Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses und Biathlon-Olympiasieger: Frank Ullrich. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses und Biathlon-Olympiasieger: Frank Ullrich. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin 06.04.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Politiker Ullrich zieht Konsequenzen aus Doping-Diskussion

Frank Ullrich handelt nach Anschuldigungen im Zusammenhang mit Doping in der DDR und lässt sein Amt im Aufsichtsrat der Nationalen Anti-Doping-Agentur ruhen. Ullrich bestreitet Doping-Verstrickungen.

Nach Vorwürfen im Zusammenhang mit Doping in der DDR lässt der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses und Biathlon-Olympiasieger, Frank Ullrich, seine Funktion im Aufsichtsrat der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) ruhen. Er wolle die Kritik, die er für unzutreffend halte, für sich „abwägen und in dieser Zeit das Amt bei der Nada ruhen lassen“, erklärte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorwürfe sollten „weder dem Amt schaden, noch das Vertrauen von Doping-Opfern beschädigen“. Ullrich an Aufklärung interessiertDie „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte zuvor aus Unterlagen der DDR-Staatssicherheit zitiert, in denen der einstige Verbandsarzt des Deutschen Skiläufer-Verbandes der DDR (DSLV), Hans-Joachim Kämpfe, im März vermerkt haben soll, dass Ullrich in der Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele in Sarajewo 1984 mit dem Testosteron-Präparat Oral-Turinabol gedopt werden sollte. Ullrich sei dort in einer Liste zusammen mit 20 anderen Athleten aufgeführt. Der SPD-Politiker bekräftigte, dass er weder als aktiver Sportler noch als Trainer „selbst wissentlich keine Berührung mit Dopingmitteln“ gehabt habe. „Und doch war ich Teil eines sportlichen Systems, das für uns Sportler mitunter schwer zu durchschauen war. Die Stasi-Akte des Verbandsarztes, der für mich verantwortlich war, zeigt dies“, räumte Ullrich ein. „Ich kann mir meinen Namen darin nicht erklären. Zumal ich im dort angegebenen Zeitraum kein aktiver Sportler mehr war.“ Zugleich sei aber klar, dass dies Fragen aufwerfe, „die mit meinem Amt bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur nur schwer zu vereinbaren sind“. Ullrich nahm das Angebot der SED-Opferbeauftragten des Deutschen Bundestags, Evelyn Zupke, an, mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Ich werde mit ihr gemeinsam auch den Austausch mit Doping-Betroffenen suchen. Das ist letztlich eine Chance, gemeinsam mehr Licht in das DDR-Sportsystem zu bringen und in die Rolle, die wir darin gespielt haben. Die Gespräche werden auch helfen zu eruieren, wo wir Doping-Opfer besser unterstützen können“, sagte er. CDU und CSU wollen die AbberufungUllrich ist seit Mitte Dezember Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag, dem aufgrund der Statuten automatisch ein Platz im Nada-Aufsichtsrat zusteht. CDU und CSU hatten bereits Anfang der Woche einen Antrag auf Abberufung des SPD-Politikers vorgelegt. „Wer im Aufsichtsrat einer Organisation sitzt, deren Hauptzweck der Kampf gegen Doping ist, muss über jeden Zweifel erhaben sein, was die eigene Vergangenheit im Zusammenhang mit Doping betrifft. Dies ist bei Frank Ullrich nicht der Fall“, heißt es darin. Eine Kommission des Deutschen Skiverbands war 2009 zu dem Schluss gekommen, dass Ullrich in DDR-Zeiten „weder die Einnahme von Dopingmitteln angewiesen noch selbst welche an Athleten verabreicht und auch nicht die Einnahme überwacht beziehungsweise kontrolliert“ habe. Der DSV sah deshalb auch keinen Anlass für arbeits- oder dienstrechtliche Schritte sowie sportpolitische Konsequenzen gegen den damaligen Biathlon-Bundestrainer.

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Erstellt:
6. April 2022, 16:51 Uhr
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