Heidi Reckleben-Meyer DH

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Kolumnen 26.12.2017 Von Heidi Reckleben-Meyer

Praktisches und Gruseliges

Geschenke – wer den Begriff nachschlägt, trifft auf viel Nüchternheit und wenig Zauber. Da liest man etwas von „freiwilliger Eigentumsübertragung einer Sache oder eines Rechts ohne Gegenleistung“. Dass Schenken eine echte Gratwanderung sein kann, zeigt sich besonders um die Weihnachtszeit.

Ein ungläubiger Blick beim Auspacken, dann ein leicht schiefes Grinsen mit einem gemurmelten „Danke“ – die meisten Menschen erkennen schnell, wenn sie mit einem Geschenk – vorsichtig ausgedrückt – beim Gegenüber nicht ganz ins Schwarze getroffen haben.

Und Weihnachten ist die Zeit, in der auch die meisten Geschenke überreicht werden, von denen der Beschenkte gar nicht wusste, dass er sie jemals vermisst oder sie sich irgendwann einmal gewünscht hätte.

„Etwas Praktisches“ (was ohnehin hätte angeschafft werden müssen) rangiert dabei nur knapp vor „so etwas hat garantiert niemand, nirgendwo“ (ja, aus gutem Grund nicht!) und Dingen, die einfach nur gruselig sind (wo stellt man so etwas bloß hin, hinters Sofa?). – Aber: Wer sagt das schon offen?

Schön, wenn die Menschen, die einem mit einem Geschenk eine Freude bereiten wollten, so nahe sind, dass man ihnen einfach gestehen kann, dass das Geschenk – verkürzt gesagt – dämlich war. Ohne, dass sie sich ärgern, böse oder traurig sind.

Für die anderen, denen das nicht vergönnt ist, hat Eugen Roth einst geschrieben: „Ein Mensch, der wünscht sich fromm und still, dass er einst das kriegt, was er will. Bis er dann doch dem Wahn erliegt und schließlich das will, was er kriegt!“

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Erstellt:
26. Dezember 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 47sec

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