Tagung der Gleichstellungsbeauftragten in der Romantik Bad Rehburg.  Foto: Landkreis Nienburg

Tagung der Gleichstellungsbeauftragten in der Romantik Bad Rehburg. Foto: Landkreis Nienburg

Landkreis 25.07.2020 Von Die Harke

Pandemie auf dem Rücken der Frauen

Tagung der Gleichstellungsbeauftragten dieses Mal in der Romantik Bad Rehburg

Noch vor Beginn der Sommerpause trafen sich die Gleichstellungsbeauftragten der Städte, Fle-cken und Samtgemeinden des Landkreises Nienburg zu einer Klausurtagung. Diesmal kamen die Frauen im „Carpe Diem“ in der Romantik Bad Rehburg zusammen. Dorthin hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Rehburg-Loccum, Anke Lampe, unter der Leitung der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Nienburg, Petra Bauer, ihre Kolleginnen eingeladen.

Der Klausurtag findet jährlich statt und ist für die haupt-, neben- und ehrenamtlichen Kolleginnen ein wichtiger Termin und zum Bestandteil ihrer Arbeit geworden. Inhaltlich arbeiten die Beauftragten zu aktuellen gleichstellungspolitischen Themen. Gleichzeitig stehen immer auch Planungen der kommunal übergreifenden Aktivitäten auf der Tagesordnung. Projekte sind zu entwickeln, Gleichstellungsfragen zu beantworten und konkrete Umsetzungen von Vorhaben sind zu terminieren.

Tagung stand unter Auswirkungen der Corona-Pandemie

„In diesem Jahr stand der Klausurtag ganz unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie“, teilt Bauer mit. Schon die Raumfrage, die Bestuhlung sowie die Hygieneregeln waren im Vorfeld zu bedenken und am Durchführungstag umzusetzen. Auch inhaltlich hat das Thema „Corona“ die Arbeit des Klausurtages bestimmt.“

So tauschten sich die Teilnehmerinnen intensiv über die Zeit des „Lock Down“ und die Bedeutung sowie die Auswirkungen auf die Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte aus. Hier kamen Themen zum Tragen, die von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Kolleginnen und Kollegen an die Gleichstellungsbeauftragten herangetragen werden. Dazu gehören Fragen und Belastungen rund um Homeoffice zwischen Betreuung und Unterrichtung der Kinder; außergewöhnliche Arbeitsrhythmen; starke Mehrbelastung von Frauen, besonders von Müttern sowie vor allem von Alleinerzie-henden; Rückfall in tradierte Rollenbilder; Pandemiebewältigung auf dem Rücken von Frauen (Müttern, Frauen in Pflegeberufen und dem Einzelhandel); Unterbezahlung und fehlende Anerkennung der systemrelevanten Gruppen sowie die finanziellen Probleme der Menschen, zu einem sehr großen Anteil Frauen, mit Minijobs.

Der Austausch und der weitere Umgang mit diesen Themen füllte einen großen Zeitraum des Klausurtages.

Gleichstellungsaufgabe im Ehrenamt

Wie schon im vergangenen Jahr war auch diesmal die Gleichstellungsaufgabe im Ehrenamt Thema unter den Kolleginnen, da erneut die ehrenamtlichen Kolleginnen nicht teilnahmen. Im weiteren Gespräch wurde deutlich, dass auch die Umsetzung der Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten im Nebenamt verwaltungsintern zu Irritationen und zu einer Zerreißprobe für die Stelleninhaberin führen kann. Deshalb fordern die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten die Umwandlung der Ehren- und Nebenamtlichkeit in eine Hauptamtlichkeit. Hierfür werden sie sich in den entsprechenden Gremien auch zukünftig stark machen.

Für den Vormittag hatten die Gleichstellungskolleginnen den Bürgermeister der Stadt Rehburg-Loccum, Martin Franke, zu einem Austausch eingeladen. Franke stellte den Kolleginnen die lange Tradition der Frauen- bzw. Gleichstellungsarbeit der Stadt vor. Er griff dazu auf das „dienstliche Tagebuch“ der ersten Frauenbeauftragten zurück. Über die von ihr festgehaltenen Aufgaben und Tätigkeiten kamen Franke und die Gleichstellungsbeauftragten ins Gespräch und gelangten schnell sowohl auf Themen, die sich inzwischen zum Positiven verändert haben, als auch auf Themen, die nach wie vor aktuell und zu bearbeiten sind.

Am Nachmittag ging es den Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten vor allem um die Weiterplanung folgender Projekte: das Niedersächsische Mentoring-Programm „FRAU.MACHT.DEMOKRATIE.“, die Gewinnung von Frauen für die Kommunalpolitik, die Pla-nungen der Aktion „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ anlässlich des Tages „Nein zu Gewalt an Frauen“ am 25. November sowie erste Überlegungen zum Internationalen Frauentag, der am 8. März 2021 zum 100. Mal begangen wird.

Informeller Austausch ist von großer Bedeutung

„Langfristige Planungen sind nötig, um zum Beispiel qualifizierte Referentinnen zu gewinnen, aber auch, um entsprechende Räumlichkeiten zu buchen“, so Bauer. „Trotz aller Öffnungen bleibt die Umsetzung aufgrund von Corona weiterhin ungewiss. Wir denken jeweils über Alternativen der Umsetzung nach. Als Gleichstellungsbeauftragte werden wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnerinnen nicht nachlassen, auf Themen wie Häusliche Gewalt, Femizid, Gender Pay Gap, Altersarmut, Risiko: Minijob, sexistische Werbung und so weiter aufmerksam zu machen.“

Neben dem inhaltlichen Austausch sowie der Planung von Projekten und Angeboten ist immer auch der informelle Austausch von großer Bedeutung. Hier nutzten die Kolleginnen die Pausen auf der Veranda des „Carpe Diem“ für kollegiale Beratung sowie für die Weitergabe von Best-Practice-Beispielen.

Die nächste Zusammenkunft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten aus dem Landkreis Nienburg wird die Arbeitskreiskreissitzung im September sein.

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Erstellt:
25. Juli 2020, 19:30 Uhr
Lesedauer:
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