Berät Frauen und Mädchen, die seelische, körperliche oder sexuelle Gewalt erleiden müssen: Eva Schmitz

Berät Frauen und Mädchen, die seelische, körperliche oder sexuelle Gewalt erleiden müssen: Eva Schmitz

Nienburg 16.07.2016 Von Edda Hagebölling

Opfern das Selbstwertgefühl zurückgeben

Eva Schmitz berät Frauen und Mädchen, die seelische, körperliche oder sexuelle Gewalt erleiden müssen

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Sexuelle Gewalt, häusliche Gewalt, Stalking. Das sind die Themen, mit denen Eva Schmitz am häufigsten zu tun hat. Die Diplom-Kunsttherapeutin und Traumafachberaterin hat vor drei Jahren die „Frauen und Mädchenberatungsstelle bei Gewalt“ aufgebaut. Auf dringenden Wunsch des Nienburger Frauenhauses. Dort wusste man aus der täglichen Arbeit: Auch außerhalb des Frauenhauses muss es eine Anlaufstelle geben, die Frauen und Mädchen zur Seite steht, die von ihren Männern, Vätern, Brüdern, Söhnen oder anderen männlichen Verwandten misshandelt wurden. Der „Frauen-Notruf“ war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgelaufen.

Finanziert wird die Beratungsstelle von der Stadt und dem Landkreis Nienburg und dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung.

Zu Eva Schmitz kommen die unterschiedlichsten Frauen. Die jüngste Ratsuchende war erst elf Jahre alt, die älteste Ende 60. Den Schwerpunkt bilden junge Frauen Anfang 20 und Frauen zwischen 40 und 50.

Der Therapeutin geht es in erster Linie darum, die Frauen wieder zu stabilisieren und ihnen ihr Selbstwertgefühl zurückzugeben. „Die Kontaktaufnahme ist völlig unverbindlich. Ob sie fortgeführt wird und wohin die Reise geht, bestimmt ganz allein die Frau“, betont Eva Schmitz im Treffen mit der Harke am Sonntag.

Viele Frauen eint die Erkenntnis: So möchte ich nicht weiterleben. Oder sie haben sich bereits von ihrem Partner getrennt beziehungsweise sind zuhause ausgezogen. Die Gewalterfahrung ist bei der einen noch relativ frisch, bei der anderen reicht sie bis in die Kindheit und Jugend zurück.

„Den Frauen fällt es oft schwer, sich als Gewaltopfer zu outen. Sie schämen sich oder haben Schuldgefühle. Und stellen dann aber fest: sprechen hilft“, berichtet Eva Schmitz aus ihrer Arbeit.

Über alle Maßen erleichtert ist die Leiterin der Beratungsstelle über die am 7. Juli vom Bundestag verabschiedete Reform des Sexualstrafrechts, in dem fortan der Grundsatz „Nein heißt nein“ verankert ist. „Endlich müssen sich Frauen, die vergewaltigt wurden, nicht mehr rechtfertigen, warum sie sich nicht gewehrt haben, warum sie nach Einbruch der Dunkelheit noch draußen waren oder einen kurzen Rock getragen haben“, so Eva Schmitz erleichtert. Für die Frauen ein eindeutiges Signal. Und auch für die Männer. Die Therapeutin hilft aber auch, wenn die Möglichkeiten der gesetzlichen Krankenversicherung erschöpft sind und weitere Therapien benötigt werden. Oder sie überbrückt die Zeit bis zur ersten Therapie. Wartezeiten von sechs Monaten und mehr sind keine Seltenheit.

Unterstützung bekommt Eva Schmitz von Dr. Edda Meyer-Krapp. Die Fachanwältin für Sozial- und Familien kommt einmal im Monat in die Beratungsstelle, um die Frauen und Mädchen, die zum Opfer von Gewalt wurden, über ihre Rechte zu informieren. Themen sind in der Regel Scheidung und Unterhalt, Sorgerecht und Arbeitsrecht.

Schmitz profitiert in ihrer Arbeit aber auch von ihrer Ausbildung als Kunsttherapeutin. „Jugendlichen fällt es oft schwer, über das Erlebte zu sprechen. Über die Malerei kommen wir dann aber ganz gut ins Gespräch“, so Eva Schmitz.

Die Beratungsstelle im AWO-Gebäude an der Von-Philipsborn-Straße unweit des Nienburger Bahnhofs ist dienstags und mittwochs von 9.30 bis 16.30 Uhr und freitags von 9.30 bis 15.10 Uhr geöffnet. Im Haus der Generationen in Stolzenau ist Eva Schmitz jeden dritten Mittwoch von 10 bis 12 Uhr, im Familienzentrum Hoya jeden dritten Dienstag von 13 bis 15 Uhr. Zu erreichen ist sie unter 05021/61163 bzw. frauen-maedchen-beratung@posteo.de. Aktuelle Informationen gibt es auch unter www.beratung-frauen-maedchen.de.

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Erstellt:
16. Juli 2016, 21:00 Uhr
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