Nienburg 27.10.2018 Von Die Harke

Plädoyer für den chemischen Pflanzenschutz

Futter- und Düngemittelhändler Bruno Fehse referierte vor Senioren-Union Nienburg

Die Senioren-Union Nienburg hatte zur monatlichen Versammlung die aktuellen Themen Pflanzenschutz und Getreideernte als Thema gewählt. Referent war ihr Vorsitzender Bruno Fehse, zugleich einer der Marktführer in den Bereichen Mischfutter und Mischdünger. „Mit guter Bodenbearbeitung, erfolgreichen Züchtungen, gezielter Düngung sowie dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat sich die Landwirtschaft in Deutschland seit den 1960-er Jahren von einem großen Getreideimportland zu einem Getreideexportland entwickelt“, führte Fehse aus. Und betonte weiter: „Wir sollten auch nicht vergessen, dass in Deutschland vor gerade einmal 100 Jahren noch hunderttausende Menschen aufgrund einer von Pflanzenkrankheiten ausgelösten Hungersnot starben. Vergiftungen mit Mutterkorn forderten sogar noch bis in das zweite Drittel des 20. Jahrhunderts Todesopfer in Europa. Der zielgerichtete Pflanzenschutz macht es möglich, dass wir heute jederzeit qualitativ hochwertige, gesunde Lebensmittel mit weltweit höchsten Standards zu günstigen Preisen erwerben können.“

Außerdem betonte der Referent: „Die hohen Erträge, die in Deutschland bei konventionell erzeugtem Getreide erzielt werden, sind ohne moderne Landwirtschaft, zu der auch der Pflanzenschutz gehört, nicht möglich. Ertragsverluste haben entscheidende negative Auswirkungen nicht nur auf uns, sondern auf die Ernährung der Welt und weitreichende Folgen für den Getreide-Weltmarkt. Auf deutschen Äckern wächst nicht nur genug Brotweizen für uns 82 Millionen Deutsche, sie sichert auch die Ernährung von mindestens 60 bis 80 Millionen Menschen, vorwiegend auf dem afrikanischen Kontinent. Sich für eine Extensivierung in Deutschland und der EU einzusetzen, mutet vor diesem Hintergrund fahrlässig an.“

„Dennoch wird die moderne Landwirtschaft, die es ermöglicht, viele Menschen von einer relativ kleinen landwirtschaftlichen Nutzfläche zu ernähren, zunehmend abgelehnt. Dabei ist insbesondere der chemische Pflanzenschutz in der Kritik. Aber würde der Verzicht auf Pflanzenschutz unsere Nahrungsmittel wirklich sicherer machen und für eine klimafreundlichere und artenschonendere Landwirtschaft sorgen? In der Humanmedizin mit mehr als 150 Medikamenten, die ihren Ursprung in der Gentechnik haben, wird eine Vielzahl chemischer Substanzen eingesetzt, viele mit mehr oder weniger starken Nebenwirkungen. Dabei wird täglich abgewogen, ob der Nutzen aus der Heilung schwerer Krankheiten eines Medikaments seine Risiken und Nebenwirkungen überwiegt“, so Fehse. Und fuhr fort: „Mit Fungiziden behandeln wir Getreide gegen Krankheiten wie Mehltau, Rosten oder Septoria. Insektizide bewahren unsere Ackerkulturen vor der Vernichtung durch Insekten. Herbizide schützen unsere Kulturpflanzen vor Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe.“

Und weiter: „Natürlich müssen die eventuellen Auswirkungen des Pflanzenschutzmitteleinsatzes auf die Ökosysteme in der Agrarlandschaft und in Gewässern gegen den Nutzen für die Ertrags- und Ernährungssicherung abgewogen werden. Anstatt einseitig den Pflanzenschutz zu kritisieren, ist dafür eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte darüber überfällig. Bei der Diskussion von Glyphosat geht es den Protestanten darum, die unabhängige Wissenschaft, die sich auf der ganzen Welt fast einmütig ausgesprochen hat, das bei einer richtigen Anwendung keine Gefährdung zu Krebs gegeben sind, zu ignorieren. Leider gibt es von den Verantwortlichen in der Politik bisher keine grundlegende Aufklärung gegenüber der Bevölkerung, auch wenn es um Gentechnik geht. Heute wird sie in mehr als 170 Lebensmitteln eingesetzt, das wird immer verschwiegen.“

„Die landwirtschaftliche Nutzung einer Fläche, sei es konventionell oder biologisch, geht immer mit einem Verlust der Artenvielfalt auf diesem Areal einher. Biodiversitätsforscher sehen statt einer Extensivierung der Landwirtschaft eine weitere Steigerung der Erträge. Wenn mehr auf der gleichen Fläche produziert wird, muss man weniger Land unter den Pflug nehmen, die Umweltbelastung würde abnehmen und kann mehr naturnahe Lebensräume erhalten“, führte Fehse weiter aus.

„In der Pflanzenzüchtung liegt ein sehr großes Potenzial, Pflanzen resistenter gegen Krankheiten zu machen und somit Pflanzenschutzmittel einzusparen, oder aber die Erträge weiter zu steigern und damit Flächen für den Naturschutz zur Verfügung zu stellen. All das wird unter kluger Intensivierung verstanden“, so der Unternehmer. Die „Gen Schere Forschung“ sei ein großer Fortschritt. Ein Ablehnung sei auch deswegen bedenklich, weil in anderen Ländern Sorten, die mit diesen neuen Verfahren gezüchtet wurden, bereits ohne Regulierungsauflagen auf den Markt kämen. Konkret stelle sich die Frage, wie künftig mit Importprodukten aus dem Ausland umgegangen werde, die unter Anwendung der neuen Züchtungsmethoden entstanden seien.

„Die Politik muss endlich wieder auf Aufklärung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mehrfach für die Nutzung der grünen Gentechnik plädiert. Trotzdem hat ausgerechnet die von ihr geführte Bundesregierung wissenschaftlich unhaltbare Anbauverbote erlassen.

Unternehmen wie die BASF haben daraufhin ihre gesamte Forschung im Bereich der grünen Gentechnik aus Deutschland ins Ausland verlagert. Bei dieser Schlüsseltechnologie, die vor mehr als drei Jahrzehnten von deutschen Wissenschaftlern erstmals erfolgreich angewendet worden ist und die danach einen weltweiten Siegeszug angetreten hat, droht Deutschland das Aus“, so Fehses Prognose.

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Erstellt:
27. Oktober 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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