Die ehemalige BEB-Betriebsstätte in Rodewald, die umfangreich saniert wurde. Exxon Mobil

Die ehemalige BEB-Betriebsstätte in Rodewald, die umfangreich saniert wurde. Exxon Mobil

Rodewald 29.09.2017 Von Die Harke

Ölförderung nicht als Krebsursache ausgemacht

Untersuchung zu Fällen in der Samtgemeinde Steimbke und der Gemeinde Rodewald: Bisher keine Zusammenhänge festgestellt

Zusammenhänge zwischen den betrachteten Erkrankungsfällen und der Erdölförderung in Rodewald lassen sich aktuell nicht herleiten. Auch andere Zusammenhänge sind nicht offensichtlich. Das hat der Leiter des Nienburger Gesundheitsamtes, Dr. Torsten Vogel, am Donnerstag in der Sitzung des Rates der Gemeinde Rodewald erklärt. Vogel stellte den aktuellen Erkenntnisstand der Arbeitsgruppe zur Begleitung der Krebsclusteruntersuchung vor. Da Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen vorerst fehlen, setze die Arbeitsgruppe auf eine vom Land in Aussicht gestellte landesweite Studie, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises. Diese soll eventuelle Zusammenhänge zwischen hämatologischen Krebserkrankungen und der Erdgasförderung sowie bekannten Schlammgruben (Verdachtsflächen) betrachten.

„Die vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) bewerteten Umweltdaten zum BEB-Betriebsgelände lassen im Ergebnis ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für die Wohnbevölkerung nicht erkennen. Dies gilt auch für die sogenannte Kaltgasfackel, die bis 1989 auf dem zwischenzeitlich sanierten BEB-Betriebsgelände betrieben worden ist“, sagt Vogel.

Auch die mit erheblichem Aufwand vorbereitete Befragung der sechs Kinderkrebsfälle, die zwischen 1987 und 2007 vom Kinderkrebsregister in der Samtgemeinde Steimbke erfasst wurden, zeigten keine Hinweise auf Gemeinsamkeiten. Hierzu war eigens unter Einbindung des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes und des Sozialministeriums ein Interviewleitfaden erarbeitet worden. Wissenschaftlich belegt als Risikofaktoren für kindliche Leukämien sind bisher nur bestimmte Strahlung und genetische Vorbelastung.

Eine umfangreiche Befragung der Bevölkerung in der Samtgemeinde Steimbke ist nach Einschätzung der Arbeitsgruppe wenig zielführend. Eine entsprechende Untersuchung in der Samtgemeinde Bothel (Landkreis Rotenburg) hatte zu keinen klaren Ergebnissen geführt, obwohl die Erkrankungsraten dort deutlich höher und statistisch signifikant waren. Trotz hoher Rücklaufquoten ließen sich auslösende Faktoren aus der im April vorgelegten Untersuchung nicht ableiten.

Das NLGA hat in Zusammenhang mit den Untersuchungen in der Samtgemeinde Bothel empfohlen, eine landesweite epidemiologische Studie zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von hämatologischen Krebserkrankungen und der wohnlichen Nähe zu Anlagen der Erdgasförderung sowie Schlammgruben (Verdachtsflächen) durchzuführen. Diese ist vom Sozialministerium in Aussicht gestellt worden. Vor zu hohen Erwartungen warnt Vogel jedoch: „Rückschlüsse auf Ursachen sind bei Krebsclusteruntersuchungen trotz großer Anstrengungen leider selten möglich.“

Hintergrund: Das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) hatte im Frühjahr 2016 einen Bericht zu den Häufigkeiten von Leukämien und Lymphom-Erkrankungen in der Samtgemeinde Steimbke und deren Mitgliedsgemeinde Rodewald vorgelegt.

Obwohl die Gesamterkrankungsrate nicht als statistisch auffällig einzustufen war, sah das EKN Hinweise für ein räumlich-zeitliches Cluster und hielt eine vertiefende Untersuchung in Rodewald für notwendig, da mit insgesamt vier Erkrankungsfällen eine erhöhte Leukämieerkrankungszahl bei Kindern unter 15 Jahren in der Gemeinde Rodewald zwischen 1987 und 2007 festgestellt worden war.

Unabhängig vom Bericht des EKN hatte das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) eine toxikologische Bewertung der vorliegenden Umweltgutachten zum ehemaligen BEB-Betriebsplatz Suderbruch vorgelegt. Im Ergebnis ließ sich demnach ein gesundheitliches Risiko für die Wohnbevölkerung nicht ableiten.

Hinsichtlich der bis 1989 auf dem Gelände betriebenen Kaltgasfackel sah das NLGA jedoch weiteren Klärungsbedarf. Die Ergebnisse der nachträglich vorgenommenen Immissionsprognose sind unter www.kreis-ni.de aufrufbar.

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Erstellt:
29. September 2017, 21:00 Uhr
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