Viola Vierk, Inhaberin des Hamburger Gewürzmuseums „Spicy‘s“, und Tobias Brüning als „Gewürzhändler Jacob Lange“. Landfrauenverein Hoya

Viola Vierk, Inhaberin des Hamburger Gewürzmuseums „Spicy‘s“, und Tobias Brüning als „Gewürzhändler Jacob Lange“. Landfrauenverein Hoya

Bücken 12.02.2018 Von Die Harke

„Pfeffer bringt den Mann aufs Pferd und die Frau unter die Erd“

Gewürzexperten aus Hamburg berichteten den Landfrauen von ihrer großen Leidenschaft

Hanseatisch präsentierten sich im Gasthaus Thöle Schauspieler Tobias Brüning, alias „Pfeffersack“ Jacob Lange und seines Zeichens Gewürzhändler, und Viola Vierk, Inhaberin des Hamburger Gewürzmuseums „Spicy‘s“. „Dem Pfeffer auf der Spur“ betitelten sie ihren Vortrag und bereiteten den [DATENBANK=2896]Hoyaer Landfrauen[/DATENBANK] einen mit Humor „gewürzten“ aber auch lehrreichen Nachmittag. Auf einen Gehstock gestützt, vornehm gewandet mit schwarzem Gehrock und Zylinder schreitet Tobias Brüning durch die Reihen. Er stellt sich vor als „Jacob Lange“, einer der „wenigen“ sehr erfolgreichen und sehr erfahrenen Gewürzhändler, der in der Speicherstadt sein Unwesen treibe.Vor 325 Jahren habe er mit Mitte Dreißig sein erstes Kaufmannshaus in der Deichstraße in Hamburg erbaut. Somit könnten die Landfrauen aufgrund seines guten Aussehens schon erahnen, welche Wirkung Gewürzen als Verjüngungsmittel zukomme. Ganz besonders hob er dabei den Safran hervor und führte schmunzelnd hinzu, dass er mittlerweile ein Gramm täglich – vergleichbar mit dem Inhalt einer kleinen Schnupftabakdose – zu sich nehme.

Viola Vierk, Gewürzhändlerin aus Hamburg, klärte sodann auf: Drei bis fünf Safranfädchen pro Tag würden – gerade in der dunklen Jahreszeit – bereits dem Ruf als leichtes Antidepressivum und auch dem Portmonee der Konsumenten gerecht, denn Safran gehöre zu den teuersten Gewürzen auf der Welt.

Kompetent informierte die Hamburgerin nachgehend über die heilende, stimmungsaufhellende, antioxidative aber auch aphrodisierende Wirkung verschiedener Pfeffersorten aber auch anderer Gewürze. Besonders hob sie den „langen Pfeffer“ hervor. Diese ursprünglich in Indien wildwachsende Pfeffersorte gelte als Verjüngungsmittel, denn sie rege die Verdauung an, wirke blutreinigend, krampflösend und entzündungshemmend. Als Erkältungsmittel empfahl Vierk „heiße Milch mit Fenchelhonig und dann soviel gemahlenen langen Pfeffer, dass Sie ihn gerade noch trinken können“. Ihr Favorit sei der Schokoladenpfeffer, der im Geschmack an scharfe, dunkle Schokolade erinnere und ein „Muss“ auf Erdbeeren und Süßspeisen sei.

Die Gewürzspezialistin klärte auf, dass sich grüner, schwarzer und weißer Pfeffer nur durch den Erntezeitpunkt und die Weiterverarbeitung unterschieden und dass der handelsübliche „rote Pfeffer“ eigentlich rosa sei. Aber nicht nur zu den Pfeffersorten, sondern auch zur Vermarktung, zur Lagerung, zur Geschichte und Herkunft des Pfeffers erfuhren die Landfrauen viel. „Vergessen Sie das Mindesthaltbarkeitsdatum, Gewürze dunkel, kühl und trocken gelagert halten 100 Jahre und länger.“ Nur Feuchtigkeit sei der Tod eines jeden Gewürzes. Deshalb sollten diese nicht direkt über dem Herd gelagert werden. „Und kaufen Sie Gewürze nur im einheimischen Handel, denn hierzulande gelten strenge Vorschriften.“ Der vermeintliche „frische Kauf auf ausländischen Gewürzbasaren“ stelle sich mangels fernöstlicher Hygiene – und Qualitätsvorschriften – oft als Fehlkauf dar.

Die Lacher auf seiner Seite hatte an diesem Nachmittag aber Tobias Brüning. Trocken aber betont klärte er die Landfrauen über Sprichwörter wie „Pfeffer bringt den Mann aufs Pferd und die Frau unter die Erd“ oder Redewendungen wie „Pfeffer in den Hintern blasen“ oder „Die Nase voll haben“ auf. Letztere Redewendung sei auf Pharao Ramses II zurückzuführen, in dessen Mumie man Pfefferkörner in der Nase gefunden habe, offensichtlich zur Konservierung. Auch stellte Brüning klar, dass „ein Pfeffersack“ kein mit Pfeffer gefüllter Sack sondern eher ein abfälliger Begriff aus der Zeit der Fugger für reiche, auf Geld und Macht bedachte, Kaufleute sei.

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Erstellt:
12. Februar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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