Zu viel CO2, zu viel Strom und zu viel Gas: Nienburgs Klimabilanz ist schlecht. Grafik: Stadt Nienburg

Zu viel CO2, zu viel Strom und zu viel Gas: Nienburgs Klimabilanz ist schlecht. Grafik: Stadt Nienburg

Nienburg 15.08.2020 Von Die Harke

Park & Ride, Dachbegrünung, Windkraft

Stadtverwaltung hat Maßnahmenkatalog zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes entwickelt

Nienburgs Klima-Bilanz ist schlecht. In der Kreisstadt wird pro Kopf nicht nur deutlich mehr CO2 ausgestoßen als im bundesdeutschen Mittel, auch der Verbrauch von Strom und Gas ist deutlich höher.

Um dem entgegenzuwirken, hat die Verwaltung einen Maßnahmenkatalog zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes entwickelt und die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, sich an Klimaschutz-Workshops zu beteiligen. Das erste Treffen fand am Donnerstag statt.

Der Plan sieht unter anderem vor:

Klimaorientierte Verwaltung & Politik: Einstellung einer/s Klimaschutzbeauftragten als Stabsstelle, direkt der Verwaltungsleitung unterstellt.

Ökologische Bebauungspläne: Pflicht oder Anreize zur Nutzung von Photovoltaik-Anlagen, Zisternennutzung, Dachbegrünung, Verbot von Schottergärten, platzsparende Bauweise mit wenig Flächenversiegelung, Passivhäuser

Ökologische und nachhaltige Beschaffung: Alle Produkte, die die Stadt, ihre Einrichtungen oder Tochtergesellschaften beschaffen, sollen zuvor definierte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, die insbesondere die Auswirkungen auf das Klima berücksichtigen.

Energieeffiziente und ökologische Straßenbeleuchtung: Umstellung aller Straßenlaternen auf LED zur Reduzierung des Stromverbrauchs. Zudem Beibehaltung der Nachtabschaltung zur Verminderung der Lichtverschmutzung, die mit verantwortlich für das Insektensterben ist. Es sind auch innovativere Lösungen zu prüfen, die Straßenzüge nur bei Bedarf erhellen, zum Beispiel durch Bewegungsmelder oder Lichtschranken.

Förderung von Photovoltaik-Anlagen, Bau von Windkraftanlagen am Stadtrand: Die Stadt verpflichtet sich selbst dazu, auf allen stadteigenen Neubauten sowie bei größeren Umbaumaßnahmen Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern zu errichten, die möglichst den Strombedarf des Gebäudes decken.

Zudem ist zu prüfen, ob leerstehende Grundstücksflächen mit mobilen Solarparks versehen werden können. Die Stadtwerke bauen sukzessive Windkraftanlagen in den südlichen, westlichen und nordöstlichen landwirtschaftlich geprägten Gebieten der Stadt.

Energetische Sanierung von Gebäuden: Die Stadt geht auch hier mit gutem Beispiel voran und versucht, alle städtischen Gebäude energetisch zu sanieren und so den Bedarf an Wärme zu reduzieren. Auch für Privathaushalte sind Anreize und Beratungsleistungen zu schaffen.

Außerdem: Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs

Stärkung des Stadtbusses: Günstigere Tickets oder Abschaffung der Fahrpreiserhebung durch Umlagefinanzierung. Eine Fahrt in die Innenstadt aus den Ortsteilen darf nicht teurer sein als die Fahrt mit dem Auto. Erweiterung der Betriebszeit in den Abendstunden, insbesondere an Samstagen. Ziel ist eine häufigere Nutzung des Busses anstelle des Autos, insbesondere für Menschen, die kein Fahrrad nutzen können.

Park & Ride-Flächen am Stadtrand: Das Parkticket kann dann als Ticket für einen Shuttlebus dienen, gegebenenfalls Einbindung der P&R-Plätze in das Stadtbusnetz. In Kombination mit einer deutlichen Erhöhung der Parkgebühren im Innenstadtbereich wird so der dortige Verkehr verringert und die Luftqualität verbessert.

Förderung der Elektromobilität: Verdichtung des Ladenetzes im Stadtgebiet, Beibehaltung des Entfalls der Parkgebühren auf städtischen Parkplätzen. Elektrifizierung des städtischen Fuhrparks, insbesondere des Stadtbusses. Förderung des Radverkehrs

Bevorzugung des Rads vor dem motorisierten Individualverkehr: Einführung von Fahrradstraßen oder Shared-Space-Flächen in der Nähe zur Innenstadt, um ein konfliktärmeres Radfahren zu ermöglichen.

Ziel ist es, insbesondere den Binnenverkehr vom Auto auf das Fahrrad zu bekommen. An den Park&Ride-Flächen am Stadtrand können auch Leihräder sowie gesicherte Fahrradabstellboxen platziert werden, um auch für auswärtige Pkw eine kostengünstigere Möglichkeit anstelle des Parkens in der Innenstadt zu ermöglichen.

Instandsetzung der bestehenden Radinfrastruktur: Bau von Radschnellwegen: Schnelle und sichere Verbindungen aus den Ortsteilen Nienburgs sowie von den Park&Ride-Flächen in die Innenstadt steigern die Attraktivität des Radfahrens enorm. Hier sollten möglichst grüne und ruhige Routen zusätzlich die Attraktivität erhöhen.

Verbot von Schottergärten: Derart versiegelte Flächen schaden nicht nur dem Artenreichtum und beschleunigen das Insektensterben, sie wirken sich auch negativ auf das Mikroklima aus, da die Steine die Wärme speichern und wieder abstrahlen, während Pflanzen den Boden beschatten und für Verdunstungskühle sorgen. Außerdem be- oder verhindern sie die Versickerung von Regenwasser, insbesondere bei Starkregenereignissen.

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15. August 2020, 15:08 Uhr
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Frank Redler 16.08.202013:16 Uhr

Mal ganz allgemein formuliert, es verwundert mich, dass Herr Onkes erst jetzt auf energetische Sanierung kommt, wo die Kassen leer und die Steuereinnahmen unten sind.
Mir erscheint dies jetzt als doch recht populistisch, worauf sich meine berechtigte Frage an Herrn Onkes zwangsläufig aufdrängt.
Große Unternehmen nutzen zunehmend Steuerschlupfleuchte. Kleinere Unternehmen sind durch Corona massiv gefährdet, die Gewerbesteuereinnahmen sind dramatisch eingebrochen ? Wovon möchte Herr Onkes seine Massnahmen finanzieren? Wieviel Geld hat der Rat dafür veranschlagt? Eine weitere Erhöhungen der Grundsteuer B konterkariert die aktuellen Überlegungen des Gesetzgebers zur Begrenzung von Mietsteigerungen. Also, was garantiert alle interessiert, wie und an welcher Stelle will Onkes´s Verwaltung den Bürger schröpfen, um Einnahmen für seine Pläne zu generieren und uns das dann als alternativlos einreden ?


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