Erst bittet Rainer Schmidt als Kabarettist in der nächsten Woche zu seinem Programm „Däumchen drehen“, danach wird als Zugabe in der Marklohe Kirche in sicherlich unterhaltsamer Form Tischtennis gespielt.		Johannes Hahn

Erst bittet Rainer Schmidt als Kabarettist in der nächsten Woche zu seinem Programm „Däumchen drehen“, danach wird als Zugabe in der Marklohe Kirche in sicherlich unterhaltsamer Form Tischtennis gespielt. Johannes Hahn

23.11.2014 Von Matthias Brosch

Paralympics-Abräumer in Marklohe

Tischtennis: Rainer Schmidt präsentiert erst „Däumchen drehen“, dann geht es in der Kirche sportlich weiter

Marklohe. Es ist Sommer 1977, aber das Wetter spielt nicht mit. Juli-Bilanz im Schwarzwald: vier Sonnentage, an der Nordsee waren es drei. An der Ostsee, meldete die „Welt am Sonntag“, gab es „Sonne und blaues Meer nur am Kiosk“ – auf Ansichtskarten. Rainer Schmidt, damals zwölf Jahre alt, reiste mit seiner Familie nach Österreich. Dort regnete es weniger. Seine Eltern wanderten gern. Er nicht. „Ich glaube, das Dorf war noch kleiner als unser eigenes. Kein Spielplatz, kein Fußballplatz, nichts.“ Es gab jedoch eine Tischtennisplatte. Er probierte es, aber seine Arme waren zu kurz. Deshalb zählte er nur noch, wenn andere spielten. Nach ein paar Tagen kam ein Mann und fragte, ob er nicht mitmachen wolle. Natürlich, aber wie? Daraufhin wurde eine Konstruktion mit Schaumstoff und Schnüren gebastelt, die den Arm verlängerte und an der der Schläger befestigt wurde. Für Rainer Schmidt begann eine erstaunliche Karriere, nachdem es anfangs nur Niederlagen gab: Zwischen 1984 und 2008 nahm er an sieben Paralympischen Spielen teil und gewann dabei sieben Medaillen (viermal Gold, dreimal Silber) sowohl als Einzelspieler als auch im Team. „Nach 25 Jahren internationalem Sport war ich der dienstälteste deutsche Paralympionike (und habe mich auch so gefühlt)“, schreibt der Theologe auf seiner Homepage. Am nächsten Donnerstag, 27. November, wird Rainer Schmidt, immer noch aktiv beim Bezirksklassisten SC Fortuna Bonn, auf Einladung des SC Marklohe ein Gastspiel bestreiten und sich gegen 21 Uhr mit Verbandsliga-Akteur Torsten Rode und wahrscheinlich fünf Jugendlichen messen – natürlich nicht gleichzeitig, sondern nacheinander.

Der Austragungsort ist ein ungewöhnlicher: keine Sporthalle, sondern die St.-Clemens-Kirche. Hintergrund für dieses Zusammenkommen: Der einstige Paralympics-Abräumer ist ebenfalls Kabarettist und präsentiert in der Markloher Kirche in vier Tagen um 19 Uhr sein erstes abendfüllendes Programm „Däumchen drehen“, mit dem er seit März auf Tour ist. Und bei seiner Zusage fragte er an, ob es nicht im Anschluss die Möglichkeit für ein paar Ballwechsel gebe. Vor drei Jahren hielt der Bonner, der wegen des Femur-Fibula-Ulna-Syndroms ohne Arme und mit einem verkürzten Oberschenkel geboren wurde, vor der Nienburger Bürgerstiftung die Festrede zu ihrem zehnjährigen Jubiläum – von daher ist der 49-Jährige im Kreisgebiet kein Unbekannter. bro

Eintrittskarten für das Kabarett-Programm „Däumchen drehen“ gibt es im Vorverkauf in der Sparkasse, in der Volksbank und in der Tankstelle Cunow in Lemke zum Preis von zehn Euro und an der Abendkasse zu zwölf Euro. Vorbestellungen nimmt Walter Thomfohrde entgegen unter (0 50 22) 12 04.

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Erstellt:
23. November 2014, 00:00 Uhr
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