Jugendliche besuchen die Alte Synagoge in Petershagen. Guse

Jugendliche besuchen die Alte Synagoge in Petershagen. Guse

Landkreis 14.11.2017 Von Die Harke

Parallelen zu eigener Biografie entdeckt

Junge Flüchtlinge besuchen die Alte Synagoge in Petershagen

Eine Gruppe junger Menschen aus dem Landkreis haben auf Initiative von [DATENBANK=314]Ute Müller[/DATENBANK] ([DATENBANK=4580]Haus der Generationen[/DATENBANK] Stolzenau) und [DATENBANK=3978]Martin Guse[/DATENBANK] (Dokumentationsstelle [DATENBANK=5210]Pulverfabrik Liebenau[/DATENBANK]) die Alte Synagoge Petershagen besucht. Kooperationspartner Wolfgang Battermann erläuterte in seiner Führung die Geschichte des in Norddeutschland einmaligen erhaltenen Ensembles aus Synagoge, Schule und jüdischem Friedhof, sowie die Hintergründe der Verfolgung und Ermordung des größten Teils der einstigen Petershäger jüdischen Gemeinde. „Die Besucher sind aus Afghanistan, der Elfenbeinküste, dem Irak, Syrien oder Mazedonien geflüchtet – und sie sind fast alle Muslime. Religion ist für sie selbstverständlicher Teil ihres Lebens, aber Berührungsängste oder Vorbehalte gegenüber anderen Religionen gibt es unter ihnen nicht“, heißt es in einer Mitteilung von Martin Guse.

Das Interesse an der jüdischen Geschichte und Religion sei groß gewesen, und die Erkenntnisse darüber, wie viele Ähnlichkeiten es zum Islam gebe, nicht minder. Rituelle Bäder, Moses oder Abraham, die Namen der Monate im Kalender, ein abgetrennter Bereich für Frauen im Gottesdienst? „Das kennen wir ja alles“, sei von vielen zu hören gewesen.

Nicht nur das, manchmal entdeckten die Jugendlichen auch Parallelen zu ihrem eigenen Leben in der früheren Heimat. Ausgrenzung, Verfolgung, Flucht, Todesangst, Verlust von Heimat und Angehörigen seien ihnen nicht fremd. Was den jüdischen Familien in Deutschland vor über 70 Jahren widerfahren ist, hätten Nor, Maryam, Mohammed und die anderen selbst erlebt. Solche Formen des Gedenkens, wie den Erhalt der Synagoge, die Stolpersteine oder 60564, hätten sie allerdings bisher nicht gekannt.

Die Gruppe trifft sich am Samstag zu einem Rundgang durch Stolzenau, bei dem Ute Müller am Beispiel des Schicksals der Familie Lipmann die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Stolzenau darstellen wird. Und wieder soll es dabei um Verfolgung, Vertreibung und Tod gehen, Themen die diesen jungen Leuten näher seien als vielen in Deutschland Geborenen im selben Alter.

An diesem Tag werden auch die bereits verlegten acht Stolpersteine in Stolzenau wieder geputzt, wie schon im letzten Jahr rund um den 9. November, den Jahrestag der Pogromnacht. Menschen, die vor Fanatismus und Gewalt aus ihrer Heimat fliehen mussten, wollen so mithelfen, das Gedenken an diejenigen wachzuhalten, die Ähnliches in Deutschland erlitten.

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Erstellt:
14. November 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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