Horst-Dieter und Margret Lemke aus Nienburg haben Blumen auf dem Nienburger Wochenmarkt gekauft. Fotos: Stüben (7)

Horst-Dieter und Margret Lemke aus Nienburg haben Blumen auf dem Nienburger Wochenmarkt gekauft. Fotos: Stüben (7)

Nienburg 15.03.2020 Von Sebastian Stüben

Händler befürchten Absage

Wochenmarkt fast wie immer: gutes Wetter, viele Kunden – aber nur ein Gesprächsthema: Corona

Die Sonne strahlt, die Temperaturen sind mild, die Menschen strömen durch die Nienburger Innenstadt entlang der Wochenmarktstände – kaufen hier Gemüse ein, dort Hornveilchen.

Es ist Samstag, 14. März, drei Tage nach Bekanntwerden der ersten bestätigten Corona-Infektionen im Kreisgebiet. Auf den ersten Blick ist alles wie immer: In kleinen Grüppchen stehen die Marktbesucher zusammen, unterhalten sich, lachen.

Ist irgendwas? Es herrscht offensichtlich keine Panik unter den Besuchern, aber es gibt nur ein Gesprächsthema: die Corona-Pandemie.

Gerd Hillmann vom Geflügelhof aus Wietzen hofft, dass der Nienburger Wochenmarkt nicht auch für mehrere Wochen abgesagt wird.

Gerd Hillmann vom Geflügelhof aus Wietzen hofft, dass der Nienburger Wochenmarkt nicht auch für mehrere Wochen abgesagt wird.

Während die einen darüber witzeln, dass sie sich nur noch per Ellenbogen-Druck begrüßen, tauschen andere ernst, aber ruhig Verhaltensregeln aus, wie sie sich selbst und andere am besten vor einer Ansteckung schützen können.

Angst vor einer Infektion auf dem Wochenmarkt hat keiner der Besucher, mit der DIE HARKE spricht. Sorge bereitet den Händlern nach eigenen Worten die Aussicht auf eine mögliche Absage der kommenden Wochenmärkte auf unbestimmte Zeit – für die sie selbst keinen Grund sehen.

Gerd Hillmann vom Hühnerhof aus Wietzen sagt: „Der Betrieb heute auf dem Wochenmarkt ist wie immer. Vielleicht kaufen die Menschen ein bisschen mehr haltbare Ware ein. Aber ich habe Bedenken, dass der Markt irgendwann doch zugemacht wird. Dabei ist es hier für die Kunden angenehm. Sie sind an der frischen Luft, können Abstand halten und zu Zeiten kommen, zu denen nicht so viel los ist – besser als im Supermarkt.“

Gemüsehändler Uwe Wandmacher aus Dörverden hat nach eigenen Worten ein gutes Geschäft auf dem jüngsten Nienburger Wochenmarkt gemacht.

Gemüsehändler Uwe Wandmacher aus Dörverden hat nach eigenen Worten ein gutes Geschäft auf dem jüngsten Nienburger Wochenmarkt gemacht.

Sollte es zu einer Absage des Wochenmarkts kommen, hat Hillmann nach eigenen Worten ein Problem: „Die Eier, die ich verkaufe, kommen immer nach. Die muss ich irgendwie loswerden. Ich kann dann nur hoffen, dass Kunden zu mir in den Hofladen kommen.“

Gärtner Wolfgang Hirsch aus Bücken hat nach eigenen Worten einen leichten Rückgang der Marktbesucher beobachtet. „Ich hoffe, dass es weitergeht mit dem Markt. Meine Hornveilchen beispielsweise kann ich nur bis Ostern verkaufen, danach will die kein Mensch mehr haben.“

Gemüsehändler Uwe Wandmacher aus Dörverden hat festgestellt, dass die Menschen nicht in Panik verfallen seien. „Das Geschäft läuft gut, gemessen an der Jahreszeit“, sagt Wandmacher.

Weil er nicht wisse, wie sich die Situation in den kommenden Tagen entwickeln werde, kauft Wandmacher nach eigenen Worten nur so viel ein, wie er für einen Tag brauche. Schließlich wisse niemand, ob in der kommenden Woche das Markttreiben noch in dieser Form stattfinden wird.

Was die Besucher zum Thema Wochenmarkt und Corona gesagt haben, lesen Sie unten.

Annemarie Schumacher (89) aus Nienburg: Ich glaube, dass es auf dem Wochenmarkt eine geringere Gefahr gibt, sich anzustecken, als im Supermarkt. Und ich brauche schließlich etwas zu essen. Meine Güte – ich gehe einfach sehr gründlich nach den empfohlenen Verhaltensregeln vor. Ich besuche auch keine Veranstaltungen mehr, sie sind ja ohnehin alle abgesagt. Ich möchte das Virus nicht übertragen– nicht aus Angst um meine eigene Gesundheit, sondern um Risikopatienten zu schützen. Ich kann mich gut zu Hause mit Computer und iPhone beschäftigen.

Annemarie Schumacher (89) aus Nienburg: Ich glaube, dass es auf dem Wochenmarkt eine geringere Gefahr gibt, sich anzustecken, als im Supermarkt. Und ich brauche schließlich etwas zu essen. Meine Güte – ich gehe einfach sehr gründlich nach den empfohlenen Verhaltensregeln vor. Ich besuche auch keine Veranstaltungen mehr, sie sind ja ohnehin alle abgesagt. Ich möchte das Virus nicht übertragen– nicht aus Angst um meine eigene Gesundheit, sondern um Risikopatienten zu schützen. Ich kann mich gut zu Hause mit Computer und iPhone beschäftigen.

Eva (65) und Gerhard Felkel (70) aus Liebenau: Eva Felkel: Ich habe keine Angst, auf den Wochenmarkt zu gehen. Man kann sich ja nicht zu Hause einkerkern. Wir gehen weiter unter Leute. Wo wir drauf achten, ist Händewaschen und zurückhaltendere Begrüßungen. Von „Bussi hier, Bussi da“ habe ich sowieso noch nie etwas gehalten. Gerhard Felkel: Nach meiner Einschätzung ist auf dem Wochenmarkt fast genauso viel los, wie sonst auch. Die Menschen sind auch nicht panisch, ich ebenso wenig. Hier draußen an der frischen Luft sollte es doch nicht so gefährlich sein. Und private Geburtstagsfeiern werden wir auch in Zeiten des Coronavirus nicht ausfallen lassen.

Eva (65) und Gerhard Felkel (70) aus Liebenau: Eva Felkel: Ich habe keine Angst, auf den Wochenmarkt zu gehen. Man kann sich ja nicht zu Hause einkerkern. Wir gehen weiter unter Leute. Wo wir drauf achten, ist Händewaschen und zurückhaltendere Begrüßungen. Von „Bussi hier, Bussi da“ habe ich sowieso noch nie etwas gehalten. Gerhard Felkel: Nach meiner Einschätzung ist auf dem Wochenmarkt fast genauso viel los, wie sonst auch. Die Menschen sind auch nicht panisch, ich ebenso wenig. Hier draußen an der frischen Luft sollte es doch nicht so gefährlich sein. Und private Geburtstagsfeiern werden wir auch in Zeiten des Coronavirus nicht ausfallen lassen.

Peter Reuße (73) aus Nienburg: Zum Wochenmarkt zu gehen, ist für mich kein Problem. Wir begrüßen uns nicht mehr so herzlich, aber sonst ist alles gut. Ich überlege aber, ob ich meinen Geburtstag am kommenden Freitag in der Gastwirtschaft absagen werde. Der Tisch ist bestellt, aber drei Kinder haben bereits abgesagt, weil sie selbst Kleinkinder haben. Montags kommen immer unsere Enkelkinder zu uns zum Essen. Die haben abgesagt, weil sei uns Ältere nicht gefährden wollen. Das Essen wollen sie trotzdem haben. Wir stellen es ihnen vor die Tür.

Peter Reuße (73) aus Nienburg: Zum Wochenmarkt zu gehen, ist für mich kein Problem. Wir begrüßen uns nicht mehr so herzlich, aber sonst ist alles gut. Ich überlege aber, ob ich meinen Geburtstag am kommenden Freitag in der Gastwirtschaft absagen werde. Der Tisch ist bestellt, aber drei Kinder haben bereits abgesagt, weil sie selbst Kleinkinder haben. Montags kommen immer unsere Enkelkinder zu uns zum Essen. Die haben abgesagt, weil sei uns Ältere nicht gefährden wollen. Das Essen wollen sie trotzdem haben. Wir stellen es ihnen vor die Tür.

Michael (64) und Birgit Gerhardt aus Erichshagen: Michael Gerhardt: Ich habe absolut keine Bedenken, auf den Wochenmarkt zu gehen. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass weniger los wäre. Wir finden weiter unsere Waren, die wir hier gerne einkaufen. Außerdem müssen die Marktbeschicker ja auch weiter verkaufen. Wir halten einfach ein bisschen Abstand zu anderen Besuchern, und die Begrüßung mit unseren Freunden und Bekannten fällt etwas distanzierter aus. Birgit Gerhardt: Ein Lächeln kann auch schön sein, es muss nicht immer eine Umarmung sein. Und die Hand geben wir uns einfach mit dem Ellenbogen. Wir treffen trotzdem gerne unsere Freunde am Kaffeemobil.

Michael (64) und Birgit Gerhardt aus Erichshagen: Michael Gerhardt: Ich habe absolut keine Bedenken, auf den Wochenmarkt zu gehen. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass weniger los wäre. Wir finden weiter unsere Waren, die wir hier gerne einkaufen. Außerdem müssen die Marktbeschicker ja auch weiter verkaufen. Wir halten einfach ein bisschen Abstand zu anderen Besuchern, und die Begrüßung mit unseren Freunden und Bekannten fällt etwas distanzierter aus. Birgit Gerhardt: Ein Lächeln kann auch schön sein, es muss nicht immer eine Umarmung sein. Und die Hand geben wir uns einfach mit dem Ellenbogen. Wir treffen trotzdem gerne unsere Freunde am Kaffeemobil.

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Erstellt:
15. März 2020, 19:25 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 15sec

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