Handtasche aus Silber, Leder, Stoff, Glasperlen, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Foto: Museum Nienburg

Handtasche aus Silber, Leder, Stoff, Glasperlen, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Foto: Museum Nienburg

Nienburg 04.01.2021 Von Die Harke

Perle für Perle bestickt

Objekt des Monats Januar im Museum Nienburg ist ein kleiner Beutel

Das Objekt des Monats Januar im Museum Nienburg ist eine kleine Handtasche aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der gewebte Beutel ist flächendeckend mit bunten Glasperlen bestickt.

Das Muster zeigt auf beiden Seiten verschiedene Blumen in unterschiedlicher Größe. Besonders ist hier die Ausarbeitung der Blüten und Blätter. Mit verschiedenfarbigen Perlen wurden farbliche Abstufungen geschaffen, um eine Tiefenwirkung zu erzielen. Am Beutelboden sind kleine Blumen zu sehen, die mit ihren Zwiebeln noch in der Erde stecken.

Der silberne Verschluss der Tasche besteht aus einem gebogenen Bügel mit einem Knipsverschluss, vermutlich aus Silber. Beide Seiten des Verschlusses sind mit geprägten Engeln, Rosen und Rocaille-Ornamenten verziert. Die Kette aus einzelnen Gliedern ist kurz, sodass die Tasche wohl in der Hand getragen wurde. Als Übergang zwischen dem Beutel und dem Bügel wurde gerüschte violette Seide eingenäht. Das Innenfutter besteht aus Leder.

Was aussieht wie ein aufwendiger Zeitvertreib für die gelangweilte Dame des gehobenen Haushaltes, ist im 19. Jahrhundert ein aufblühender und stark wachsender, industrieller Produktionszweig gewesen. In regelrechten Perlenstickereimanufakturen fertigten Frauen staatlich gefördert Perlentaschen, -beutel und andere mit Perlen bestickte Objekte. Dabei wird nicht jede Perle einzeln auf den Untergrund aufgebracht, sondern zunächst wurden sie von Perlfasserinnen nach einer festen und vorgegebenen Reihenfolge auf einen Faden aufgefädelt. Perlstrickerinnen stickten dann die Perlenschnüre auf dem Taschenkörper fest.

Gearbeitet wurde nach zum Teil selbst entworfenen Mustern und Vorlagen. Die Vielfalt der Bildmuster reichte vom einfachen Ornament über Blumenbuketts und Landschaftsdarstellungen bis zu Städteansichten.

Es ist nicht überliefert, wann die Tasche ins Museum gelangte oder wer sie dem Museum übergab. Auf dem Taschenbügel befindet sich aber die handgefertigte Gravur des Namens E. Nottrodt; sicherlich handelt es sich hier um die frühere Besitzerin.

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Erstellt:
4. Januar 2021, 16:47 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 54sec

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