Lehrer Michael Wagner (2. von rechts) rollt mit angehenden Bäckern einen Teig aus: (von links): Patricia Baumgarten, Ella Mernov, Pascal Diekmeier, Nico Loschwitz, Catrina Avery und Patrick Mühlenhardt. Schmidetzki

Lehrer Michael Wagner (2. von rechts) rollt mit angehenden Bäckern einen Teig aus: (von links): Patricia Baumgarten, Ella Mernov, Pascal Diekmeier, Nico Loschwitz, Catrina Avery und Patrick Mühlenhardt. Schmidetzki

Landkreis 25.11.2017 Von Nikias Schmidetzki

Obwohl die Chancen sehr gut sind

Viele Betriebe haben Nachwuchssorgen: Immer weniger Schulabgänger wollen etwa Bäcker werden

Der Duft frischer Brötchen gehört für viele zum Morgen wie der Becher Kaffee, der von Kuchen am Nachmittag zur Tasse Tee dazu. Kaum denkbar, dass Bäcker einmal ohne Beschäftigung sind. Und doch werden die Mitstreiter ihrer Zunft weniger. An den Berufsbildenden Schulen ([DATENBANK=1231]BBS[/DATENBANK]) Nienburg bekommen Azubis aus dem zweiten und dritten Lehrjahr schon gemeinsam Unterricht. Zu wenige sind von denen, die einst begonnen hatten, übrig geblieben. Bildeten Bäcker 2008 bundesweit noch etwa 36.000 Lehrlinge aus, waren es 2015 nur noch knapp 19.000. Das geht aus Zahlen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) hervor.

Mit einer besseren Bezahlung hoffen die Innungen doch wieder ein paar mehr junge Menschen für den Beruf des Bäckers zu begeistern. „Da wird sich auch noch mehr tun. Trotzdem ist die Vergütung immer noch recht gering im Vergleich zu anderen Berufen“, sagt [DATENBANK=4682]Christian Deicke[/DATENBANK], Obermeister der Bäckerinnung der Landkreise Diepholz und Nienburg, aus Marklohe. Im Handwerk allgemein litten viele Unternehmen unter einem Mangel an Azubis, bei den Bäckern sei es aber tatsächlich noch deutlicher – im Verkauf übrigens auch. Trotz Imagekampagnen der Verbände und individueller Lockmittel einzelner Betriebe: Hoffnung auf eine baldige Besserung hat Deicke nicht.

Doch wie so oft im Leben ist Geld zwar wichtig, aber eben nicht alles. Das Kreative und Selbstständige liebt Catrina Avery. „Ich habe schon immer gern gebacken. Ich bin auch schon nachts aufgestanden und habe eine Schwarzwälder Kirschtorte gemacht“, sagt sie. Die junge Frau befindet sich im dritten Ausbildungsjahr und kann sich, wie sie sagt, keinen anderen Beruf mehr für sich vorstellen. Und die Arbeitszeiten? Sind kein Problem meint sie, die schon immer Frühaufsteherin gewesen sein will. Dabei geht es für Bäcker und deren Lehrlinge nicht nur in aller Frühe mit der Arbeit los, manchmal beginnt die Schicht sogar am Abend oder in der Nacht. Dafür liegt häufig noch der Tag vor den Bäckern, wenn sie mit ihrer Schicht durch sind.

Waren Bäcker früher meist Männer, hält sich die Zahl von männlichen und weiblichen Azubis an den BBS schon jetzt etwa die Waage. Und die Damen holen auf. „Das liegt auch daran, dass viele körperlich schwierige Tätigkeiten wegfallen“, sagt Lehrerin Anike Lange. Vieles übernehmen heute Maschinen. Es sind höchstens noch schwere Säcke zu stemmen. „Aber zur Not hole ich mir eben Hilfe von einem Kollegen“, sagt Avery.

Für ihre Zukunft sieht es gut aus. Schon jetzt nimmt sie im Betrieb, einem kleineren, eine wichtige Rolle ein. Vor allem wenn es um Torten, um ihre Passion, geht, baut ihr Chef auf sie. Generell seien die Chancen in kleineren Unternehmen meist besser, sagt Lehrerin Lange. Nachfolger werden schließlich mittelfristig immer gesucht. Und die fehlen ebenso wie die Azubis. Das ist auch eine Angst, die bei der Innung umgeht, wie Christian Deicke bestätigt.

Eines bringt der Job noch mit sich, findet Catrina Avery: „Nach dem Feierabend sieht man aus wie ein Schwein, aber man riecht gut.“

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Erstellt:
25. November 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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