Bahram Zakhel (links) und Nadim Damalibi (rechts) freuen sich sehr über die bestandene Gesellenprüfung. Der besondere Dank der beiden Geflüchteten gilt Peter Krowicky, Cordula Rintelmann und Ulrike Granich von der Flüchtlingsinitiative „Liebenau hilft“ (von links). Bei ihrem Besuch in der Redaktion berichten sie von Erfolg und Misserfolg und von ihrer auch weiterhin ungewissen Zukunft in Deutschland.  Foto: Hagebölling

Bahram Zakhel (links) und Nadim Damalibi (rechts) freuen sich sehr über die bestandene Gesellenprüfung. Der besondere Dank der beiden Geflüchteten gilt Peter Krowicky, Cordula Rintelmann und Ulrike Granich von der Flüchtlingsinitiative „Liebenau hilft“ (von links). Bei ihrem Besuch in der Redaktion berichten sie von Erfolg und Misserfolg und von ihrer auch weiterhin ungewissen Zukunft in Deutschland. Foto: Hagebölling

Liebenau 15.02.2020 Von Edda Hagebölling

„Papa, das hast du falsch gesagt“

Bahram Zakhel und Nadim Damalibi haben sich mit hohem Einsatz durch die Gesellenprüfung gekämpft. Auch dank „Liebenau hilft“

„Man kann es schaffen.“ Bahram Zakhel hat allen Grund, stolz zu sein. Am vergangenen Freitag erhielt der 35 Jahre alte Afghane im Nienburger „Weserschlößchen“ im Rahmen der Freisprechung der Kreishandwerkerschaft seinen Gesellenbrief als Maurer. Mit ihm auf die Bühne gerufen wurde auch Nadim Damalibi. Der 22-jährige Syrer ist jetzt amtlich anerkannter Dachdeckergeselle. Im „Wesersaal“ waren sie an diesem Abend die einzigen Geflüchteten.

Bahram Zakhel hat auch in seiner Heimat schon als Maurer gearbeitet. Eigentlich wollte er noch Ingenieur werden, doch dann kam der Krieg. In Deutschland ist er seit dem 13. Dezember 2015. Vom Camp Andreasberg ging es zwei Monate später weiter Richtung Nienburg. Darüber, dass er damals als einziger aus der Gruppe nicht direkt nach Nienburg kam, sondern nach Liebenau, ist Bahram Zakhel heute froh.

Glückliche Fügung

„Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ich nicht Ulrike Granich kennengelernt hätte, sie hat mir so viel geholfen“, so der 35-Jährige. Als Teil der Flüchtlingsinitiative „Liebenau hilft“ war Granich nicht ganz unbeteiligt daran, dass der Flüchtling aus Afghanistan bei der Firma ASS Bau in Liebenau eine Ausbildungsstelle aus Maurer antreten konnte.

Nach einer einjährigen Einstiegsqualifizierung ging es dann richtig los. Und schon bald zeichnete sich ab, dass es in der Theorie Probleme geben würde.

Das ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

Peter Krowicky, ehemaliger Berufsschullehrer

„Deutsch an sich ist schon schwer, sich dann aber auch noch mit Grundlagen der Bautechnik oder der Betontechnologie vertraut zu machen, war fast unmöglich“, so Zakhel. Ganz zu schweigen von dem, was im Fach Politik gelehrt wurde: Sozialversicherung, Arbeitsrecht, Demokratie... An dieser Stelle kommt Peter Krowicky, ebenfalls Mitglied der Flüchtlingsinitiative Liebenau, ins Spiel. Krowicky war über 30 Jahre als Berufsschullehrer in Sulingen tätig, zwar nicht im handwerklichen, sondern im kaufmännischen Bereich, sich mit den Lehrern von Bahram Zakhel abzustimmen und einen Lehrplan zu entwickeln, war für ihn kein Thema. Und auch nicht für das aktuelle Kollegium.

„Schließlich handelt es sich um eine Win-Win-Situation. Auch die Schulen und das Handwerk profitieren davon, dass es Geflüchtete gibt, die noch die klassischen Handwerksberufe erlernen wollen“, so Krowicky.

Sprachkenntnisse extrem wichtig

Dritte im Azubi-Unterstützerkreis ist Cordula Rintelmann. Die Liebenauerin hat einige Jahre im Libanon gelebt und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, die Sprache des Landes, in der man lebt, zu beherrschen. „Ohne die Sprache ist wie blind und taub. Du fühlst dich einsam und missverstanden“, weiß Rintelmann, die unter anderem für die Ländliche Erwachsenenbildung Deutschkurse erteilt, aus eigener Erfahrung. Mittlerweile gebe es zwar Übersetzungs-Apps, doch die seien mit Vorsicht zu genießen. Cordula Rintelmann empfiehlt, den Duden zu verwenden. Dank ihrer Arabisch-Kenntnisse weiß sie, dass den Geflüchteten schon mal empfohlen wird, „den Müll an die Tür zu schmeißen“, wobei das noch die harmloseren Übersetzungsblüten seien.

Auch vor diesem Hintergrund sei das, was Bahram Zakhel und Nadim Damalibi geleistet hätten, gar nicht hoch genug wertzuschätzen.

Bahram Zakhel kann auch weiter bei der Firma ASS Bau arbeiten. Mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag. Dass er schon ach so kurzer Zeit so gut deutsch spricht, hat er auch seinen Arbeitskollegen und seinen ehemaligen Mitschülern zu verdanken. Seine strengste Kontrolleurin ist jedoch seine ältere Tochter. Zu hören: „Papa, das hast du falsch gesagt“, ist sein größter Ansporn.

Unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in weiter Ferne

Eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung liegt jedoch auch mit Gesellenbrief in weiter Ferne.

Wieder nur für zwei Jahre bleiben zu dürfen, ist auch für Nadim Damalibi eine große Belastung. Der 22-jährige Syrer hat seine Ausbildung zum Dachdecker bei Kreis-Handwerksmeister Knut Brüggemann gemacht. Weil er aber gerne noch einmal etwas anderes kennenlernen möchte, nimmt er in Kürze bei Pieper Bedachungen in Nienburg seine Arbeit auf.

Der junge Syrer, der mit 17 Jahren ganz allein nach Deutschland geflüchtet ist, war zwischenzeitlich kurz davor, seine Ausbildung zu schmeißen und in Syrien nach seiner Mutter zu suchen. Der Kontakt zu den Eltern ist komplett abgerissen.

„Warum muss es überall Kriegen geben? Kann das nicht aufhören? Wir sind doch alle Menschen“, so Nadim Damalibi.

Zum Artikel

Erstellt:
15. Februar 2020, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.