Reisetasche mit Lokomotive, um 1850, Baumwolle, Ziegenleder, Messing, verschiedenfarbige Glasperlen. Museum Nienburg

Reisetasche mit Lokomotive, um 1850, Baumwolle, Ziegenleder, Messing, verschiedenfarbige Glasperlen. Museum Nienburg

Nienburg 01.07.2019 Von Die Harke

Objekt des Monats Juli ist eine Reisetasche

Ausgestellt wird sie im Museum Nienburg

Urlaubszeit – Reisezeit: Schon immer sind Menschen auf Reisen gegangen – zuerst zu Fuß, dann hoch zu Ross, in der Kutsche, per Schiff, mit der Bahn, dem Auto oder mit dem Flugzeug. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Geschwindigkeit und der Komfort beim Reisen extrem verändert. Reisen im Mittelalter war sehr beschwerlich und mühsam. Überwiegend unterwegs waren Kaufleute, Soldaten und Pilger. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde es Mode, Bildungsreisen zu unternehmen. Immer mehr Adelige und vornehme Reiche entdeckten die Lust am Reisen per Kutsche.

Richtige Vergnügungs- und Erholungsreisen etablierten sich im 19. Jahrhundert. Der Herr und die Dame von Welt reisten meist mit zwei oder drei großen Schrankkoffern, um die zahlreichen Utensilien verstauen zu können.

Als die Eisenbahn im 19. Jahrhundert das Transportwesen revolutionierte, trieb auch die königlich-hannoversche Regierung den Ausbau des Schienennetzes voran. Ab 1845 wurde die Strecke Bremen Wunstorf über Nienburg gebaut und am 12. Dezember 1847 wurde der Nienburger Bahnhof eröffnet.

Mit dem Ausbau der Eisenbahn entstanden neue Erfordernisse an das Reisegepäck, zumal nur ein begrenzter Raum dafür zur Verfügung stand. Da die großen, in den Gepäckwagen untergebrachten Koffer während der Fahrt nicht zugänglich waren, nahm man zumindest das Nötigste mit ins Abteil. Reisetaschen erfreuten sich zunehmender Beliebtheit.

Bei dieser Reisetasche, dem Objekt des Monats Juli im Nienburger Museum, handelte es sich um einen großen Beutel von reich mit einfachem Kreuzstich besticktem Stramingewebe, das auf der Vorderseite zusätzlich mit aufwändiger Perlenstickerei verziert ist. Seiten und Boden bestehen aus Ziegenleder, den Verschluss bildet ein großer Metallbügel mit Schloss und Ledergriff.

Mit der Eisenbahn erhöhte sich die Reisegeschwindigkeit, gleichzeitig wurden Darstellungen von Lokomotiven immer populärer. Die hier dargestellte Lokomotive mit dem Schriftzug „Zeit“ ist eine Metapher für schnelle Reisezeit und stellt keinen bestimmten Typ dar.

Diese Reisetasche hat Museumsgründer Fritz Heller bereits 1916 für 13 Reichsmark in Werningerode im Harz für das Nienburger Museum gekauft. Es ist ab morgen als Objekt des Monats Juli zu sehen.

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Erstellt:
1. Juli 2019, 07:31 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 02sec

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