Politiker-Fehltritte in der Corona-Krise

Politiker-Fehltritte in der Corona-Krise

Bei einem Besuch der Uniklinik Gießen drängen sich Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU, l), und Hessens Ministerpräsident Bouffier (CDU, M) mit Begleitern im Fahrstuhl. Foto: Bodo Weissenborn/Hessischer Rundfunk/dpa

Täglich geht die große Mehrheit der Politikerinnen und Politiker mit gutem Beispiel voran. Ab und zu passiert ihnen aber doch ein Fauxpas, der zeigt, dass die Situation auch für sie gewöhnungsbedürftig ist.

JENS SPAHN: Offenbar fällt es selbst dem Gesundheitsminister nicht immer leicht, Distanz zu wahren. So auch Mitte April, als ein Foto des CDU-Mannes gemeinsam mit anderen Politikern in einem vollen Aufzug eines Gießener Krankenhause für Aufsehen sorgte. Spahn sagte im Nachhinein einsichtig, selbst wenn man Mundschutz trage, sei es wichtig, Abstand zu halten. Alle hätten sich vorgenommen, nicht gleichzeitig in den Aufzug zu steigen - „und dann passiert es halt manchmal doch“. Es seien genau die Dinge des Alltags, „wo wir eben alle miteinander die nächsten Wochen und Monate diszipliniert bleiben müssen“.

CHRISTIAN LINDNER: Auch ein Foto des FDP-Chefs machte unlängst die Runde. Darauf war zu sehen, wie er am Wochenende einen Bekannten vor einem Restaurant in den Arm nahm. „Die spontane Umarmung bei der Verabschiedung am Freitag war ein Fehler, wie er unter Freunden nach einem privaten Abend leider passiert“, kommentierte Lindner den Vorfall und entschuldigte sich. Es sei kein Vorsatz gewesen, sondern Unkonzentriertheit. „Am Ende bleibt man Mensch.“ Für die ehrliche Reaktion bekam Lindner über die Parteigrenzen hinweg Zuspruch. Juso-Chef Kevin Kühnert schrieb auf Twitter: „Wer von Menschen und nicht von Politik-Maschinen repräsentiert werden möchte, der wird Fehler in Kauf nehmen müssen.“ Ein souveräner Umgang mit diesen Fehlern sei aber unabdingbar und Lindner habe nun vorgemacht, wie das gehen könne. „Stark!“

FRANK-WALTER STEINMEIER: Maske tragen, Abstand halten - für den Bundespräsidenten war dies selbstverständlich, als er in der vergangenen Woche das Corona-Reservekrankenhaus in Berlin besuchte. Mit Blick auf manche Verschwörungstheoretiker erklärte er dort, „dass unter den Gesichtspunkten des Virusschutzes der vielleicht manchmal unbequeme und lästige Mundschutz empfehlenswerter ist als der Alu-Hut“. Nur für ein Statement und die Journalistenfragen nach dem Rundgang nahm Steinmeier die Maske ab - bei reichlich Abstand. Die Antwort der Verschwörungstheoretiker kam postwendend: Im Netz kursierte eine manipulativ zusammengeschnittene Sequenz des Auftritts zusammen mit dem grotesken Vorwurf, Steinmeier habe den Mundschutz nur für Fotografen und Kameraleute getragen.

HEIKO MAAS: Dass der Außenminister am Samstag nach zehn Wochen Reisepause wieder in einen Regierungsflieger gestiegen ist, hat nicht jedem gefallen. Auf Twitter gab es Hunderte kritische und hämische Kommentare. Die Abstandsregeln wurden auf dem Flug von Berlin nach Saarbrücken, von wo aus es per Wagenkolonne ins luxemburgische Schengen weiterging, aber eingehalten. Von den 40 Plätzen waren nur 13 besetzt. Beim Einstieg wurde Fieber gemessen und Maas trug einen Mund-Nasen-Schutz.

MICHAEL KRETSCHMER: Als er sich Gegnern der Corona-Maßnahmen bei einer Demonstration in Dresden stellte, war es für Sachsens Ministerpräsidenten schwierig, den Mindestabstand einzuhalten. Er selbst wies immer wieder darauf hin, allerdings umringten Anwesende ihn in einem Pulk. Eine Mund-Nase-Maske trug Kretschmer auch nicht - weil die Demonstranten einen solchen Mundschutz ablehnten. Nach Kritik an seinem Verhalten sagte der CDU-Politiker: „Ich wollte mir ein Bild über die Stimmung verschaffen und respektiere, wenn Menschen eine andere Meinung haben.“

ANNEGRET KRAMP-KARRENBAUER: Ende April regnete es ebenso Kritik für die Verteidigungsministerin. Bei einem Pressetermin zur Lieferung von Schutzkleidung aus China hatte die CDU-Chefin ohne Maske ein Statement gegeben. Dabei war es zu Gedränge gekommen. Das Ministerium entschuldigte sich später und räumte ein: „Das geht besser.“

ARMIN LASCHET: Probleme mit der Maske hatte auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident. Auf einem Pressetermin Ende März schaute seine Nase aus dem Mundschutz heraus. Nach Hohn in den sozialen Netzwerken reagierte der Anwärter auf den CDU-Vorsitz selbstironisch. Auf Twitter veröffentlichte er ein Video, in dem er zeigte, wie die Schutzmaske korrekt angelegt wird. Dazu schrieb er: „NRW kann das. Ich kann das auch.“

ANGELA MERKEL: Die Kanzlerin passt bisher jedenfalls in der Öffentlichkeit geradezu peinlich auf die Abstandsregeln auf. Gut möglich, dass das auch daran liegt, dass sie ziemlich zu Beginn der Krise selbst in zweiwöchige häusliche Quarantäne musste, nachdem sie von einem Arzt eine Routine-Impfung erhalten hatte, bei dem sich kurz danach herausstellte, dass er an dem Virus erkrankt war. Tests hatten dann ergeben, dass Merkel selbst nicht infiziert worden war.

Schon vorher hatte das Kanzleramt die Zulassung zu Pressekonferenzen auf 15 schreibende Korrespondenten sowie wenige Fotografen und Kamerateams beschränkt - dabei kommt Merkel den Journalisten nie nahe. Konferenzen mit internationalen Partnern laufen ebenfalls seit Monaten nur noch per Video- oder Telefonschalte. Und die regelmäßigen Kabinettssitzungen finden wegen der Abstandsregeln im großen Internationalen Konferenzsaal und nicht mehr im Kabinettssaal statt. Außerdem hat Merkel ihre Limousine gegen einen geräumigeren VW-Bus getauscht - ebenfalls wegen der Abstandsregeln.

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