtenhorst. „Die aktuellste Gräberliste stammt aus dem Jahr 1962. Sie umfasst aber nicht alle Bestatteten.“

Um die kommenden Generationen für die Geschichte dieser Gedenkstätte und die Schicksale dieser Toten zu sensibilisieren und weiter aufzuarbeiten, plant der VDK ein Schulprojekt zu dieser Grabanlage. Der VDK hofft dabei auf die Unterstützung durch den Heimatverein Lichtenhorst. Eine Erinnerungstafel am Beginn des Fußwegs ist ebenfalls geplant.

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Erstellt:
25. Oktober 2020, 18:45 Uhr
Lesedauer:
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