Hannover 05.02.2019 Von Die Harke

„Politische Entscheidung“

NABU zweifelt Rechtmäßigkeit der Sondergenehmigung an

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zweifelt die Rechtmäßigkeit der Sondergenehmigung für die Entnahme des männlichen Elterntiers „GW717m“ des Rodewalder Wolfs-Rudels an. In einer Pressemitteilung kritisiert der Landesvorsitzende Dr. Holger Buschmann das niedersächsische Umweltministerium: „Umweltminister Olaf Lies hält Informationen zurück, welche seine Entscheidung legitimieren könnten. Dies nicht nur im rechtlichen Sinne. Die Öffentlichkeit möchte auch über die sachlichen und fachlichen Abwägungen informiert werden. Derzeit entsteht der Eindruck, dass die Entscheidung politisch motiviert ist.“ Die aktuelle Informationspolitik des Umweltministeriums zur Entnahme des Wolfes sei skandalös, „da sie in Kauf nimmt, dass die Emotionen sowohl bei Wolfsbefürwortern als auch bei Gegnern auf die Spitze getrieben wird“, sagt Buschmann.

Es wird zudem kritisiert, dass es keine Vergrämungsmaßnahmen oder Besenderung des betroffenen Rüden gäbe. Auch Herdenschutzmaßnahmen seien vernachlässigt worden.

„Die auf der Homepage des NLWKN dargestellten Nutztierrisse im Landkreis Nienburg für 2018 weisen aktuell nicht auf einen der genannten Ausnahmegründe hin“, wird Buschmann zitiert. Bei fast allen Nutztierrissen sei kein Mindestschutz gemäß der Richtlinie Wolf vorhanden gewesen. Dem Argument, dass eine Herde als Grundschutz diene und somit als wolfssicher anzusehen sei, erweist der NABU eine klare Absage. Hierzu müsste geklärt werden, welche Struktur und Größe eine Herde haben müsse, um als Grundschutz ohne wolfsabweisende Zäune wirken zu können.

„Weiterhin stellt sich die Frage des erheblichen wirtschaftlichen Schadens. Der NABU besitzt keine Kenntnis darüber, ob dieser vorliegt und wenn er vorliegen soll, wie dieser bemessen worden sein sollte. Ebenso verhält es sich mit den zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses. Dem NABU Niedersachsen erschließt es sich nicht, wie bei den bisher bekannten Daten diese zwingenden Gründe angenommen werden könnten“, heißt es weiter.

Zweifelhaft bleibe auch, wie die anderen Tiere des Rudels vor einem Abschuss geschützt werden sollten. „Äußerlich sind die Tiere aus der Entfernung nicht zu unterscheiden, zumal die Tiere Winterfell tragen und annähernd gleich groß sind.“ Es fehle zudem eine fachliche Abschätzung der Folgen, wenn der Leitrüde aus dem Rudel geschossen werde.

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Erstellt:
5. Februar 2019, 19:52 Uhr
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