Marvin Rittmeier ist der Anlagenverantwortlicher im Wasserwerk Stolzenau.  Kreisverband für Wasserwirtschaft

Marvin Rittmeier ist der Anlagenverantwortlicher im Wasserwerk Stolzenau. Kreisverband für Wasserwirtschaft

Stolzenau 16.07.2019 Von Die Harke

Pflanzenschutz-Rückstände entdeckt

Triflouressigsäure im Bereich des Stolzenauer Wasserwerks / Wasserschutzgebiet muss ausgewiesen werden

Um den Betrieb des Stolzenauer Wasserwerks langfristig sicherzustellen, muss ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen werden. Derzeit laufen die entsprechenden Untersuchungen. Nach Mitteilung des Kreisverbands für Wasserwirtschaft ist dabei Trifluoressigsäure nachgewiesen worden.

„Trifluoressigsäure ist eine chemische Verbindung, die im Pflanzenschutz zum Einsatz kommt, aber auch als Kältemittel in Klimaanlagen“, erklärt Gaylord Kurre, Geschäftsführer des Kreisverbands für Wasserwirtschaft, der den Wasserversorgungsbetrieb Stolzenau betreut: „Einmal freigesetzt, gelangt die Verbindung in die Atmosphäre, von dort in den Boden und schließlich ins Grundwasser.“

Das sei auch kaum überraschend, so Kurre: „Es gibt ja beispielsweise kaum noch ein Auto ohne Klimaanlage. Zudem ist Trifluoressigsäure ein zugelassener Bestandteil von Pflanzenschutzmitteln. Die Verbindung wurde schon an sehr vielen Orten entdeckt.“

Einen gesetzlichen Grenzwert für die Verbindung gebe es bislang nicht, so Joachim Oltmann, Abteilungsleiter Wasserversorgung beim Kreisverband: „Es gilt ein sogenannter Gesundheitlicher Orientierungswert von 0,0030 Milligramm Trifluoressigsäure je Liter. Ab einer Menge von 0,035 Milligramm je Liter, also rund dem Zehnfachen des Orientierungswertes, kann Trifluoressigsäure toxisch wirken.“

Die bislang in deutschen Trinkwässern nachgewiesenen Mengen lägen alle weit darunter. Das gelte mit 0,0034 beziehungsweise 0,0037 Milligramm auch für das Wasser der Stolzenauer Brunnen. „Aber wir müssen diese Entwicklung sehr genau im Auge behalten“, warnt Oltmann. Gemäß neuer Vorgaben des Landesgesundheitsamtes müsse Trinkwasser seit vergangenem Jahr auch auf das Vorhandensein von Trifluoressigsäure hin untersucht werden.

Die aktuellen Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Qualität des Stolzenauer Wassers ist grundsätzlich gut sei, aber: Das vom Wasserversorgungsbetrieb Stolzenau in seinem Werk geförderte Wasser hat einen Nitratgehalt von rund zehn Milligramm je Liter. „Ein Ergebnis, von dem viele andere Versorger nur träumen können“, sagt Gaylord Kurre. Der Grenzwert für Nitrat im Wasser liege in Deutschland bei 50 Milligramm.

Joachim Oltmann bestätigt die Einschätzung des Geschäftsführers: „Im Vergleich zu anderen Regionen ist die Situation in den Wasserschutzgebieten noch recht entspannt.“ Das habe vor allem zwei Gründe: Zuerst die, so Oltmann, verantwortungsvolle Arbeit der Landwirte: „Dünger und Gülle werden nur sehr gezielt und genau dosiert eingesetzt. Hier tragen die Wasserschutz- und Dünge-Beratungen durch die Landwirtschaftskammer und die Arbeit der Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Dümmer/Hunte/Weser Früchte.“

Zweiter positiver Faktor seien denitrifizierende Effekte im Boden: Manches von dem Stickstoff, der statt in die Pflanze in den Boden gelange, werde auf dem Weg zum Grundwasser auf natürliche Weise „neutralisiert“.

„Doch diese neutralisierenden Effekte des Bodens sind endlich. Wir können uns also nicht auf Dauer darauf verlassen, dass der Boden seine reinigende Wirkung im jetzigen Umfang behält“, warnt Oltmann.

Zum Artikel

Erstellt:
16. Juli 2019, 14:25 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.