Marko Tarrach ist ambitionierter Fotograf, seine Frau Andrea teilt die Motorsport-Leidenschaft. Das gemeinsame Hobby ist Teil des Lebenstraumes, den sich die beiden demnächst erfüllen werden. Foto: Schwiersch

Marko Tarrach ist ambitionierter Fotograf, seine Frau Andrea teilt die Motorsport-Leidenschaft. Das gemeinsame Hobby ist Teil des Lebenstraumes, den sich die beiden demnächst erfüllen werden. Foto: Schwiersch

Gorspen-Vahlsen 24.03.2020 Von Stefan Schwiersch

ONLINE EXKLUSIV | Aus der Komfortzone ins Nomadentum

Job gekündigt, Haus verkauft: Marko Tarrach und seine Andrea erfüllen sich ihren motorsportlich-fotografischen Lebenstraum - sobald Corona es erlaubt

Das Kartenspiel des Lebens hat Marko Tarrach bisher solide Blätter beschert. Oberhaupt einer sichtbar harmonischen, eng verbandelten Familie, ein sicherer Job im Landesberger Kraftwerk, Häuschen in Wasserstraße, die Fotografie als erfüllendes Hobby und Ausgleich. Nun aber verlässt Marko Tarrach sehenden Auges die selbst geschaffene Komfortzone. Lässt alles immobile hinter sich, startet ein Abenteuer, das ihn und seine Frau Andrea künftig durch halb Europa führen wird. Sein Kompass: der Motorsportkalender.

Schon sein halbes Leben begleitet Tarrach, 51 Jahre alt, Maß- und Regeltechniker, geboren im hessischen Helmershausen, den Rennsportzirkus. Jedes Jahr düst er zu den Hotspots verschiedener Rennserien wie der DTM, dem ADAC-GT-Masters oder den populären 24-Stunden-Rennen in Deutschland, Belgien und Frankreich, fotografiert Autos und Menschen, genießt den Benzinduft. Auch der HARKE-Sportteil kam so immer wieder in den Genuss besonderer Aufnahmen, vornehmlich von René Rast und seinen Boliden.

Wie eng Tarrach der PS-Welt verbunden ist, zeigt ein Blick ins Stammbuch der Familie. Sohn Joshua ist 21 Jahre alt, sein Name angelehnt an den Junior von Ex-Formel 1-Weltmeister Damon Hill. Zwei Jahre jünger ist Gina-Maria. Ihre Namenspatronin ist die Tochter von Legende Michael Schumacher.

Hier läst sich's aushalten: das Cockpit des luxuriösen Wohnmobils. Das Lenkrad - mit roter Markierung auf 12 Uhr - stammt aus dem Motorsport. Foto: Schwiersch

Hier läst sich's aushalten: das Cockpit des luxuriösen Wohnmobils. Das Lenkrad - mit roter Markierung auf 12 Uhr - stammt aus dem Motorsport. Foto: Schwiersch

Nicht das eine große, sondern viele kleine Zeichen bewegten Marko Tarrach, sein Leben demnächst komplett auf links zu drehen. „Erstmals darüber nachgedacht habe ich Mitte 2018.“ Kurz zuvor war ein Freund gestorben. „Jürgen war ursprünglich ein Fotografie-Kollege, ich habe viel von ihm gelernt.“ Jürgen starb überraschend mit 60 Jahren.

Kleine Winks des Schicksals bestätigten Tarrachs erstes Ansinnen. Wie eine „Tatort“-Folge, als ein Mann in einer spirituellen Szene einem anderen Mann sein „Lebensband“ vorhielt, davon 50 Jahre abschnitt und nur noch das ziemlich kurze Stück mit 25 Jahren übrig blieb. Oder die Lektüre von TV-Koch Horst Lichters Buch „Keine Zeit für Arschlöcher“. Oder die Dokumentation eines einst erfolgreichen, aber ausgebrannten Managers, der sein Glück erst in den Alpen als Gastwirt einer kleinen Hütte wiederfand. „Das kann’s doch noch nicht gewesen sein“, sinnierte Tarrach.

Andrea und Marko Tarrach lassen alles auf sich zukommen. Vielleicht sind sie nächstes Jahr wieder da. Vielleicht aber wird's auch ein Abenteuer von Dauer. Foto: Schwiersch

Andrea und Marko Tarrach lassen alles auf sich zukommen. Vielleicht sind sie nächstes Jahr wieder da. Vielleicht aber wird's auch ein Abenteuer von Dauer. Foto: Schwiersch

Vor gut einem Jahr waren sich die beiden Eheleute schließlich einig: Wir machen das. Wir folgen dem Motorsportzirkus, machen das, was uns erfüllt, verdienen Geld mit der Fotografie. Tarrach ist mittlerweile gut vernetzt, erhält immer wieder Aufträge von Rennställen – und auch deren Geschäftspartnern oder Sponsoren.

Nägel mit Köpfen. Die Tarrachs verkauften erst ihr Haus in Wasserstraße, dann die Autos, schließlich den Hausstand. Und als behüte eine höhere Macht ihre Bewegungen, so gestalteten sich alle Transaktionen reibungslos wie die Zylinder im Motor von René Rasts Audi. „Das lief alles glatt und alles ohne Hektik“, erzählt Andrea Tarrach. Eine gewisse Zeit galt es zu überbrücken. Sohn Joshua, der in Gorspen-Vahlsen bei Petershagen eine recht üppige Mietwohnung gefunden hatte, nahm sie gern auf. „Wir verstehen uns mit unseren Kindern richtig gut“, sagt Marko Tarrach. „Wir haben sie in alle Pläne immer mit einbezogen.“

Tarrach-Tochter Gina-Maria, hier mit DTM-Champion René Rast, hat ebenso ein Faible für schnelle Autos – und künstlerisches Talent. Foto: Tarrach

Tarrach-Tochter Gina-Maria, hier mit DTM-Champion René Rast, hat ebenso ein Faible für schnelle Autos – und künstlerisches Talent. Foto: Tarrach

Vor gut einem Jahr teilte Tarrach seine Ausstiegspläne seinem Vorgesetzten im Landesberger Statkraft-Werk mit, kündigte an, zu kündigen. Der wollte der Spinnerei zunächst nicht den rechten Glauben schenken, besuchte die Tarrachs, fragte explizit Andrea, was da denn dran sei. Und erkannte, dass Tarrachs Frau nicht nur Begleiterin sein würde, sondern ein Schwungrad des Projekts war. „Wir kennen mittlerweile viele Rennställe, viele Leute, und ich kann an den Wochenenden im Catering mitarbeiten“, erzählt sie. Eine Frau zu finden, die nicht nur die Liebe zum Motorsport teilt, sondern gleichsam die Lust aufs künftige Nomadenleben, das muss man erstmal hinkriegen. Weiß auch Tarrach – und lächelt am Küchentisch zu seiner Gattin herüber.

Wann die beiden die Anker lichten: unklar angesichts der Corona-Krise und eines aktuell völlig unsicheren Renn-Kalenders. Wenn jedoch irgendwann wieder Normalität einkehrt, dann wollen sie sich Zeit nehmen, wollen alle Etappen genießen. Bisher waren die Tarrachs immer unter Zeitdruck, mal mehr, mal weniger, weil nach dem dem Spaß am Wochenende gleich wieder die Dienstpflicht im Kraftwerk rief. „Da blieb oft kaum Zeit, die schönen Ecken Deutschlands etwas genauer anzuschauen“, sagt seine Frau Andrea.

Eine kleine Auswahl an Tarrach-Bildern:

Fotostrecke
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Schnelle Autos sind Marko Tarrachs Passion.

© Marko Tarrach

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Und langsame auch.

© Marko Tarrach

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Schnelle Autos sind Marko Tarrachs Passion.

© Marko Tarrach

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Schnelle Autos sind Marko Tarrachs Passion.

© Marko Tarrach

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Schnelle Autos sind Marko Tarrachs Passion.

© Marko Tarrach

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Schnelle Autos sind Marko Tarrachs Passion.

© Marko Tarrach

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Schnelle Autos sind Marko Tarrachs Passion.

© Marko Tarrach

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Schnelle Autos sind Marko Tarrachs Passion.

© Marko Tarrach

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Zum fotografischen Portfolio gehören aber auch andere Motive. Stadt-Impressionen ...

© Marko Tarrach

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Freizeit-Impressionen ...

© Marko Tarrach

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De Hamburger Weihnachtsmarkt

© Marko Tarrach

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Eine Impression aus Kuba.

© Marko Tarrach

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Schönheit bei Nacht

© Marko Tarrach

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Impression vom Strand

© Marko Tarrach

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Au Wunsch erstellt Marko Tarrach auch Porträts - und erotische Bilder.

© Marko Tarrach

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Das künftige Zuhause.

© Marko Tarrach

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Blick ins Schlafzimmer.

© Marko Tarrach

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Die Dusche.

© Marko Tarrach

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Die Tarrachs snd starklar.

© Marko Tarrach

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Holz und Leder dominieren das Interieur des Carthago-Wohnmobils.

© Marko Tarrach

Auch den Winter wollen sie in Süddeutschland verbringen, in der Nähe der Berge. „Ich bin handwerklich geschickt, kann mir vorstellen, 20 Stunden die Woche zu arbeiten – aber nicht als Festanstellung“, sagt Tarrach. Arbeitsagentur und Krankenkasse snd in die Pläne involviert.

„Wir haben bei unseren Reisen so viele tolle Dinge erlebt“, lacht Andrea Tarrach. Ein kleine Anekdote sei erzählt.

Nürburgring, gute 20 Jahre her. Marko und seine schwangere Frau gehen zu Fuß von der Rennstrecke zum drei Kilometer entfernten Hotel. Ein dickes BMW-Motorrad knattert vorbei. Hinter der nächsten Kurve liegt plötzlich ein Hartschalenkoffer des Motorrads am Wegesrand, er muss sich irgendwie gelöst haben. Die Tarrachs öffnen die Box und finden: unter anderem eine Geldbörse mit Kreditkarten (und Pin-Nummern!) und VIP-Pässe für den Ring. Und darauf einen Namen: Hans-Joachim Stuck.

Jeder bringt was mit zur Rennstrecke. Der eine den Grill, der andere Musik, der nächste einen aufblasbaren Whirlpool.

Marko Tarrach

Die Tarrachs finden heraus, wo Stuck residiert, gehen in dessen Hotel. Eine Weile später erscheint „Strietzel“ Stuck – hadernd ob des verschwundenen Koffers mit dem wichtigen Inhalt. „Keine Sorge, die Finder sind bereits da“, beruhigt ihn die Wirtin. Stuck strahlt, zeigt sich über die Maßen dankbar. Er lädt die fünfköpfige Tarrach-Gruppe tags darauf in das örtliche Edelrestaurant im „Hotel Adenauer“ ein, dort speisen sie Seite an Seite mit den Leuten von Ferrari und McLaren, sehen aus der Nähe Jean Todt, verfolgen amüsiert, dass RTL-Moderator Heiko Waßer das Haus wieder verlassen muss, weil er keine Reservierung hat.

„Wir sind immer mit sechs, sieben Wohnmobilen an der Strecke“, sagt Marko Tarrach, „und jeder bringt was mit. Der eine den Grill, der andere Musik, der nächste einen ausflasbaren Whirlpool.“

Die Tarrachs reisen künftig nicht viel unluxuriöser als die Sportstars selbst an. Den Erlös des Eigenhems reinvestierten die Tarrachs in ein Straßenschiff der Marke Carthago, sozusagen der Mercedes der Wohnmobile. Knapp neun Meter lang, fast sieben Tonnen schwer, innen reichlich Holz und Leder, zwei Großbild-TVs, Dusche, reichlich Stauraum und vier Betten, falls mal die Kinder an der Rennstrecke vorbeischauen. Kein Schnapper, kostete selbst als junger Gebrauchter noch sechsstellig und damit kaum weniger als ein Eigenheim.

Wie lange der Luxusbus ihre neue Heimat sein wird, lassen die beiden offen. „Wir haben“, sagt Tarrach, „erstmal kein Ende geplant. Wir machen das, solange es uns gefällt. Notfalls suche ich mir nach zwei Jahren wieder einen richtigen Job.“

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Erstellt:
24. März 2020, 19:08 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 24sec

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