Bundespräsident Walter Scheel (vorne) kam am 9. November 1977 mit einem Hubschrauber nach Rehburg-Loccum, um dort an den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Akademie teilzunehmen. Der Hubschrauber landete damals auf einer Wiese unweit des Klosters. Hinter dem Bundespräsidenten ist der damalige niedersächsische Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht zu sehen. Foto: Archiv

Bundespräsident Walter Scheel (vorne) kam am 9. November 1977 mit einem Hubschrauber nach Rehburg-Loccum, um dort an den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Akademie teilzunehmen. Der Hubschrauber landete damals auf einer Wiese unweit des Klosters. Hinter dem Bundespräsidenten ist der damalige niedersächsische Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht zu sehen. Foto: Archiv

Landkreis 05.11.2021 Von Sebastian Schwake

Politprominenz fliegt mit dem Hubschrauber ein

HARKE-Serie „Historischer Freitag“: Vor 44 Jahren reiste Bundespräsident Walter Scheel nach Loccum / Vor 27 Jahren war Kanzler Helmut Kohl in Nienburg

Beide kamen mit dem Hubschrauber in den Landkreis Nienburg geflogen. Beide waren große Staatsmänner, sie gehörten aber unterschiedlichen Parteien an: Im November 1977 besuchte der damalige Bundespräsident Walter Scheel die Akademie Loccum. Sie feierte ihr 25-jähriges Bestehen am Standort. Der FDP-Politiker gehörte zu den Gratulanten. 17 Jahre später flog erneut ein politisches Schwergewicht mit dem Hubschrauber ein: Helmut Kohl (CDU). Der damalige Bundeskanzler hatte einen Wahlkampfauftritt in der noch nagelneuen Nienburger Leintorhalle. Politische Prominenz im Kreis Nienburg – das heutige Thema der HARKE-Jubiläumsserie „Historischer Freitag“.

Der Geburtstag der Akademie hatte viel Prominenz nach Loccum gezogen. Neben dem vierten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland kamen weitere Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Lebens in die Klosterkirche zum Festakt. Scheel, der 1974 ins Amt kam und bis 1979 Bundespräsident blieb, hatte vor seiner Zeit in diesem Amt bereits an der Akademie referiert. Scheel unterhielt sich an der Tür zur Kirche lange mit den Gästen, zeigte sich volksnah.

Walter Scheel trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Rehburg-Loccum ein. Dafür erhält er einen Stich von Rehburg-Loccum aus den Händen des damaligen Bürgermeisters Lampe (rechts) und des damaligen Akademie-Direktors Dr. Hans Storck. Foto: Archiv

Walter Scheel trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Rehburg-Loccum ein. Dafür erhält er einen Stich von Rehburg-Loccum aus den Händen des damaligen Bürgermeisters Lampe (rechts) und des damaligen Akademie-Direktors Dr. Hans Storck. Foto: Archiv

Besonders freute sich der Liberale darüber, dass ihm Landrat Schmidt einen Wappenteller des Landkreises Nienburg überreichte. Der Bundespräsident folgte auch gerne einer Bitte der damaligen Rehburg-Loccumer Delegation um Bürgermeister Lampe und Stadtdirektor Rösner und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Vom damaligen Bürgermeister Lampe bekam der gebürtige Solinger einen Stich von Rehburg-Loccum.

Nachdem sich der Bundespräsident in dem Buch verewigt hatte, folgte der nächste Promi: Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU), Vater der heutigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, hatte es sich nicht nehmen lassen, an diesem Tag auch nach Loccum zu kommen, um der Akademie im Namen des Landes zu gratulieren. Auch er trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein, das für diesen Zweck eigens vom Rathaus in die Klosterkirche gebracht worden war.

Walter Scheel hat sich bei seinem Besuch am 10. November 1977 ins Goldene Buch Rehburg-Loccums eingetragen. Foto: Belouet

Walter Scheel hat sich bei seinem Besuch am 10. November 1977 ins Goldene Buch Rehburg-Loccums eingetragen. Foto: Belouet

Das Jubiläum begann mit einem Festgottesdienst in der Klosterkirche. Der Chor der Stiftskirche sang ebenso wie der Konzertchor Hannoverland, das Niedersächsische Kammerorchester. Zudem spielte Organist Rudolf Rienau. Die Festpredigt hielt der damalige Landesbischof und Abt zu Loccum D. Eduard Lohse.

Diese ging den damaligen Zuhörern unter die Haut. Heute dürfte das aber vielen nicht anders sein, ist das Thema auch heute noch aktuell: Heute ist es nicht mehr selbstverständlich, Christ zu sein, sagte er am 9. November 1977 – vor fast genau 44 Jahren. „Unser Leben rollt in einer Umgebung ab, in der ringsherum die Bedrohung aufgezogen ist“, sagt er damals. In seiner Festrede gab er der Akademie seinerzeit mit auf den Weg, dass „sich diese Einrichtung im Schutze einer altehrwürdigen Tradition der Gegenwart stellen muß. Sie hat unter anderem die Aufgabe, im Streit der Meinungen das Richtige zu finden und in die Tat umzusetzen.“

Bundespräsident Walter Scheel (links) betrachtet den Nienburg-Wappenteller ganz genau. Diesen hatte er zuvor von Landrat Schmidt im Beisein von Akademiedirektor Dr. Hans Storck während der Feierlichkeiten zum Akademiejubiläum überreicht bekommen. Foto: Archiv

Bundespräsident Walter Scheel (links) betrachtet den Nienburg-Wappenteller ganz genau. Diesen hatte er zuvor von Landrat Schmidt im Beisein von Akademiedirektor Dr. Hans Storck während der Feierlichkeiten zum Akademiejubiläum überreicht bekommen. Foto: Archiv

„Im Ringen um diesen demokratischen Staat kann man mit der Akademie rechnen“, sagte der damalige Direktor der Akademie Loccum, Dr. Hans Storck. Er überreichte dem Bundespräsidenten das Buch „Mut zur Verständigung“, das auf die ersten 25 bewegten Jahre der Akademie blickt. Bevor der Ministerpräsident mit dem Hubschrauber wieder abhob, schloss sich ein Rundgang auf dem Klostergelände an – abgesichert von etlichen Polizisten und Sicherheitskräften.

Eine Rede hielt der Bundespräsident damals nicht.

Für den Gast aus Bonn war bereits einen Tag zuvor eine Hundertschaft der Polizei nach Rehburg-Loccum gereits, um am Folgetag für die uneingeschränkte Sicherheit des Bundespräsidenten zu sorgen. Auch Nienburger Polizisten sicherten den Festakt und sorgten für die Sicherheit der weiteren politischen Prominenz, zu der Bundesminister für Städtebau Karl Ravens (SPD), Niedersachsens Innenminister Rötger Groß (FDP) sowie der frühere niedersächsische Ministerpräsident Alfred Kubel (SPD) gehörten.

Eine Rede hielt der Bundespräsident damals nicht. Von Loccum ging es seinerzeit weiter zum nächsten Termin – ebenfalls in Niedersachsen: Im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen unterrichtete sich der Bundespräsident über Probleme der Übersiedler und sprach mit deutschstämmigen Familien aus der Sowjetunion über Fragen zu ihrer Eingliederung.

Helmut Kohl machte für Christian Wulff Wahlkampf in Nienburg

Ebenfalls mit dem Hubschrauber kam der damalige Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl am 4. März 1994 nach Nienburg. Er landete auf dem Areal der Clausewitz-Kaserne und kam zu einem Wahlkampfauftritt in der damals noch nagelneuen Nienburger Leintorhalle. Am 13. März waren in Niedersachsen Landtagswahlen. Mit seinem Besuch in Nienburg unterstützte der Kanzler die damalige CDU-Landtagsabgeordnete und -kandidatin Traute Grundmann und den Spitzenkandidaten der CDU in Niedersachsen, Christian Wulff, der die Wahl wenige Tage später gegen Amtsinhaber und den späteren Kohl-Ablöser Gerhard Schröder (SPD) verlor.

CDU-Prominenz bei der Rede von Bundeskanzler Helmut Kohl in der Nienburger TKW-Halle: (von links) Willi Heineking, Traute Grundmann, Spitzenkandidat Christian Wulff, CDU-Kreisvorsitzender Heinrich Eggers und Nienburgs Landrat Werner Siemann. Foto: Archiv

CDU-Prominenz bei der Rede von Bundeskanzler Helmut Kohl in der Nienburger TKW-Halle: (von links) Willi Heineking, Traute Grundmann, Spitzenkandidat Christian Wulff, CDU-Kreisvorsitzender Heinrich Eggers und Nienburgs Landrat Werner Siemann. Foto: Archiv

Auf dem Antreteplatz stand ein Bundeswehr-Geländefahrzeug. Auf der Motorhaube des Fahrzeuges lag das Gästebuch der Panzerbrigade 3, in das sich der Kanzler noch schnell eintrug, bevor er weiter Richtung Leintorhalle fuhr. Der damalige CDU-Kreisvorsitzende und spätere Landrat Heinrich Eggers begrüßte in der Halle 2500 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Bundeskanzler Helmut Kohl wurde vom Kommandeur der Panzerbrigade 3, Oberst Friedrich-Johann von Krusenstiern (rechts), auf dem Areal der Clausewitz-Kaserne begrüßt. Zwischen beiden steht der damalige CDU-Spitzenkandidat in Niedersachsen, Christian Wulff. Foto: Archiv

Bundeskanzler Helmut Kohl wurde vom Kommandeur der Panzerbrigade 3, Oberst Friedrich-Johann von Krusenstiern (rechts), auf dem Areal der Clausewitz-Kaserne begrüßt. Zwischen beiden steht der damalige CDU-Spitzenkandidat in Niedersachsen, Christian Wulff. Foto: Archiv

Einen größeren Saal habe die CDU für den Auftritt des Kanzlers nicht gefunden: „Die Halle ist rappelvoll“, sagte Heinrich Eggers. Bevor Helmut Kohl ans Rednerpult trat, trug er sich im Beisein des damaligen Stadtdirektors Heinz Intemann ins Goldene Buch der Stadt Nienburg ein. Kohl hielt eine einstündige Rede, in der er auf politische Angriffe auf den Gegner, die SPD, größtenteils verzichtete. Seinen SPD-Herausforderer Rudolf Scharping erwähnte Kohl nicht mit einem Wort. Vielmehr räumte der Kanzler ein, dass der Aufbau in Ostdeutschland viel länger dauern werde, als zunächst angenommen worden war.

Dr. Helmut Kohl trug sich während seines Besuches am 4. März 1994 auch in das Goldene Buch der Stadt Nienburg ein. Foto: Kleinert

Dr. Helmut Kohl trug sich während seines Besuches am 4. März 1994 auch in das Goldene Buch der Stadt Nienburg ein. Foto: Kleinert

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Erstellt:
5. November 2021, 08:00 Uhr
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