Nienburg 28.05.2019 Von Die Harke

„Posthof darf nicht verramscht werden“

„Initiativkreis Wissensburg“ schlägt eine öffentliche Podiumsdiskussion vor

Zum Thema „Wissensburg“ schreibt der „Initiativkreis Wissensburg“ (IK) in einer Pressemitteilung: „Natürlich befürworten auch die Mitglieder des Initiativkreises grundsätzlich eine moderne Bibliothek, wie sie anlässlich der durch Bündnis 90/Die Grünen kürzlich durchgeführten Podiumsdiskussion als sogenannter Dritter Ort thematisiert wurde. Sie sind jedoch der Auffassung, dass sich die Stadt Nienburg nicht an den vorgestellten Beispielen von Großstädten wie Oslo, Amsterdam, Köln oder Bielefeld orientieren darf, sondern ausschließlich an dem Bedarf und den verfügbaren Mitteln. Nicht das Wünschenswerte, sondern allein das Machbare muss im Sinne eines verantwortungsvollen, die Belange der Nachfolgegenerationen hinreichend berücksichtigenden Umgangs mit Steuergeldern im Fokus stehen.

Wie von der HARKE berichtet, hat die Stadt für die anstehenden Sitzungen der zuständigen Gremien Entscheidungshilfen in Form eines Vergleichs der vorliegenden drei Varianten vorbereitet. An der Erstellung dieser Matrizen wurden weder die Fraktionen – wie zu lesen war – noch der Initiativkreis, dem das noch bei der Ratssitzung im Februar in Aussicht gestellt worden war, in irgendeiner Form beteiligt. Das Ergebnis ist in sich widersprüchlich, lässt nach wie vor die erforderliche Transparenz vermissen und ignoriert bestehende Fakten. Die Bezugnahme auf die DIN 67.700 suggeriert das Erfordernis einer bestimmten Größe für Bibliothek und Archiv, obwohl das objektiv nicht der Fall ist. Tatsächlich enthält diese lediglich die spezifischen Werte für den Anforderungskatalog des Bauherrn.

Die den Berechnungen der Stadt zugrunde liegenden Preise von 1928 Euro/Quadratmeter für die ,Wissensburg‘ sind völlig unrealistisch. Die jüngst für das ,La Vie‘ der GBN in Nienburg bekannt gegebenen Zahlen ergeben einen Preis von rund 3.000 Euro/Quadratmeter. Die veröffentlichten Werte eines geplanten AWO-Seniorenheims in Marklohe bewegen sich im gleichen Bereich. Dieser Wert wurde auf Nachfrage sowohl durch den Kalkulator eines renommierten und mit den örtlichen Gegebenheiten bestens vertrauten Bauunternehmens als auch durch einen äußerst erfahrenen, allgemein anerkannten Nienburger Architekten bestätigt. Realistisch sind daher bei einer Flächengröße der ,Wissensburg‘ von circa 5.000 Quadratmetern nicht die durch die Stadt genannten 11,5 sondern vielmehr die durch den IK veranschlagten rund 15 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten der Immobilie Lange Straße 31/33 (Totalabriss, aufwändige Ertüchtigung von Kellergeschoss und Gründung, spezielle Brandschutzmaßnahmen etc.) erhöht sich dieser Betrag nach vorsichtiger Schätzung auf insgesamt mindestens 16 Millionen Euro.

Neben dem Ziel der Kostenminimierung bei Sicherstellung eines hinreichenden Leistungsangebots basiert der Vorschlag des IK auch auf der festen Überzeugung, dass der Posthof nicht verramscht werden darf und unbedingt in kommunaler Hand bleiben sollte. Dazu ist – unabhängig von seiner Nachnutzung – eine umfassende Sanierung des Gebäudes mit Erneuerung der Rückwand ohnehin allein aus Sicherheitsgründen unumgänglich. Zur Schaffung des geforderten zusätzlichen Raumes hat der IK einen barrierefreien Anbau an den Posthof vorgeschlagen, dessen bestmögliche Ausgestaltung in einem Architektenwettbewerb zu ermitteln wäre. Der Bürgermeister verwehrt dem IK leider die Einsichtnahme in einen Vorgang, der Bedenken des Landesamtes für Denkmalschutz gegen einen Anbau belegen soll.

Dabei existiert noch nicht einmal ein Entwurf. Gleichwohl gäbe es mit der Möglichkeit der Anmietung des kompletten Erdgeschosses eines unmittelbar benachbarten, mit dem Posthof seit Jahrhunderten historisch eng verbundenen Gebäudes eine ebenfalls äußerst attraktive Lösungsmöglichkeit. Diese wäre auch zusätzlich zu einem Posthof-Anbau denkbar, vielleicht sogar als Königsweg, falls dieser in seiner Fläche kleiner gehalten werden soll und/oder das für notwendig befundene Leistungsangebot ansonsten nicht sichergestellt werden kann. Für das Archiv wird ein Neubau in gut erreichbarer Stadtrandlage vorgeschlagen.

Um das nicht zielführende Gezerre um Zahlen und Fakten endlich zu beenden, schlägt der IK eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema „Wie viel Wissensburg darf die Stadt Nienburg sich leisten?“ vor. Als Podiumsteilnehmer bieten sich dazu an: der Bürgermeister, die Fraktionsvorsitzenden, ein kompetenter aber neutraler Fachmann aus dem Baugewerbe und je ein Vertreter des Landesamtes für Denkmalschutz sowie des Initiativkreises“, heißt es abschließend in der Pressemitteilung.

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Erstellt:
28. Mai 2019, 01:29 Uhr
Lesedauer:
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