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27.01.2021 Von Die Harke

Pflegegrad bei Inkontinenz - das sollten Sie wissen!

Inkontinenz trifft die meisten Mensch unvorbereitet. Sie kann zum Beispiel Folge einer Prostata Operation bei Männern oder hormoneller Veränderungen bei Frauen in den Wechseljahren sein. Plötzlich spielen für manche Betroffene spezielle Slipeinlagen oder sogar Windeln für Erwachsene eine Rolle. Es fällt nicht immer leicht, sich mit Inkontinenz auseinanderzusetzen. Schamgefühle sind nicht selten. Umso wichtiger ist es, das veränderte Leben rund um die Inkontinenz angemessen zu organisieren und zu gestalten. Von der Kostenseite her übernehmen die Krankenkassen auf ärztliches Rezept die Kosten für Inkontinenzhilfsmittel wie Windeln für Erwachsene. Viele Betroffene benötigen aber aufgrund ihrer allgemeinen Situation und der Inkontinenz mehr persönliche Betreuung und Pflege. Die zusätzliche Beantragung eines Pflegegrades oder ein Antrag auf Erhöhung der Pflegeleistungen könnte dabei noch mehr beitragen, dass Betroffene intensiver betreut und besser gepflegt werden können.

Das ist Inkontinenz

Erwachsene Menschen gehen in der Regel selbstverständlich davon aus, dass sie ihre Blase und ihren Darm jederzeit kontrollieren können. Hinter dieser Kontrollfähigkeit steht eine sehr komplexe Zusammenarbeit verschiedener Muskeln und Nerven im Bereich von Nase, Schließmuskeln und Beckenboden. Bei Inkontinenz geht die Fähigkeit zur Kontrolle von Blase und Darm teilweise oder vollständig verloren. Harnabgang und Stuhlabsatz erfolgen dann willkürlich. Unterschieden werden die Harn- und die Stuhlinkontinenz, wobei die Harninkontinenz weiterverbreitet ist. Inkontinenz selbst gilt nicht als Krankheit, sondern als Einschränkung einer körperlichen Funktion.

Ursachen für Inkontinenz

Verschiedene Krankheitsbilder und Störungen können die Fähigkeit zur Kontrolle von Blase und Darm negativ beeinflussen. Operative Eingriffe in den Bereichen Blase, Prostata und Darm können Nervenbahnen schädigen und so die sensible Reizübertragung der Schließ- oder Beckenbodenmuskulatur stören. Auch Tumore oder neurologische Erkrankungen wie Alzheimer können sich auswirken. Außerdem muss eine Inkontinenz nicht immer organische Ursachen haben. Gerade bei Frauen entwickelt sich häufig aus einer Reizblase ohne organische Ursache zu einer Form von Inkontinenz weiter.

Therapie und Pflege bei der Inkontinenz

Inkontinenz muss nicht dauerhaft bleiben. Therapieansätze wie Beckenbodentraining und Elektrostimulation können gerade leichtere Fälle einer Inkontinenz bessern und im Idealfall auch die Kontrollfähigkeit vor allem über die Blase wiederherstellen. Dennoch sind die meisten von Inkontinenz Betroffenen zumindest für eine gewisse Zeit auf bestimmte Pflege- und Hilfsmittel angewiesen. Dazu können je nach Schwere auch Inkontinenz Windeln für Erwachsene zählen. Ebenso werden Einmalschlüpfer mit Vorlage und Inkontinenzslips eingesetzt. Im Bett werden für die Nachtruhe wasserdichte Betteinlagen zwischen Matratze und Laken gelegt. Für leichtere Formen der Harninkontinenz reichen häufig auch spezielle Slipeinlagen aus. Je nach den weiteren Umständen können Toilettenstühle Betroffene im Umgang mit der Inkontinenz helfen, weil diese schneller zu erreichen sind als die Toilette. Neben der Ausstattung mit Hilfsmitteln erfordert Inkontinenz zusätzliche Hygiene- und Körperpflegemaßnahmen, insbesondere im Bereich der Hautpflege.

Welcher Pflegegrad ist bei Inkontinenz möglich?

Da die Inkontinenz selbst nicht als Krankheit angesehen wird, kommt es für die Beantragung eines Pflegerades bei der Pflegeversicherung auf die Gesamtumstände des Betroffenen an. Hier wird in einem Pflegegutachten geprüft, ob und wie die Alltagsgestaltung des potenziell Pflegebedürftigen eingeschränkt ist. 5 Pflegegrade sind möglich. Für Grad 1 reicht bereits eine geringfügige Einschränkung der Selbstständigkeit. Hier können beispielsweise die zusätzlich erforderlichen Hygiene- und Körperpflegemaßnahmen durch Inkontinenz wichtig werden. Dabei wird die Inkontinenz nicht immer ausreichen, um einen eigenständigen Pflegegrad zu begründen. Es kommt es auf die Umstände des einzelnen Falles an. Häufig kann Inkontinenz aber nach Erteilung eines Pflegegeldes zur Erhöhung der Pflegeleistungen führen, damit der Pflegebedürftige mehr erforderliche Betreuung erhält.

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Erstellt:
27. Januar 2021, 09:32 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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