Präsentation von Buch und Vorlage: Gerhard Grönke, Dr. Maria Klein mit ursprünglicher Vorlage (Schreibmaschinenseiten) und Horst Müller-Kuntzer mit der Originalausgabe: „Briefe von Tante Hannchen nach Puerto Rico“ (von links). Foto: Achtermann

Präsentation von Buch und Vorlage: Gerhard Grönke, Dr. Maria Klein mit ursprünglicher Vorlage (Schreibmaschinenseiten) und Horst Müller-Kuntzer mit der Originalausgabe: „Briefe von Tante Hannchen nach Puerto Rico“ (von links). Foto: Achtermann

Eystrup 25.07.2020 Von Horst Achtermann

Post zwischen Eystrup und Puerto Rico

Der Heimatverein hat die Geschichte rund um die „Villa Strube“ aufgearbeitet – und was sonst noch passierte

Viele kennen sie, die „Villa Strube“ in Eystrup. Doch ihre Geschichte und die der handelnden Personen war bislang wohl nur wenigen bekannt.

Besitzerin der Villa ist heute Dr. Maria Klein, Mitglied im Heimatverein Eystrup. Dort arbeitet eine Geschichtswerkstatt auf Initiative von Gerhard Grönke und Horst Müller-Kuntzer die Geschichte von Eystrup mit alten Dokumenten und Fotos auf. Im Februar dieses Jahres hielten sie im Gemeindehaus einen heimatkundlichen Vortrag. Zugegen war auch Dr. Maria Klein. „Das hat mir imponiert, eine tolle Sache“, sagt sie. Sie sitzt zusammen mit Gerhard Grönke und Horst Müller-Kuntzer im Alten Güterschuppen. Zusammen berichten sie, was dann geschah.

Die „Villa Strube“ an der Strubenstraße in Eytrup. Foto: Achtermann

Die „Villa Strube“ an der Strubenstraße in Eytrup. Foto: Achtermann

„Vor einigen Monaten drückte mir Frau Dr. Maria Klein eine Mappe mit 200 Schreibmaschinenseiten in die Hand, verbunden mit der Frage, ob ich Interesse hätte mir das mal durchzulesen“, erklärt Horst Müller-Kuntzer.

100 Briefe von Tante Hannchen

Es seien Abschriften gewesen von über 100 Briefen, die eine Vorfahrin von Maria Klein, Johanne Knippenberg – liebevoll „Tante Hannchen“ genannt – zwischen 1878 und 1888 verfasst hatte. Adressaten waren ihr Lieblingsneffe Jules Schröder in Porto Rico und dessen Bruder Victor sowie Jules Ehefrau Coralie. Daraus ist die neue Buchempfehlung des Heimatvereins zur Heimatgeschichte entstanden, mit dem Titel: „Briefe von Tante Hannchen nach Puerto Rico“.

Geschrieben von Johanne Knippenberg und neu in digitale Form herausgegeben in Gemeinschaftsarbeit von Dr. Fritz Lohmann, einem Ur-Urenkel des Bremer Kaufmanns und Bankiers August Schröder, der 1862 das Rittergut in Eystrup mit allen Ländereien, Wäldern und einem Landhaus, der späteren „Villa Strube“ erwarb.

Fritz Lohmann war 1935 als Sohn bremischer Eltern in Washington DC (der Vater war Diplomat) geboren, lebte während der Schul-, Studien- und Referendarzeit in Bremen und kam 1965 als Jurist zur Fotofirma Agfa nach Leverkusen. Seit 1978 war er deren Chefjurist bis zu seiner Pensionierung 1998. Er war oft und gern in Eystrup, wo seine Mutter 1945 mit ihm und seinen zwei Geschwistern Zuflucht fanden und wo seit 120 Jahren öfter, seit 2003 jährlich – nur nicht in diesem Corona Jahr – Familientreffen stattfanden. „Tante Hannchen hat deren Anfang möglich gemacht, und er freut sich, ihr mit der Herausgabe ihrer Briefe ein Denkmal zu setzen“, weiß Horst Müller-Kuntzer aus der Korrespondenz mit ihm. In der habe er wertvolle Informationen zur Geschichte der „Villa Strube“ erhalten. Die wiederum seien nun auf der Internetseite des Heimatvereins zu finden.

Anmerkungen ergänzt, Register mit Namen und Orten

Weiter hat der Informatik-Ingenieur, Lektor und Ur-Urenkel von August Schröder, Wolfgang Rohdewald, Anmerkungen hinzugefügt und das Buch mit einem ausführlichen Register der erwähnten Namen und Orte ergänzt. Horst Müller-Kuntzer hat die Schreibmaschinentranskription gescannt und anschließend durch ein Texterkennungsprogramm formatierbar gemacht. Und natürlich war er durch das intensive Lesen der Textseiten, ein wichtiger Baustein in der Gemeinschaftsarbeit.

Und wer war jetzt „Tante Hannchen“? August Schröder, Besitzer von Zuckerrohr- und Tabakplantagen in den niederländischen Kolonien sowie einem Handelshaus in Amsterdam, heiratete die Schwester von Johanne Knippenberg. Als seine Frau, Mutter von sieben Kinder (damals drei bis 17 Jahre alt) ein Jahr später nach dem Kauf der Villa in Eystrup starb, übernahm Johanne Knippenberg – eben „Tante Hannchen“ – mit großer Liebe die Erziehung der Kinder und die Verwaltung der Villa.

Eines dieser Kinder war Jules Schröder, den sie wohl besonders gemocht hat. Er war später nach dem Studium als Rechtsanwalt mehrere Jahre in Puerto Rico tätig.

„Wunderschöne Wandbilder aus der Villa hängen heute im Bremer Schütting (Sitz der Bremer Handelskammer)“, erinnert Gerhard Grönke. Und Maria Klein ergänzt: „Die wurden von August Strubes Witwe gestiftet.“ Nach dem zweiten Weltkrieg hatten die Engländer bis 1992 die „Villa Strube“ in ihrem Besitz. Maria Klein, Tochter von Martha Strube-Klein: „Ich wurde von den englischen Generälen ‚House-Owner‘ genannt.“

Das Buch ist nicht über den Buchhandel zu beziehen, sondern solange der Vorrat reicht nur über den Heimatverein Eystrup. Es hat 352 Seiten mit über 30 Abbildungen und kostet 19,90 Euro. Der Verein ist erreichbar unter Telefon (0 42 54) 84 40 und per E-Mail: info@heimatverein-eystrup.de.

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Erstellt:
25. Juli 2020, 19:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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