Thomas Elsner, Julia Blanck, Susanne Arning und Sven Holzschneider (von links) sichten im Archiv Akten zum Schicksal der Familie Weinberg. Foto: Stadt Nienburg

Thomas Elsner, Julia Blanck, Susanne Arning und Sven Holzschneider (von links) sichten im Archiv Akten zum Schicksal der Familie Weinberg. Foto: Stadt Nienburg

Nienburg 30.08.2021 Von Die Harke

Polizeiakademie übernimmt in Nienburg Patenschaft für Stolpersteine

Im Archiv haben sich Projektbeteiligte über die Familie Weinberg informiert

Die Patenschaft für die Stolpersteine der Familie Weinberg hat vor wenigen Wochen im Rahmen einer Feierstunde die Polizeiakademie Niedersachsen in Nienburg übernommen. Nun äußerten Vertreter der Akademie den Wunsch, Originaldokumente zum Schicksal der Familie im Nienburger Stadtarchiv einzusehen, um so weitere Informationen zu erhalten. Dem kam das Stadt- und Kreisarchiv gern nach.

Die Leiterin Patricia Berger zeigte ihnen im Lesesaal Fotografien der Familie aus unterschiedlichen Zeiten. Auch die Ausgrenzung, Verfolgung und Deportation der Weinbergs lassen sich mit Dokumenten belegen: Da ist die Mitteilung von 1937 an Leopold Weinberg, in der ihm die Genehmigung zum Viehhandel und damit die Existenzgrundlage entzogen wird. Tochter Elisabeth wird im gleichen Jahr von der Schule verwiesen, ohne Abschluss.

Weitere Schriftstücke dokumentieren die Flucht von Fritz und Carl Weinberg, die 1936 Deutschland verließen und nach Südafrika gingen. Bruder Helmut floh 1938 nach Australien, nachdem er und sein Vater im Zuge der Pogromnacht im November 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und misshandelt worden waren“, schreibt die Stadt- und Kreisarchivarin. Erhalten sind auch die Anträge von Leopold und seiner Frau Frieda Weinberg sowie ihrer Tochter Elisabeth auf Ausstellung einer Kennkarte, versehen mit der Bezeichnung „Jüdin“ beziehungsweise „Jude“ in roter Schrift.

Sie mussten wie alle Personen jüdischen Glaubens einen zweiten Vornamen beantragen, die Frauen Sarah und die Männer Israel. Und schließlich belegt ein unscheinbares vergilbtes Stück Papier die Deportation von Frieda, Leopold und Elisabeth Weinberg sowie der letzten in Nienburg verbliebenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde am 28. März 1942. Sie alle mussten der örtlichen Polizei ihre Hausschlüssel übergeben, die umgehend die Häuser und Wohnungen durchsuchte und alle Wertsachen an sich nahm. Niemand kam zurück, alle wurden ermordet.

„Es macht einen großen Unterschied, ob wir das traurige Schicksal der Weinbergs anhand von originalen Dokumenten im Archiv nachspüren oder allein in einem Buch nachlesen“, lautete das emotionale Fazit der neuen Patinnen und Paten der Polizeiakademie.

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Erstellt:
30. August 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
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