Nienburgs Gleichstellungsbeauftragte Sarah Peters. Foto: Stadt Nienburg

Nienburgs Gleichstellungsbeauftragte Sarah Peters.
Foto: Stadt Nienburg

Nienburg 06.06.2020 Von Die Harke

„Pflegebonus ein Tropfen auf den heißen Stein“

Nienburgs Gleichstellungsbeauftragte Sarah Peters fordert grundsätzlich bessere Bezahlung für die Altenpflege

Eine einmalige Prämie bis zu 1000 Euro sollen Pflegekräfte für ihren außerordentlichen Einsatz während der Corona-Pandemie erhalten, weitere 500 Euro sollen von den Ländern und den Arbeitgebern dazu gegeben werden.

Ist dieser Pflegebonus nun ein Grund zum Jubeln? Ist er eine angemessene Entschädigung für diejenigen, die mit ihrem Einsatz für erkrankte und pflegebedürftige Menschen in den letzten Wochen bis an ihr Limit und oft genug über die Belastungsgrenze hinausgegangen sind?

„Der Pflegebonus in Höhe von maximal 1500 Euro ist nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Völlig unzureichend und ungenügend,“ sagt Sarah Peters, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nienburg, „ein viel zu geringer Betrag gemessen an der Leistung in der Pflege, besonders unter den erschwerten Bedingungen und den besonderen Belastungen in der Corona-Krise.“

Die Einkommenssituation in der Altenpflege sei von jeher miserabel. „So wie viele andere Care-Berufe gehört gerade die Pflege zu den Berufsgruppen, die äußerst schlecht bezahlt sind. Das ist seit Jahren bekannt und unter anderem Ursache für den extremen Personalmangel.

Der Kreislauf von schlechter Bezahlung, Fachkräftemangel und unzureichenden Arbeitsbedingungen wurde bedauerlicherweise in der Vergangenheit stillschweigend in Kauf genommen. Doch wie durch ein Vergrößerungsglas hat nun die Corona-Pandemie die Strukturprobleme in der Altenpflege überdimensional sichtbar gemacht“, so Peters weiter.

Eines ist nach Überzeugung der Gleichstellungsbeauftragten jedoch sicher: „Strukturelle Probleme lassen sich nicht durch eine finanzielle Einmalzahlung beheben. Insofern ist der Pflegebonus reine Augenwischerei. Denn gleichzeitig ist in den vergangenen Wochen klar geworden, dass unsere Gesellschaft ohne die Altenpflege nicht funktioniert.“

Sarah Peters betont weiter: „Sicherlich, die beschlossene Einmalzahlung erscheint vordergründig für die Altenpflege als ein wertvoller Anerkennungsbetrag. Aber insgesamt benötigen die Beschäftigten in dieser Branche sehr viel mehr. Die Altenpflege braucht tiefgreifende strukturelle Veränderungen. Es bedarf dringend einer kompletten Neubewertung dieser Arbeit, einer kontinuierlichen finanziellen Aufwertung, geregelt in allgemeinverbindlichen Tarifverträgen. Es braucht mehr Personal in der stationären und ambulanten Altenpflege und insgesamt eine weitreichende Verbesserung der Arbeitsbedingungen.“

„Die neue Aufmerksamkeit, die die Altenpflege in der Pandemie erhalten hat, darf sich nicht auf eine einmalige Prämie in Höhe von 1500 Euro begrenzen. Das Thema Pflege muss in allen Facetten, in denen sich jetzt die Schieflagen überdeutlich gezeigt haben, neu betrachtet werden. Vor allen Dingen müssen Maßnahmen folgen, die anhaltend zu deutlichen finanziellen Verbesserungen in der Altenpflege führen.“

Zum Artikel

Erstellt:
6. Juni 2020, 20:08 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.