Hoyas Pastor Andreas Ruh (links) und Künstler Henning Diers mit den Portraits  der Reformatoren Philipp Melanchthon (links oben), Joannes Calvin (oben rechts), Huldrych Zwingli (unten links) und Martin Luther (unten rechts). Achtermann

Hoyas Pastor Andreas Ruh (links) und Künstler Henning Diers mit den Portraits der Reformatoren Philipp Melanchthon (links oben), Joannes Calvin (oben rechts), Huldrych Zwingli (unten links) und Martin Luther (unten rechts). Achtermann

Hoya 23.12.2017 Von Horst Achtermann

Portraits jetzt für immer in Hoya

Reformatoren Luther, Zwingli, Melanchthon und Calvin seit Freitag in der Martin-Luther-Kirche zu sehen

Im Reformations-Jubiläumsjahr 2017 hat der Hasseler Künstler [DATENBANK=439]Henning Diers[/DATENBANK] die Reformatoren Martin Luther, Huldrych Zwingli, Philipp Melanchthon und Johannes Calvin in zeitgenössischer Darstellung portraitiert. Anlass waren Predigten von [DATENBANK=1904]Pastor Andreas Ruh[/DATENBANK] zum Leben und Werk dieser Reformatoren. Dank der großzügigen Unterstützung durch die Volksbank Aller-Weser, konnte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hoya diese vier Bilder ankaufen. Seit Freitag haben die vier Bilder einen dauerhaften Platz in der [DATENBANK=5207]Martin-Luther-Kirche.[/DATENBANK] Das zu Ende gehende Jahr 2017 war das Martin-Luther-Jahr. In Erinnerung an seine 95 Thesen gegen den Ablass vor 500 Jahren. Es wurde viel darüber veröffentlicht und in den Kirchen gepredigt. Wittenberg wurde in diesem Jahr zu einem Wallfahrtsort, die Lutherstätte Wartburg ist ein Erinnerungsort.

Aber was sagt Andreas Ruh in seinen Predigten zu den anderen Reformatoren: Phi-lipp Melanchthon (1497 bis 1560). Als Philipp Schwarzerdt geboren, übertrug sein Lateinlehrer Johannes Reuchlin seinen Namen 1509 ins Griechische, seitdem hieß er Philipp Melanchthon. Er wurde mit 21 Jahren Professor für Altgriechisch an der Universität Wittenberg. Mit kleiner unansehnlicher Gestalt, mit dünner Stimme (er lispelte) ein bedächtiger Mann; kein Polterer wie Luther es war. Kamen Studenten wegen Luther nach Wittenberg, so blieben sie wegen Melanchthon. Bis zu 600 Studenten waren in seinen Vorlesungen. Er begeisterte, diese Epoche sollte die Epoche der evangelischen Bildung und der Schulgründungen werden.

Melanchthons Dogmatik der jungen reformatorischen Theologie gefiel Luther. Der schrieb 1521 von der Wartburg: Es gibt nichts, was meine Armut an deinem Reichtum hier aussetzen könnte. Melanchthon sprach sich in aller Deutlichkeit gegen das römische Messopfer aus, gegen die Hostienverehrung, gegen den Heiligenkult.

Pastor Ruh ergänzt in seiner Predigt dazu, dass Johanne Calvin sagte: „Wer zu den Heiligen betet, der raubt Gott die Ehre, die ihm allein zusteht“. Melanchthon hielt 1546 die Leichenrede für Luther: „Dein Wagenlenker, Israel ist gefallen“. Er wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg gegenüber Luther beigesetzt.

Huldrych Zwingli (1484 bis 1531) kehrt aus der Schlacht bei Marignano zurück, er wird die blutigen Bilder nie vergessen, predigt Pastor Ruh. Nie wieder will er Söldnerpfarrer sein, er kehrt in das Pfarramt zurück. „Wer Unzucht, Todschlag schaffen kann, den hält man für einen kühnen Mann. „Hat uns das Christus gelehrt?“ Die Forderung nach Frieden, nach Barmherzigkeit in der Welt wird er immer wieder erheben.

Sein Reden hat Erfolg. Der Rat der Stadt Zürich verbietet das Söldnerwesen. Zwingli sieht vor sich eine selbstsüchtige Kirche, die das soziale Leben der Menschen und die christliche Barmherzigkeit zerstört.

„Die Pracht der Kirchen und die Bettler in ihren Portalen, das war für ihn unerträglich“ sagt Andreas Ruh. Eigentümlich: Zwingli verbannte die Musik aus den Kirchen, privat liebte er es, zu musizieren und zu komponieren. Er ist als Musikfeind in die Geschichte eingegangen. 1529 fand Zwinglis einzige Begegnung mit Luther statt, beim Marburger Religionsgespräch. Bekämpft haben sie sich in vielen Schriften. Im Kern ging es um die Auffassung vom Abendmahl. Luther: Jesus Christus sei beim Abendmahl leiblich in Form von Wein und Brot anwesend. Zwingli und sein theologisches Umfeld verstanden die Abendmahlsfeier als eine symbolische Gedächtnishandlung. In 14 Punkten war man sich einig, nicht aber hinsichtlich des Abendmahls. So war am Ende nicht nur die römische Kirche gespalten, sondern auch die reformatorische Bewegung im deutschsprachigen Raum.

Johannes (Jean) Calvin (1509 bis 1564) hat in einem Schreiben an König Franz I. zu seinem Büchlein „Unterricht in der Christlichen Religion“ , wo ihm klipp und klar ein göttlicher „Rechtsanspruch“ mitgeteilt wird: Wo Jesus Christus Herr ist, da untersteht ihm auch der König“. Er führt den Psalmengesang und den katechetischen Unterricht ein, in Anlehnung an Luthers Kleinen Katechismus.

Ab 1539 entsteht zwischen Calvin und Philipp Melanchthon eine Freundschaft. Wenn Calvin seinen Gegnern als hochmütiger Doktrinär und unausstehlicher Tyrann galt, war er für seine Anhänger ein von Gott berufener Lehrer. Calvin starb am 19, Mai 1564 im 55. Lebensjahr, einen Grabstein wollte er nicht. Nicht ihm. Gott allein die Ehre. Andreas Ruh: „Es bleibt noch eine andere Botschaft des Genfer Reformators. Die Gemeinschaft hat ein Recht auf mich. Das eigene Leben ist nicht das höchste Gut, sondern das Leben der Gemeinschaft in der ich lebe“.

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Erstellt:
23. Dezember 2017, 21:00 Uhr
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