Feuerwehr-Pressesprecher Marc Henkel

Feuerwehr-Pressesprecher Marc Henkel

18.01.2015

„Person in Notlage“ keine Seltenheit

Fahrstuhl defekt: Wieder musste die Feuerwehr Reisende dafür bewahren, auf dem Bahnsteig zu stranden

Von Edda Hagebölling

Nienburg. „Per­son in Not­lage Trage­hilfe“, „Person in Notlage – Person im Aufzug“, „Person in Notlage – Aufzug steckte fest“. Für Nienburgs Feuerwehrleute gehören Notrufe dieser Art fast zum Alltagsgeschäft. Den jüngste Einsatz verzeichneten die ehrenamtlichen Retter am 1. Januar um 17.29 Uhr. Eine Bahnreisende war mit ihrem Sohn in seinem elektrischen Rollstuhl auf Gleis 6 aus der S-Bahn gestiegen, kam von dort aber nicht weiter, weil der Aufzug defekt war. „Eigentlich wollte die Dame auf den nächsten Zug warten und die dann aussteigenden Passanten bitten, ihr behilflich zu sein“, berichtete Marc Henkel, bei Nienburgs Feuerwehr für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Ich bezweifle aber, dass daraus etwas geworden wäre“, so Henkel weiter. Zum einen waren an diesem 1. Januar ohnehin nicht so viele Leute mit dem Zug unterwegs, zum anderen hatte allein der Rollstuhl ein Gewicht von 200 Kilogramm.

„Acht, neun Feuerwehrleute waren schon erforderlich, um sowohl den Sohn als auch den Rollstuhl wohlbehalten die Treppe vom Bahnsteig bis zum Tunnel hinunterzutragen“, erinnert sich Marc Henkel noch gut. Was ihn dann aber im Nachhinein dann doch noch gefreut hat: die Frau hat sich später noch einmal schriftlich ganz herzlich dafür bedankt, dass die Feuerwehr ihr und ihrem Sohn geholfen haben. „Das erleben wir wirklich nicht alle Tage“, so Henkel.

In einem anderen Fall war eine Familie im Aufzug steckengeblieben, deren Kinder dringend Medikamente benötigten. Die Nienburger Feuerwehr wurde aber auch schon zum Bahnhof gerufen, weil der Strom ausgefallen oder der Tunnel mit Wasser vollgelaufen war.

„Natürlich stellen wir der Bahn unsere Einsätze in Rechnung“, berichtet Friedrich Decke vom Ordnungsamt der Stadt. Je nach Aufwand. „Ein Einsatz mit neun Feuerwehrleuten kostet mehr als einer, für den vier Helfer anrücken mussten“, so Decke weiter. Und die Bahn zahlt. Dennoch ist dieser Zustand auch für den sturmerprobten Mitarbeiter der Verwaltung untragbar.

Nicht unbedingt voll des Lobes auf die Bahn ist auch Michael Brede vom Fachbereich Gebäude und Liegenschaften. Da die Stadt in der Regel nichts ohne Zustimmung der Bahn entscheiden kann, wenn es um den Bahnhof geht, gelte es so manches mal, sich in Geduld zu üben. Aktuell wartet Brede auf die Zustimmung, an der Dr. Franck-Straße hinter dem Bahnhof einen Parkscheinautomaten zu dürfen. Nicht fragen muss die Stadt dagegen bei ihrem Vorhaben, im Bereich zwischen dem Parkhaus und dem Bahnhof mehr Platz für Fahrräder zu schaffen. „Ich denke, dass das nicht mehr allzu lange dauern wird“, so Brede.

Ein bisschen Hoffnung hat man bei der Stadt, was das ledige Thema Bahnhofs-Toiletten betrifft. „Zwei unserer Reinigungskräfte haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, sich der Bahnhofstoiletten anzunehmen“, berichtet Regina Kohlmeier, ebenfalls Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Die Toiletten werden seit dem 1. Januar mittags und abends gereinigt. Reisenden, Pendlern, Schülern, Taxifahrern, Busfahrern oder anderen Passanten stehen sie montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr und sonnabends von 7 bis 18 Uhr zur Verfügung. Sonntags bleiben sie geschlossen. „Zum einen wird der Bahnhof sonntags deutlich weniger frequentiert, zum anderen möchten wir zumindest an diesem einem Tag lieber keine Toilette vorhalten, als eine, die total verdreckt oder gar verwüstet ist“, bittet Regina Kohlmeier um Verständnis.

Der Bahnhofstunnel wird dagegen nach wie vor von einer Fremdfirma gereinigt. Montags, mittwochs und freitags.

„Ginge es nach der Bahn, würde der Bahnhofstunnel jeden Abend um 22 Uhr verschlossen. Und Toiletten gäbe es auch nicht“, hatte zuvor Michael Brede in Erinnerung gerufen. Weil die Stadt aber die fußläufige Verbindung zum Ahornbusch erhalten und auch Toiletten vorhalten will, hatte sie schon vor vielen Jahren mit der Bahn vereinbart, sich um diese beiden Bereiche kümmern zu wollen.

Für alles andere ist jedoch die Bahn zuständig. Das betrifft die Eingangshalle ebenso wie die – nicht mehr bewirtschaftete – Gaststätte und das seit dem vergangenen Sommer verwaiste Bistro. Für das Bistro soll sich nach Bredes Informationen jedoch ein neuer Pächter interessieren.

Dass auf dem kleinen Abholparkplatz zwischen Parkhaus und Bahnhof seit geraumer Zeit rund um die Uhr Parkgebühren erhoben werden, geht wiederum auf das Konto der Stadt. „Gebühren vor Steuern, lautete auch in diesem Fall die Devise“, so Friedhelm Meyer-Leseberg vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung. Solch ein Parkplatz wolle eben auch unterhalten sein. Im Rahmen der Vereinheitlichung der Parkgebühren-Ordnung für das gesamte Stadtgebiet ist die Gebühr dann im vergangenen Jahr von 25 auf 35 Cent pro halber Stunde angehoben und ein Parkscheinautomat installiert worden. „Wer aber lediglich jemanden zum Bahnsteig bringen oder ihn von dort abholen will, kann auch nur zehn Cent zahlen“, erläutert Meyer-Leseberg weiter.

Auch weist er gegenüber der Harke am Sonntag darauf hin, dass in Bahnhofsnähe ja auch Parkplätze in der Triemer-, der Wilhelm-, der Friedrich- und der Moltkestraße zur Verfügung stünden.

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Erstellt:
18. Januar 2015, 00:00 Uhr
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